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Steuern : Fondsanleger drohen doppelt besteuert zu werden

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Auf Grund der neuesten Steuerpläne der rot-grünen Regierung ist es möglich, dass Fondsanleger doppelt besteuert werden, denkt der BVI.

          Die Bundesregierung plant nach Angaben des Investmentverbands BVI nicht nur die Besteuerung von Veräußerungsgewinnen von Fondsanlegern, sondern will auch die auf Fondsebene realisierten Kursgewinne steuerpflichtig machen.

          Dies habe eine Prüfung des aktuellen Referentenentwurfs des Bundesfinanzministeriums ergeben, sagte BVI-Sprecher Andreas Fink. Damit widerspricht der Investmentverband ausdrücklich der Sicht der Regierung, die am 20. November im Kabinett über die Steuerpläne entscheiden will.

          “Die Besteuerung von Erträgen aus Anteilscheinen an Investmentfonds ist grundsätzlich nach dem so genannten Transparenzprinzip ausgestaltet“, heißt es im jüngsten Referentenentwurf der Regierung. “Durch die Zwischenschaltung des Sondervermögens soll beim Anleger keine höhere, aber auch keine geringere steuerliche Belastung als bei einer Direktanlage eintreten“.

          Steuern auf Ausschüttungen und thesaurierte Erträge?

          Nach der Abschaffung der Spekulationsfristen sei es im Hinblick auf die Gleichbehandlung der Fondsanleger mit Direktanlegern “nicht mehr gerechtfertigt, Gewinne aus privaten Veräußerungsgeschäften aus der Besteuerung der Ausschüttungen und der thesaurierten Erträge des Investmentfonds an den Anteilsscheininhaber auszuklammern“.

          Tatsächlich verstößt die Regierung, die mit der Änderung “eine Lücke“ schließen will, nach Auffassung des BVI damit jedoch eindeutig gegen das so genannte Transparenzprinzip, das eine steuerliche Gleichbehandlung von Direktanlegern und Fondssparern vorsieht. Sollten Investmentsparer tatsächlich doppelt besteuert werden, befürchtet der BVI “absurde Ergebnisse“ als Folge und rechnet dies anhand eines Beispiels vor: Ein Fondsmanager kauft für sein Portfolio eine Aktie zu 50 Euro, der Kurs steigt auf 100 Euro. Zu diesem Zeitpunkt und zum Anteilpreis von 100 Euro kauft ein Anleger einen Anteil des Fonds. Dann fällt die Aktie auf 75 Euro. Der Fondsmanager verkauft, und der Anleger steht doppelt im Regen: Denn er muss einen “Aktiengewinn“ von 25 Euro versteuern (den er nicht hat) und gleichzeitig einen Rückgang des Anteilwerts verkraften, so die Beispielrechnung des BVI.

          Fonds-Branche existenziell gefährdet

          Der Investmentverband sieht bei einer Verabschiedung der Gesetzesvorlage in der bestehenden Fassung die gesamte Branche existenziell gefährdet und befürchtet im schlimmsten Fall den Wegfall von bis zu 10.000 Arbeitsplätzen in Deutschland. BVI-Hauptgeschäftsführer Stefan Seip hatte dies in der vergangenen Woche als “eine Katastrophe“ für die Fondsbranche bezeichnet.

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