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Solarwerte : Es geht auch ohne Silizium

  • Aktualisiert am

Knapper Rohstoff: Silizium Bild: Solarworld

Die Solarbranche sucht den Ausweg aus der Siliziumknappheit und findet die Dünnschichtzellen. Welche Technologie sich durchsetzt, ist aber noch nicht ausgemacht.

          5 Min.

          Was tun, wenn ein Rohstoff knapp wird? Die Solarbranche, Deutschlands Börsenliebling, hält nach neuen Technologien Ausschau. Denn das knappe Silizium beschränkt das Wachstum der Industrie.

          Die Lösung scheint gefunden: Dünnschicht-Technologien. „Dünn“ - das klingt nach wenig Rohstoff. Und tatsächlich: Bei sogenannten amorphen Dünnschichtzellen wird eine hauchdünne Siliziumschicht auf einem Träger, meist einer Glasscheibe, abgeschieden. Andere Dünnschicht-Technologien kommen sogar ganz ohne Silizium aus: Sie verwenden andere Halbleiter.

          Solarzellen in der Fassade integriert

          Dünnschicht ist längst keine Zukunftsmusik mehr, aber für ein großes Konzert reicht es noch nicht. Würth Solar oder Shell Solar etwa liefern schon heute Dünnschichtzellen für spezielle Anwendungen. Das Stichwort lautet Gebäudeintegration. Die Module werden nicht mehr aufs Dach geschraubt, sondern etwa in die Fassade integriert.

          Heute Standard: Polykristalline Zellen
          Heute Standard: Polykristalline Zellen : Bild: Solarworld

          Doch mehr als die Hälfte der produzierten Solarmodule bestehen nach wie vor aus polykristallinem Silizium, etwa ein Drittel aus monokristallinem. Die Dünnschicht-Technologien machten 2003 erst rund sieben Prozent aus, derzeit sind es etwa zehn Prozent.

          Alle steigen ein: Sunways und Q-Cells…

          Die Branche arbeitet daran, daß sich das ändert. Sunways (Isin DE0007332207) etwa hat im Mai vergangenen Jahres einen Kooperationsvertrag mit dem Schweizer Unternehmen Unaxis geschlossen. Ziel ist, innerhalb von zwei Jahren eine Produktionsanlage für Dünnschicht-Zellen aufzubauen. Nicht zuletzt aus diesem Grund sehen die Analysten der Commerzbank Sunways als „Outperformer“.

          Ende vergangenes Jahr wurde gemeldet, daß CSG Solar im zweiten Quartal 2006 die Produktion von Dünnschicht-Modulen aufnehmen will. Der Börsenliebling Q-Cells (DE0005558662) hält gut 22 Prozent an CSG.

          … Solon und Ersol

          Am 27. März schließlich teilte Solon (DE0007471195) mit, 19 Prozent der Anteile an Global Solar Energy Incorporated zu übernehmen. Dieses amerikanische Unternehmen will seine Dünnschicht-Produktion bis 2008 von zwei auf 40 Megawatt steigern.

          Nur drei Tage später hat Ersol (DE0006627532) eine Absichtserklärung (Letter of Intent) mit Unaxis über Fertigungsanlagen für Dünnschichtmodule unterzeichnet. Bis 2008 plant die Gesellschaft den Aufbau einer Fertigungskapazität für Dünnschichtmodule von 40 Megawatt im Jahr, mittelfristig sollen es 100 Megawatt werden.

          Forschungsprojekt soll Dünnschicht voranbringen

          „Ich gehe davon aus, daß die Dünnschicht-Technologien in Zukunft stärker wachsen als der gesamte Photovoltaik-Markt“, sagt Martha Lux-Steiner im Gespräch mit FAZ.NET. Die Physik-Professorin leitet die Abteilung Heterogene Materialsysteme am Hahn-Meitner-Institut (HMI) in Berlin. Die Zellen aus Polysilizium werden aber nicht verdrängt werden, denn das starke Wachstum biete genügend Platz für alle Technologien.

          Lux-Steiner koordiniert ein Forschungsprojekt, in dem die Europäische Union und elf europäische Institute und Unternehmen in den kommenden vier Jahren 21 Millionen Euro in die Forschung und Entwicklung von Dünnschicht-Solarzellen investieren. Das Projekt konzentriert sich auf zwei Technologien: CIS und Tandem-Zellen (siehe Kasten am Ende des Textes). „Diese Technologien haben unserer Meinung nach das größte Potential“, sagt Lux-Steiner.

          Günstige Produktion - aber erst in ein paar Jahren

          Noch haben die polykristallinen Zellen klare Vorteile: Sie existieren seit Jahren, werden großindustriell gefertigt und sind technologisch ausgereift. Im Vergleich dazu stecken die Dünnschicht-Technologien noch in den Kinderschuhen. Doch sie holt auf. „Schon heute sind die Produktionskosten vergleichbar“, sagt Lux-Steiner. „Dabei muß bedacht werden, daß die Kosten bei Massenproduktion deutlich sinken. Noch fehlt aber die Produktion im großen Maßstab.“ Bis die entsprechenden Apparate entwickelt sind, können noch Jahre vergehen.

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