https://www.faz.net/-gv6-1388h

Skandale überall : Schützt uns vor Verbraucherschützern!

Bild: F.A.Z.-Thilo Rothacker

Verbraucherschützer führen sich als Retter der Menschheit auf. Dabei füttern sie uns mit Pseudoskandalen und Binsenweisheiten. Wenn sich kein Skandal findet, dann wird einer inszeniert.

          4 Min.

          Verbraucherschützer haben den tückischsten Ort auf Erden ausgemacht - es ist der Supermarkt. Sein Vergehen: Er bietet die Ware der tendenziell bösartigen Industrie möglichst verführerisch an, damit er Geld verdient. Geschröpft wird dabei der Kunde. Abgezockt, beschummelt, getäuscht.

          Bettina Weiguny

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So suggeriert uns das Heer der Verbraucherlobbyisten. Zur Untermauerung des Feindbildes warnen sie unermüdlich vor dem Übel an der Warentheke und vor Etikettenschwindel. Keine Woche vergeht ohne Entlarvung angeblicher Mogelpackungen, versteckter Dickmacher oder ohne Sonderangebote, die keine sind. Aufklärung des Kunden nennen sie das dann. Tatsächlich aber ist das eine Entmündigung des Bürgers.

          Wollen wir im 21. Jahrhundert einkaufen wie in Nordkorea? Nein, wir sind aufgeklärte Kunden. Wir wissen um die Finessen der Werbung. Wir erkennen, wo man uns verführen will. Deshalb ist der Supermarkt keine "Einkaufsfalle", wie sich die Verbraucherzentrale Hamburg empört. Wie kommt sie auf die Idee? Weil dort "nichts mehr dem Zufall überlassen" bleibe, weil wir "ganz unbemerkt zum unkontrollierten Kaufen angeregt werden". Gut so!

          Bild: F.A.Z.

          Zucker ist Teufelszeug

          Auch ich unterliege diesem Mechanismus gelegentlich. Dann kaufe ich ein Sushi-Pack, obwohl ich Nudeln kochen wollte. Oder die Kinder erbetteln sich ein Überraschungsei, obwohl ich weiß, dass sie von der Extraportion Milch und Kakao nicht stark werden, sondern dick. Dafür erkaufe ich mir eine Stunde Ruhe, in der sie sich mit Billigspielzeug unterhalten.

          Woche für Woche verkaufen Verbraucherschützer uns für dumm. Ist die Großpackung Merci teurer als die Einzelpackung, dann ist das "irreführend", weil der Kunde von Familienpacks erwarte, dass sie günstiger seien. Bietet ein Hersteller einen Schokoriegel in kleineren Einheiten an, wiegt dieses Vergehen doppelt schwer, da der Kunde nicht nur weniger Gramm pro Riegel bekommt, sondern jedes Gramm auch noch teurer ist als im dicken Riegel. Der aber enthält insgesamt zu viel Zucker, und das ist Teufelszeug. Die verhasste Zutat entdecken die Schützer überall: in Fruchtzwergen, Säften, Schokolade, Bio-Limos. Ja, irgendwoher muss die Süße ja auch kommen. Trotzdem zahlen wir für diese Art unnützer Lebenshilfe - mit unseren Steuergeldern: 70 Millionen Euro erhielten die Verbraucherzentralen 2008 von Bund, Ländern und Kommunen. Und was machen sie damit? Sie richten Tagungen für Tierschutz und klimaverträgliche Tierhaltung aus. Ist das Verbraucherschutz?

          Vor wem schützen sie mich denn? Vor Limonaden, die nicht nach Wasser schmecken. Vor Unternehmen, die Gewinne machen wollen und deshalb die Preise raufsetzen oder die Packungsgröße verkleinern und das als "Relaunch" feiern wie Philadelphia. Frech ist das, aber banal. Ich muss Philadelphia ja nicht kaufen, auch keine ESL-Milch, den Aufreger der vergangenen Wochen (siehe ) . Die schmeckt wie frische, wird aber anders hergestellt. Auch wir haben uns gewundert über die neue Milch, die vier Wochen haltbar ist. Dann aber festgestellt: Ist okay, schmeckt wie frische. Wer lesen und rechnen kann, findet allein heraus, was die Anwälte der Entrechteten uns als Skandal verkaufen wollen.

          Weitere Themen

          Paypal verkauft bald Bitcoin

          Digitalwährungen : Paypal verkauft bald Bitcoin

          Der Zahlungsanbieter Paypal steigt in das Geschäft mit Kryptowährungen ein: In den Vereinigten Staaten wird bald der Handel mit ihnen möglich sein – der Rest der Welt soll folgen.

          Topmeldungen

          Tesla-Chef Elon Musk bei der Vorstellung des neuen Modells in Shanghai

          331 Mio. Gewinn im Quartal : Tesla schlägt sich weiter glänzend

          Im vergangenen Quartal hat der Elektroautohersteller mehr Autos denn je ausgeliefert – und steuert nun auf den ersten Jahresgewinn seiner Geschichte zu. Das hat Tesla auch einem lukrativen Nebengeschäft zu verdanken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.