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Weibliche Superreiche : So werden Frauen Milliardärinnen

Deutsche Milliardärin: Susanne Klatten Bild: dapd

Asien ist für Frauen der wohl günstigste Kontinent, um das ganz große Geld zu machen. In Europa sieht es schon anders aus. Das geht aus einer Studie der Großbank UBS hervor.

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          Die gute Nachricht zuerst: Wohl noch nie waren die Chancen für Frauen, steinreich zu werden, so gut wie heute. Die Zahl der weiblichen Superreichen auf der Welt hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten mehr als versechsfacht. 1995 gab es lediglich 22 Dollar-Milliardärinnen, im vergangenen Jahr waren es dagegen 145. Es gibt allerdings auch eine schlechte Nachricht – zumindest für Leserinnen in Deutschland: Nicht Europa, sondern Asien ist für Frauen der beste Platz, um es mit eigener Leistung in die Liga der Milliardärinnen zu schaffen. In Europa haben nur 7 Prozent der weiblichen Superreichen dieses Kunststück geschafft. In Asien dagegen sind mehr als die Hälfte der reichsten Frauen Selfmade-Milliardärinnen.

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Zahlen stammen von der Schweizer Großbank UBS, die nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei Bankdienstleistungen für sehr reiche Privatkunden ist. Das Institut hat die Untersuchung gemeinsam mit der Unternehmensberatung PwC gemacht und dafür unter anderem Dutzende von Milliardären befragt. Wenn es ums Geschäft gehe, verhielten sich reiche Frauen genau gleich wie Männer, sagt der UBS-Manager Josef Stadler: „Sie sind genauso entschlossen und fokussiert und bereit, enorme geschäftliche Risiken einzugehen“, berichtet Stadler. Der Banker leitet bei der UBS das Geschäft mit den Superreichen rund um den Globus – im Branchenjargon „ultra high net worth“ genannt.

          In Europa sind Asiens Selfmade-Milliardärinnen bisher kaum bekannt. Viele kennen zwar Susanne Klatten, die Miterbin des Münchner Autokonzerns BMW und reichste Frau Deutschlands. Aber wer ist Zhou Qunfei? Und wie viele im Westen haben schon den Namen Chu Lam Yiu gehört? Dabei gilt Zhou als Chinas erfolgreichste Unternehmerin. Die Gründerin des Touchscreen-Herstellers Lens Technology ist Mitte vierzig und hat sich nach Schätzung des amerikanischen Wirtschaftsmagazins Forbes aus dem Nichts ein Vermögen von 7,3 Milliarden Dollar erarbeitet. Die Hongkong-Chinesin Chu wiederum hat im Geschäft mit Duftstoffen und Tabak ein Milliardenvermögen aufgebaut.

          Josef Stadler, der Banker der Superreichen, nennt keine Namen. Das gebietet die Diskretion. Doch eines hebt er hervor: Es sei ein Trugschluss anzunehmen, dass die meisten Milliardärinnen, die ihr Vermögen nicht allein eigenen Anstrengungen verdankten, sich nicht ums Geschäft kümmerten. „Es ist nicht wahr, dass diese Frauen nur in Urlaub fahren und konsumieren“, sagt der UBS-Banker. Nicht selten schafften Milliardärinnen, die einen reichen Mann geheiratet hätten, nach dessen Tod durch eigene unternehmerische Tätigkeit „enorme Werte“, berichtet Stadler.

          Tatsächlich zeigt die Untersuchung von UBS und PwC, dass viele Milliardärinnen die Mehrung ihres Vermögens keineswegs nur Beratern und angestellten Managern überlassen: die Hälfte von ihnen kümmert sich aktiv darum, Werte zu schaffen. Besonders ausgeprägt sei dieser unternehmerische Ehrgeiz bei den weiblichen Superreichen in Asien: 97 Prozent der asiatischen Milliardärinnen spielen bei der Steigerung ihres Vermögens eine aktive Rolle, heißt es in der Studie. Eines zeigt die Analyse allerdings auch sehr klar: Die große Mehrzahl der Milliardäre auf der Welt ist weiterhin männlich. Den 145 superreichen Frauen stehen nach Zählung der UBS gut 1202 Männer mit einem Vermögen in mindestens zehnstelliger Höhe gegenüber.

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