https://www.faz.net/-gv6-vwnt

Starke Verluste : Schreckensjahr für die europäische Fondsbranche

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Das Fondssparen als Geldanlage ist in die Defensive geraten - der größte Einbruch der europäischen Investmentgeschichte trifft die Anbieter hart: Als Reaktion will der deutsche Marktführer DWS Investments nun die Verwaltungsgebühr für Rentenfonds senken.

          Den Fondsanbietern in Europa ist im vergangenen Jahr ein Viertel ihres verwalteten Vermögens verlorengegangen. Nach der am Dienstag veröffentlichten Absatzstatistik des Branchenverbandes European Fund and Asset Management Association (Efama) ging das Volumen in Fonds nach europäischem Investmentrecht (Ucits) im Jahresverlauf von 6,2 auf 4,6 Billionen Euro zurück. Der Rückzug von Anlegern machte dabei mit 335 Milliarden Euro nur einen geringen Teil des Rückgangs aus. Der überwiegende Teil ist auf die Kursverluste an den Finanzmärkten zurückzuführen.

          20 Prozent Einbußen bei der DWS

          Trotzdem fiel die Fluchtbewegung in einzelnen Ländern bemerkenswert aus. Vor allem in Italien und Spanien ist das Fondssparen als Form der Geldanlage in die Defensive geraten. Dort zogen Anleger 73 beziehungsweise 57 Milliarden Euro mehr ab, als sie gleichzeitig einzahlten.

          Der Rückgang um 20 Prozent sei ein „Erdrutsch”, sagte DWS-Geschäftsführer Kaldemorgen

          Der größte Einbruch in der Geschichte der europäischen Investmentbranche trifft die Anbieter an ihrer empfindlichsten Stelle. Ihre wichtigste Einnahmequelle, die jährliche Verwaltungsgebühr, bemisst sich an der Höhe des Fondsvolumens.

          Die deutsche Fondsbranche bewegte sich 2008 im europäischen Durchschnitt. Nach der vor einer Woche vorgelegten Branchenstatistik ging das verwaltete Vermögen in Wertpapier-Publikumsfonds ebenfalls um rund 25 Prozent zurück.

          Am Dienstag berichtete der größte Anbieter von Publikumsfonds hierzulande, die Deutsche-Bank-Fondsgesellschaft DWS Investments, über den Geschäftsverlauf im vergangenen Jahr. Bei ihr sank das Fondsvolumen um 20 Prozent auf 121,7 Milliarden Euro.

          Allerdings sind in dieser Zahl erstmals auch die börsengehandelten Indexfonds aus dem Deutsche-Bank-Konzern (X-Trackers) enthalten. Bereinigt um die 17,2 Milliarden Euro, die zum Jahresende in dieser Produktfamilie lagen, verlor die DWS im Jahresverlauf knapp ein Drittel ihres Fondsvermögens.

          Ein „Erdrutsch“

          In allen Produktsparten zogen die Anleger mehr Geld ab, als sie einzahlten: Aktienfonds verzeichneten einen Nettomittelabfluss von 3 Milliarden Euro, Rentenfonds zahlten 9 Milliarden Euro an Anleger zurück. Aus Geldmarktfonds flossen sogar netto 13,9 Milliarden Euro ab.Dies sei ein „Erdrutsch“, sagte Klaus Kaldemorgen, Sprecher der DWS-Geschäftsführung, bei der Vorlage des Zahlenwerkes.

          Zwar konnte die Fondsgesellschaft auch im vergangenen Jahr einen Gewinn ausweisen. Allerdings sei dieser spürbar niedriger ausgefallen als im Jahr 2007, sagte Kaldemorgen weiter. Wie hoch der Gewinn in diesem Jahr ausfallen wird, hänge stark von der weiteren Entwicklung an den Aktienmärkten ab.

          Senkung der Verwaltungsgebühren

          Kritisch ist die Situation derzeit besonders bei den Rentenfonds, deren Wertentwicklung zum großen Teil unterhalb der Rendite ihrer Vergleichsgröße lag. „Viele Rentenfonds haben ihre Benchmark erheblich unterschritten“, sagte Kaldemorgen.

          Auf das unterdurchschnittliche Abschneiden reagiert die DWS nun mit einer Senkung ihrer Verwaltungsgebühren um bis zu 20 Prozent. Auch das aktuelle Kapitalmarktumfeld hat die Gesellschaft zu diesem Schritt bewogen.

          Das niedrige Zinsniveau von Staatsanleihen macht es für Rentenfonds zunehmend schwierig, einen Mehrwert für ihre Anleger zu erwirtschaften. Zehnjährige Bundesanleihen rentierten zuletzt beispielsweise mit 3 Prozent. „In diesem Zinsumfeld sind die alten Managementgebühren nicht mehr zeitgemäß“, begründete Kaldemorgen das ungewöhnliche Vorgehen.

          Produktpalette wird angepasst

          Stephan Kunze, verantwortlich für das Europageschäft der DWS, ging noch einen Schritt weiter und zweifelt grundsätzlich an den althergebrachten Rentenfonds, die sich an einer Vergleichsgröße messen lassen. „Relative-Return-Funds haben einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit verloren“, sagte er. Dagegen hält Kunze Rentenfonds, die mit einem absoluten Renditeversprechen werben, für „ein stark wachsendes Marktsegment“.

          Mit einer raschen Besserung der Lage rechnet in der Fondsbranche kaum jemand. Aktienfonds werden sich wegen der gewachsenen Risikoscheu in der Anlegerschaft auf absehbare Zeit nur schwer verkaufen lassen, Rentenfonds geraten durch die niedrigen Renditen für Staatsanleihen unter Druck, Geldmarktfonds müssen mit dem Einlagengeschäft der Banken konkurrieren. „Wir werden unsere Produktpalette an die neuen Marktgegebenheiten anpassen“, kündigte Kaldemorgen an.

          Weitere Themen

          Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

          Geringer Inflationsdruck : Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

          Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten hat die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Notenbanker fassten den Beschluss jedoch nicht einstimmig.

          Topmeldungen

          Plan für Klimaneutralität : Die Stunde der Klimaretter

          Am Freitag will die Regierung den Plan für ein klimaneutrales Deutschland beschließen. Was kommt da auf uns zu? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

          Geringer Inflationsdruck : Amerikanische Notenbank senkt Leitzins abermals

          Wegen der unsicheren wirtschaftlichen Entwicklung der Vereinigten Staaten hat die amerikanische Notenbank Fed ihren Leitzins zum zweiten Mal in Folge um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Die Notenbanker fassten den Beschluss jedoch nicht einstimmig.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.