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Strategie : Absicherungsstrategien machen sich bezahlt

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Bild: FAZ.NET

Die Aktie von Bear Stearns war in den vergangenen Tagen aufgrund der Kreditkrise in den freien Fall übergegangen. Während Aktionäre ihr Kapital weitgehend verloren, konnten Inhaber von Verkaufsoptionen massive Kursgewinne verbuchen.

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          Aktienanleger werden derzeit nur ungern auf die Entwicklung an den internationalen Börsen blicken. Denn die Märkte liegen nicht nur deutlich unter den noch im vergangenen Jahr erreichten Rekordhoch, sondern die Abwärtsdynamik ist am Montag nach der Pleite von Bear Stearns groß.

          Die Nervosität der Marktteilnehmer zeigt sich daran, dass die Volatilität im Markt deutlich zugenommen hat. Der VDax New liegt inzwischen bei 35,4 Prozent. Das ist der höchste Stand seit dem Januar, als der Kursverfall an den Börsen besonders ausgeprägt war. Die hohe Volatilität macht Absicherungsstrategien sehr teuer, wenn sie mit dem Kauf von Volatilität verbunden sind. Zum Beispiel beim Erwerb von standardisierten Optionen oder von Optionsscheinen.

          Absicherungsstrategien sind inzswischen teuer geworden

          Das heißt, wer sich jetzt noch gegen fallende Kurse absichern möchte, der bezahlt entweder einen hohen Preis. Oder er wählt Instrumente, bei welchen der Volatilitätsfaktor bei der Preisbestimmung keine oder nur eine untergeordnete Rolle spielt. Dazu zählen beispielsweise Futures oder Knock-Out-Produkte. Allerdings können die Preise solcher Instrumente auf andere Weise beeinflusste werden. Etwa dadurch, dass bei Futures die Differenz zwischen dem aktuellen Kassamarkt und dem Terminmarkt aufgrund spekulativer Erwartungen sehr ausgeprägt wird.

          Bei verbrieften Produkten ist man als Anleger regelmäßig auf die Kursstellung der Emissionsbanken angewiesen. Und die versagt nicht selten genau dann, wenn man die Produkte eigentlich dringend handeln möchte: Entweder sind dann die Systeme überlastet, die Anbieter stellen schlechte Kurse oder sie schieben gar technische oder rechtliche Probleme vor, um nicht handeln zu müssen. So konnte beispielsweise die Bank Bear Stearns am Montag für ihre Produkte in Europa keine Kurse stellen, weil die Händler nicht wussten, wie sich die Übernahme durch JP Morgan Chase auswirken würde. „In Produkten des Emittenten Bear Stearns ist bis auf weiteres kein Handel möglich“, heißt es dazu bei Scoach lapidar und unsentimental.

          Darüber wird sich jeder „freuen“, der sich im Glauben auf großartige Verspechen des Emittenten solche Produkte ins Depot gelegt hat. Selbst wenn das nur ein vorübergehendes Problem sein mag, so befanden und befinden sich die Anleger in dieser Zeit in einem gravierenden Nachteil, weil sie auf Änderungen im Markt in dieser Periode nicht reagieren konnten.

          Aus diesen Gründen neigen professionelle Anleger dazu, derivative Produkte in Form standardisierter Produkte an Terminbörsen wie der Eurex oder dem Chicago Board of Option Exchange zu handeln. Wer die Zeichen der vergangenen Wochen richtig deutete und beispielsweise auf fallende Kurse bei der Bank Bear Stearns setzte, konnte mit Verkaufs- oder Putoptionen satte Kursgewinne einfahren.

          Hohe Kursgewinne beim rechtzeitigen Kauf von Verkaufsoptionen

          Innerhalb von gerade einmal vier Wochen fiel die Aktie von Bear Stearns von 87 auf zuletzt 3,6 Dollar. Dieser Verlust von knapp 98 Prozent des Wertes dürfte die Aktionäre des Unternehmens nicht sonderlich erfreuen. Auf der anderen Seite können all jene jubeln, die den „Braten gerochen“ und sich entsprechend positioniert hatten: Der Wert einer Verkaufsoption mit einem Ausübungspreis von 70 Dollar und einer Laufzeit bis zum 19. März nahm in den vergangenen Tagen mehr als 3.000 Prozent zu.

          Die Kursgewinne der Option sind nicht nur auf den Kursverfall der Bear-Stearns-Aktie zurückzuführen, sondern auch auf die Zunahme der Volatilität. Letztere hatte in der vergangenen Woche Werte von bis zu 500 Prozent erreicht. Und je höhere die Volatilität ist, desto teuerer werden alle derivativen Produkte, die von ihrer Zunahme profitieren.

          Kritische Anleger waren schon länger auf den Kursverfallen an den Börsen und vor allem bei Finanzwerten vorbereitet. Das dürfte sie dazu gebracht haben, die Aktien der Branche rechtzeitig zu verkaufen. Aggressivere dürften sogar ausdrücklich auf fallende Kurse gewettet haben. Wer das rechtzeitig mit dem Kauf von Verkaufsoptionen auf Aktien von Bear Stearns tat, kann nun beachtliche Gewinne realisieren.

          Neuste Gerüchte drehen sich um Lehmann Brothers. Die Aktie liegt mit eienm Tagesverlust von 14,3 Prozent bei 33,67 Dollar. Wer hier Optionen erwerben möchte, zahlt bei April-Optionen Volatilitäten zwischen 212 und 422 Prozent. Das heißt, da die Händler auch hier massive Kursbewegungen vorwegnehmen, sind die Optionen sehr teuer geworden. Bliebe die erwartete Kursbewegung aus, könnte das teuer werden.

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