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Sterbekosten : Beerdigungen sind oft überteuert

  • -Aktualisiert am

Bild: ddp

Bestattungsunternehmer haben oft einen schlechten Ruf. Nicht immer zu Unrecht wird ihnen nachgesagt, die Notlage der Angehörigen auszunutzen. Ein Preisvergleich kann davor schützen, übers Ohr gehauen zu werden - vor allem aber rechtzeitige Vorsorge.

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          „Der Tod ist nicht umsonst, denn er kostet das Leben.“ So sagt es der Volksmund, aber der kennt in diesem Fall bestenfalls die halbe Wahrheit. Denn tatsächlich kostet der Tod auch jede Menge Geld. Noch 2004 musste man im Schnitt 4500 Euro für eine klassische Beerdigung zahlen, inklusive Bestatterdienstleistungen, Blumenschmuck, kleiner Trauerfeier, Grabmal und Friedhofsgebühren.

          2007 waren es 5000 Euro, und es kann auch sehr viel mehr werden. Je nach Region zahlen die Hinterbliebenen bis zu 30.000 Euro für einen nicht allzu aufwendigen Abschied, schätzt Rolf-Peter Lange, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bestattungsunternehmen (VDB).

          Ausgefallene Wünsche gehen ins Geld

          Dass die Bestattung in Deutschland so teuer ist, hat viele Gründe. Zum einen sind die Kosten in den vergangenen Jahren gestiegen, zum Beispiel die Gebühren, die die Kommunen für die Grabstelle oder das Einäschern verlangen. Zum anderen ist aber auch der Umgang vieler Menschen mit dem Thema Tod, der Preistreibern die Sache einfach macht. Nur die wenigsten Menschen schaffen es, sich mit dem eigenen Tod auseinanderzusetzen und sich um ein angemessenes Begräbnis zu kümmern. Die meisten überlassen dies den nahen Angehörigen - und die sind damit oft heillos überfordert.

          Zwei Trends sind in den letzten Jahren in Deutschland zu beobachten. Zum einen bewegt sich eine noch kleine, aber stetig wachsende Gruppe weg von traditionellen Bestattungsformen, hin zu zum Teil sehr aufwendig gestalteten und auch sehr teuren Zeremonien. Außer Bestattungen auf See werden mittlerweile auch hierzulande Weltraumbestattungen, das Verstreuen der Asche aus Heißluftballons oder gar das Pressen von Diamanten aus der Asche der Toten angeboten.

          Rund 2000 bis 10.000 Euro kostet es, die Überreste des lieben Verstobenen am Finger zu tragen, je nach Größe des gewünschten Steines. Rund 12.000 Euro muss investieren, wer als Sternschnuppe am Himmel enden möchte. Dazu wird eine mit der Asche gefüllte Kapsel in den Orbit geschossen, die dann auf dem Weg zurück beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglüht.

          Discounter haben sich etabliert

          Knapp 20 alternative Beerdigungsmöglichkeiten trug der VDB letztes Jahr zusammen. Nicht alle sind in Deutschland erlaubt. Diese können aber im Ausland verwirklicht werden. Allerdings haben diese Bestattungs-Varianten einen Anteil von nicht mehr als drei bis vier Prozent.

          Weit größere Wellen schlägt eine weitere Tendenz: Viele Menschen kehren der traditionellen Erdbestattung den Rücken kehren und wählen stattdessen die weit kostengünstigere Urnenlösung. Mancher spart obendrein an Zusatzleistungen. Gemeinschaftsgrabanlagen nehmen zu, viele Friedhöfe bieten kürzere Ruhezeiten zu geringeren Kosten an, und die Trauerfeiern werden kleiner. Inzwischen haben sich sogar Discountbestatter etabliert.

          Sie bieten standardisierte, sehr einfache Urnenbestattungen zu Festpreisen zwischen 500 und 1000 Euro an. Möglich wird dies dadurch, das sie zumeist in Billigkrematorien im osteuropäischen Ausland einäschern und die Urne dort auch anonym beisetzen.

          Lockangebote und versteckte Kosten

          Doch so einleuchtend das Konzept auch klingt. Wer sich darauf einlässt, spart nicht immer. Das behaupten nicht nur die Bestatterverbände. Auch Alexander Helbach von der Verbraucherorganisation Aeternitas, zu deutsch: Ewigkeit, hat seine Bedenken. Aeternitas wurde 1984 gegründet, weil viele Hinterbliebene sich über den Tisch gezogen fühlten, heute zählt der Verband rund 50.000 Mitglieder, die gegen eine jährlichen Mitgliedsbeitrag von 22 Euro Beratung und Rechtsschutz erhalten.

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