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Strategie : Ändert Japan die Geldpolitik, steigt die Volatilität

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Bild: FAZ.NET

Der amerikanische Leitzins ist deutlich angehoben worden. Trotzdem steigen die Börsen, die Rohstoff- und Edelmetallpreise haussien, die Renditen bleiben relativ tief. Lösung des „Zinsrätsels“: die Japanische Geld- und Wechselkurspolitik.

          Die Entwicklung der Börsen in den vergangenen Jahrzehnten ist phänomenal. Denn langfristig zeigen die Trends der meisten Indizes weltweit eindeutig nach oben. Dafür werden viele Argumente angeführt. Unter anderem die Tatsache, daß die Wirtschaft nach Krisen immer wieder in Gang gekommen sei und aufgrund zunehmenden Wachstums die Gewinne der Unternehmen weltweit und damit ihre Kurse an den Börsen beflügelt habe.

          Das scheint sich auch durch die Entwicklung Erholung von der Baisse den vergangenen Monaten belegen zu lassen. Allerdings gibt es markante Unterschiede zur längeren Vergangenheit. Denn im Gegensatz zu früher steigen nun praktisch die Preise aller Vermögenswerte, angefangen bei Immobilien, über Kunstgegenstände, Aktien und Rohstoffe bis hin zu den Edelmetallen.

          Selbst die Rentenmärkte zeigen eine gewisse Widerstandskraft

          Selbst die Rentenmärkte halten sich trotz einer gewissen Konsolidierung noch auf einem hohen Niveau, obwohl die amerikanische Zentralbank den Leitzins in den vergangenen Monaten deutlich angehoben hat und obwohl auch viele andere Zentralbanken auf die geldpolitische Bremse getreten sind. Offensichtlich gibt es jedoch noch andere Faktoren, die für eine anhaltend hohe internationale Liquidität verantwortlich sind.

          Die Erklärungsansätze reichen von der Bernankesken Ersparnisschwemme, über informelle Währungsabsprachen à la Bretton Woods II bis hin zu einer ominösen „schwarzen Materie“, die die Renditen weltweit, insbesondere jedoch in den Vereinigten Staaten tief hielten und aus diesem Grund die massiven Defizite Amerikas problemlos tragbar machten - selbst wenn sie mittlerweile ein Niveau erreicht haben, das in der Vergangenheit regelmäßig zu Systemkrisen führte.

          Offensichtlich scheinen nationale oder regionale Geldpolitiken gar nicht mehr zu wirken, wie sie das in der Vergangenheit getan haben. Das heißt, die amerikanische Zentralbank dürfte gar nicht mehr in der Lage zu sein, das Renditeniveau im eigenen Lande zu kontrollieren, geschweige denn zu beeinflussen. Dafür gibt es eine Erklärung. Die Analysten von GaveKal Research finden sie in der Geldpolitik der japanischen Zentralbank.

          Wirft man infolge ihrer Argumentation einen Blick auf die Entwicklung der monetären Basis in Japan, so sind in den siebziger, achtziger Jahren und in den Jahren 2001 bis 2004 Phasen erkennbar, in denen die Geldmenge in Japan innerhalb kurzer Zeit dramatisch gewachsen ist. Gleichzeitig decken sich diese Perioden mit Phasen an den Finanzmärkten, in denen die Börsenkurse und auch die Preise von Edelmetallen und anderen Vermögenswerten deutlich angezogen haben. Verlangsamte sich die Geldmengenentwicklung danach, so kam es an den Finanzmärkten regelmäßig zu Korrekturen.

          Japanische Geldpolitik als „Zinsrätsels“ Lösung

          Nun stellt sich die Frage, ob das auch diesmal wieder der Fall sein kann. Allerdings gibt es bei der jüngsten Geldmengenexpansion in Japan einige Unterschiede zur Vergangenheit. Denn sie wurde flankiert durch eine Null-Zinspolitik und die Beeinflussung des Wechselkurses. Das führte dazu, daß praktisch die gesamte japanische Überschußliquidität ins Ausland exportiert wurde. Auf diese Weise dürfte sich nicht nur das Greenspan-Rätsel der tiefen Renditen in Amerika auflösen. Denn spekulative Anleger konnten und können sich bisher immer noch in Japan zu extrem günstigen Konditionen refinanzieren und die eingenommenen Gelder risikolos an den internationalen Rentenmärkten oder Börsen anlegen.

          Kein Wunder also, daß die internationalen Börsen steigen und gleichzeitig die Rohstoffpreise durch die Decke gehen, obwohl der amerikanische Leitzins angezogen hat. Kein Wunder auch, daß die konjunkturelle Dynamik anhält und die Inflationsraten eine Eigendynamik erhalten. Denn die notwendige Liquidität kommt estrem günstig aus Japan.

          Diese Entwicklung dürfte sich logischerweise - auch nach Ansicht der Analysten von GaveKal Research - nur dann ändern, wenn die japanische Zentralbank demnächst tatsächlich ihre Geldpolitik straffen und gleichzeitig auch den Yen aufwerten lassen würde. Beides scheint die Voraussetzung für die Reduktion der globalen Liquiditätsschwemme zu sein, die momentan die Preise in beinahe allen Bereichen nach oben treibt und die die bestehenden makroökonomischen Ungleichgewichte weiter vergrößert.

          Sollten die Zentralbanken diese Entwicklung tatsächlich bremsen wollen, muß sich die japanische Geldpolitik bewegen. In diesem Fall dürfte der Yen weiter zulegen, während die Rentenmärkte der westlichen Staaten kritisch betrachtet werden müßten. Auch die Volatilität an den internationalen Finanzmärkten dürfte dann zunehmen.

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