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Uber, AirBnB & Co. : Der Silicon Valley Kapitalismus

Der amerikanische Highway 101 (auch „Route 101“ genannt) führt mitten durchs Silicon Valley. Bild: Colourbox.com

Noch nie waren Startup-Unternehmen aus dem Silicon Valley so viel wert wie heute: Uber, AirBnB & Co. sammeln ohne Ende Geld ein. Und brauchen dafür nicht mal die Börse.

          6 Min.

          Die „Route 101“ ist eine besondere Straße: Sie verläuft entlang der Westküste der Vereinigten Staaten, beginnt hoch im Norden und schlängelt, sich eng an die Küste geschmiegt, immer weiter gen Süden, bis sie irgendwann genau über die Golden-Gate-Brücke in San Francisco hinüberführt - für viele der Höhepunkt der Fahrt. Kurz darauf folgen dann kleinere Städte wie San Mateo oder Palo Alto, die jeder gewöhnliche Reisende gerne übersieht, weil sie nicht mithalten können mit dem Glanz San Franciscos.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Genau dort liegt, auf den ersten Blick ziemlich unscheinbar, das in der Welt der Wirtschaft so berühmte Silicon Valley - die Wiege vieler berühmter Internetkonzerne von Google bis Facebook. Aber eben nicht nur das. Nach wie vor entstehen dort nahezu täglich neue Firmen, an kaum einem Ort der Welt werden so viele Unternehmen gegründet.

          Doch es ist nicht nur diese Tatsache, die Investoren aus aller Welt derzeit voller Spannung ins Silicon Valley schauen lässt. Sondern es ist eine Veränderung, die im fernen Deutschland wohl nur ein paar Eingeweihten auffällt: Nie zuvor waren die jungen Firmen im Silicon Valley so viel wert wie heute. Dass Facebook und Google momentan einen Börsenrekord nach dem anderen aufstellen, hat damit nichts zu tun - um sie geht es gerade nicht. Nein, hier ist die Rede von Startup-Unternehmen, die nicht an der Börse notieren und die trotzdem ohne Ende Geld bei privaten Investoren einsammeln. Die amerikanische Finanzzeitung „Wall Street Journal“ hat vom Volumen dieser Deals auf den Gesamtwert der Unternehmen geschlossen - und kam zu einem beeindruckenden Ergebnis: Danach gibt es allein im Silicon Valley derzeit 24 Startup-Firmen, deren Wert die Marke von einer Milliarde Dollar übertrifft. Auch dies ist in der Geschichte des Silicon Valley einmalig.

          Allen voran sind dies so bekannte Namen wie der Fahrdienst Uber (aktueller Wert: 41 Milliarden Dollar), der Zimmervermittler AirBnB (10 Milliarden Dollar) oder das Bildernetzwerk Pinterest (5 Milliarden Dollar). Aber es finden sich auch Firmen auf der Liste, die der breiten Masse eher unbekannt sind - das Big-Data-Unternehmen Cloudera beispielsweise ist demnach rund vier Milliarden Dollar wert. „Unicorns“ (zu Deutsch: Einhörner) hat man solche Firmen, die nicht an der Börse notiert und die mehr als eine Milliarde Dollar wert sind, zu früheren Zeiten im Finanzjargon mal genannt - eben weil sie so selten vorkamen. Nun sollte sich die Branche möglichst schnell einen neuen Begriff einfallen lassen. Denn im Silicon Valley wimmelt es, um im Bilde zu bleiben, gerade nur so von Einhörnern.

          Doch was hat zu dieser wundersamen Vermehrung geführt? Sind, fragen erste Skeptiker, solche Bewertungen in astronomischer Höhe nicht stets Vorboten einer gefährlichen Überhitzung? Und wie kann es sein, dass die Investoren angesichts der horrenden Bewertungen nicht längst viel häufiger an die Börse drängen, als das zuletzt der Fall war?

          Fest steht: Der Kapitalismus, so wie er im Silicon Valley gelebt wird, hat sich ziemlich verändert. Und dies hat vor allem einen Grund: Noch nie war so viel Kapital so schnell verfügbar wie derzeit. Klar, dass dies automatisch zu höheren Firmenbewertungen führt. Aber wieso um Himmelswillen gleich über der Milliardengrenze?

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