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Uber, AirBnB & Co. : Der Silicon Valley Kapitalismus

Es sind zwei Dinge, die derzeit Kaliforniens Startup-Boom befeuern. Zuallererst sind es die Niedrigzinsen in aller Welt. Jeder größere Investor sucht verzweifelt nach Anlageobjekten, die ihm höhere Erträge einbringen. Startup-Firmen erbrachten in der Vergangenheit - wenn denn alles gut lief - oft zweistellige Renditen. Angesichts des Mangels an Alternativen sind darum heute viel mehr Großanleger bereit, solchen vielversprechenden Firmen schon in einem frühen Stadium relativ viel Geld zu überlassen. So investieren auch klassische Fondsgesellschaften wie Fidelity und Blackrock mittlerweile in nicht geringem Maße in Startups - ein Geschäftsfeld, das sie früher anderen überlassen haben.

An zweiter Stelle wird der Geldzufluss verstärkt durch eine Besonderheit des Silicon Valley: Dort haben auch einige mutige Risikokapitalgeber wie die Gesellschaft Andreessen Horowitz ihren Sitz, die in den vergangenen Jahren mit ihren Investitionen in junge Technologiefirmen extrem erfolgreich waren. Wegen dieses Erfolges haben sie nun noch mehr Geld anzulegen, und sie tun dies genau an dem Ort, der ihnen schon zuvor gute Renditen beschert hat - im Silicon Valley. Natürlich kann dieses Kalkül auch hin und wieder schiefgehen und die Bewertung einer Startup-Firma in Windeseile in sich zusammenschmelzen. Doch angesichts der Aussicht auf nahezu keine Zinsen bei anderen Anlagen kann dieses Risiko viele Investoren nicht wirklich schrecken.

Daher also kommt all das Geld, das die Bewertungen so in die Höhe treibt. Früher allerdings galt für erfolgreiche Startups im Silicon Valley eine Art Naturgesetz: Irgendwann kam es zum Börsengang. Davon allerdings war zuletzt wenig zu sehen. Für sein Buch „Silicon Valley Investing“, das am 13. April im Finanz-Buch-Verlag erscheint, hat der Valley-Kenner Thomas Rappold nachgerechnet, dass im Jahr 2000 die dortigen Firmen im Schnitt schon im dritten Jahr ihres Bestehens an die Börse gingen. Heute ist dies im Schnitt erst im zehnten Jahr der Fall - wenn überhaupt. Wie kommt es, dass immer mehr der kalifornischen Firmen heute auf die Börse verzichten?

Ein Börsengang verrät viele Geheimnisse

Für Michael Grote, Finanzprofessor an der Frankfurt School of Finance, liegt die Antwort auf der Hand: „Ein Börsengang hat vor allem ein Ziel - auf diese Weise kann sich ein Unternehmen frisches Kapital beschaffen. Wenn jedoch genügend Kapital anderweitig vorhanden ist und sich keiner der Gründer von seinen Anteilen trennen will, ergibt logischerweise auch ein Börsengang keinen großen Sinn mehr.“ Wobei es zwischen zwei Perspektiven zu unterscheiden gilt: zwischen der Perspektive der Firma (also im Wesentlichen ihrer Geschäftsleitung) und der Perspektive der Eigentümer (also der Investoren).

Aus Sicht eines Startup-Unternehmens spricht in der Tat einiges dafür, auf einen Börsengang zu verzichten oder ihn zumindest lange hinauszuzögern. „Sich mit einem Risikokapitalgeber einzulassen ist kostengünstiger und spart Zeit“, sagt Finanzprofessor Grote. Dies gilt umso mehr fürs Silicon Valley, wie das Beispiel der Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz zeigt (der Titel setzt sich zusammen aus den Nachnamen der beiden Gründer Marc Andreessen und Ben Horowitz): Sie ist unter anderem beim Zimmervermittler AirBnB und bei Pinterest engagiert - insgesamt hält die Gesellschaft derzeit Anteile an elf Startups, die alle jeweils mehr als eine Milliarde Dollar wert sind. Was macht es für ein Startup nun so attraktiv, mit der Gesellschaft zusammenzuarbeiten, anstatt in der ganzen Welt um große Investoren zu werben, wie es bei einem Börsengang in aller Regel geschieht?

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