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Staatsfonds Temasek : Singapur erobert die Welt

Reicher Stadtstaat: Der Singapurer Staatsfonds Temasek verwaltet umgerechnet 184 Milliarden Euro. Bild: Walter Bibikow/hemis.fr/laif

Der Staatsfonds Temasek aus Singapur ist in aller Stille zu einem der größten Vermögensverwalter der Welt geworden. Dahinter steckt ein Netzwerk steinreicher Familien.

          Singapur, der reiche Stadtstaat in Südostasien, hat ein Credo: Er erfindet sich immer wieder neu. Einst Handelsposten der Briten, wurde er groß als Logistikdrehscheibe. Er wuchs zur Finanzmetropole heran. Um Lebensqualität und Image aufzubessern, wurde er grün – in keiner Hauptstadt Asiens gibt es so viel Bäume, Sträucher und Parks wie auf der Tropeninsel. Und nun will Singapur nicht nur zur „intelligenten Stadt“ heranreifen, sondern gleich zur „smart nation“. Veränderung ist in dem Stadtstaat ohne eigene Rohstoffe Überlebensprinzip.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Das hat nun auch die Geldhüter erfasst. Über viele Jahre galt der Staatsfonds Temasek als verschwiegen und verschlossen wie ein Orden der Gralshüter des Geldes. Noch heute geht zu Temasek, wer harte Arbeit nicht scheut, aber im Stadtstaat Karriere machen will. Doch fast über Nacht hat sich nun auch der Fonds neu erfunden. Früher wurden Ausländer kaum zu Pressekonferenzen eingeladen, heute erscheinen in der staatlichen Zeitung doppelseitige Anzeigen, die in leuchtenden Farben die Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres (Stichtag 31. März) erklären. Zumindest so weit, wie ein Finanzministerium offenlegen will, wo und wie es sein Geld anlegt. Dieser Tage sind Vertreter des Staatsfonds sogar nach Europa ausgerückt, um deutschen Investoren die aktuelle Strategie von Temasek zu erläutern.

          Es geht um viel: Temaseks Portfolio ist in den vergangenen zehn Jahren von 164 auf nun 275 Milliarden Singapur Dollar (umgerechnet 184 Milliarden Euro) angeschwollen. Hier sind traditionell die Staatsunternehmen gebündelt. Temasek aber ist mehr als der Schatz des Stadtstaates. Der Fonds ist ein Aushängeschild Singapurs in der Wirtschaftswelt und dann und wann auch ein Politikum. Das liegt auf der Hand, auch weil seine Chefin die Ehefrau des Ministerpräsidenten Lee Hsien Loong ist.

          Öffentlich kennt man sie vor allem in der Rolle der Selbstverteidigung. Ho Ching hat es nicht leicht: Immer wieder muss sie sich erklären, ihre Strategie verteidigen. Das aber tut sie nur im äußersten Notfall; eine Haltung, die immer weniger zum neuen Auftritt von Temasek passen will.

          Familienstreit wirft Führungsfrage auf

          Die einst beste Schülerin ihres Jahrgangs in Singapur wurde Elektroingenieurin (was Anfang der 1980er Jahre in der Stadt ganz und gar nicht selbstverständlich war), machte ihren Masterabschluss in Stanford, führte ein staatliches Rüstungsunternehmen und lernte ihren späteren Mann im Verteidigungsministerium kennen. Von 2002 an gehörte sie zu Temaseks Führungsteam, 2004 wurde sie Vorstandsvorsitzende.

          Seitdem geht die Frage um, ob sie diese extrem einflussreiche Position in Singapur aus eigener Kraft erreicht habe oder dank ihres Ehemanns. Dazu muss man wissen, dass es Zeiten gab im Stadtstaat, in denen der Gründer und Übervater Lee Kuan Yew die Fäden im Hintergrund zog, sein ältester Sohn Ministerpräsident war, dessen Frau Temasek führte und der jüngere Bruder Singapore Telecom. Wer aber, wie selbst die staatliche Presse Singapurs, an Nepotismus dachte, musste zumindest einräumen, dass alle für ihre Posten qualifiziert waren. Und sich dann mit den Rechtsanwälten der Familie befassen. Gerade aber wühlt ein Familienstreit der Lees die Stadt auf: Sein eigener Bruder warf Ministerpräsident Lee vor, das Land nicht richtig zu führen, und dessen Frau Ho, sich einzumischen und sogar Gegenstände aus dem Elternhaus entwendet zu haben. Natürlich bestritt sie das sofort und ausführlich.

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