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Senioren-Unfallversicherung : Diese Policen helfen wirklich

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Ob den die Versicherung bezahlt? Bild: AP

Senioren-Unfallversicherungen sollen nach einem Unfall Hilfen im Haushalt und bei der Pflege organisieren und bezahlen. Stimmen die Hilfeleistungen, kann die Police für Senioren sinnvoll sein - vor allem für allein lebende.

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          Senioren-Unfallversicherungen sollen nach einem Unfall Hilfen im Haushalt und bei der Pflege organisieren und bezahlen. Stimmen die Hilfeleistungen, kann die Police für Senioren sinnvoll sein - vor allem für allein lebende. Finanztest hilft bei der Wahl der richtigen Police.

          Gute Angebote erfüllen Mindestanforderungen

          Die Versicherer bieten Senioren-Unfallpolicen in einer Fülle von Varianten an. Doch nicht jedes Angebote ist sinnvoll - etwa, wenn der Anbieter nur Ansprechpartner vermittelt, statt die Hilfe im Haushalt und bei der Pflege wirklich zu organisieren und zu bezahlen.

          Im aktuellen Test spielten deshalb die Hilfeleistungen die größte Rolle. Finanztest empfiehlt nur Angebote, die umfassende Hilfe für die ersten sechs Monate nach dem Unfall bieten. Sie sind im Testkompass enthalten (siehe Infografik). Folgende Hilfeleistungen sollte eine Seniorenpolice mindestens bieten:

          Kostenübernahme. Der Versicherer gewährt und bezahlt alle Hilfeleistungen. Alternative: Er erstattet nachträglich die Kosten für Leistungen, die sich der Kunde selbst organisiert.

          Dauer. Der Versicherer gewährt und bezahlt alle Hilfeleistungen nach einem Unfall mindestens für sechs Monate.

          Menüservice, Einkäufe und notwendige Besorgungen. Der Verunglückte erhält täglich ein Menü. Zudem wird für ihn einmal wöchentlich mindestens zwei Stunden eingekauft. Die eingekauften Waren muss er selbst bezahlen.

          Begleitung bei Arzt-, Therapie- und Behördengängen. Der Versicherte wird einmal wöchentlich zum Ziel in einem Umkreis von mindestens 25 Kilometern vom Aufenthaltsort begleitet.

          Reinigung der Wohnung und Wäscheservice. Es wird einmal wöchentlich zwei Stunden geputzt und zwei Stunden gewaschen, getrocknet und gebügelt.

          Hausnotrufdienst. 24-Stunden-Erreichbarkeit.Der Versicherer sollte die Installation des Notrufs bezahlen und die monatlichen Kosten tragen.

          Pflegeleistungen. Der Versicherte erhält täglich mindestens 45 Minuten Grundpflege entsprechend Pflegestufe I der gesetzlichen Pflegeversicherung.

          Darüber hinaus sollte ein Anbieter bestimmte Hilfen zumindest organisieren oder vermitteln, wenn auch nicht bezahlen - etwa die Unterbringung von Haustieren oder Beratung für den Umbau der Wohnung oder des Autos. Auch sollte er zur gesetzlichen Pflegeversicherung beraten und den Betroffenen bei der Auswahl und Anschaffung von notwendigen Hilfsmitteln unterstützen.

          Sinnvolle Angebote - mit oder ohne Kapitalleistung

          Wer ausschließlich auf solche Hilfeleistungen setzt, bekommt eine gute Police schon für unter 100 Euro im Jahr - etwa von der Arag, der Huk-Coburg Allgemeine, Signal Iduna oder VRK. Wer aber auch für den Fall vorsorgen möchte, dass nach einem Unfall ein bleibender Schaden zurückbleibt, sollte eine Police mit Hilfeleistungen und einer größeren Kapitalzahlung bei Invalidität wählen - im Modellfall von Finanztest mindestens 50.000 Euro bei einer Invalidität von mindestens 50 Prozent. Die günstigsten Angebote liefern hier Arag, Huk-Coburg Allgemeine und die VRK.

          Kapitalauszahlung besser als Rentenleistung

          Angebote mit Kapitalauszahlung sind sinnvoller als solche, die bei einem bleibenden Gesundheitsschaden eine Rente zahlen. Denn Betroffene können den größeren Betrag sofort einsetzen - etwa für einen notwendigen Wohnungsumbau. Den Rest können sie anlegen. Sollte jemand kurz nach einem Unfall sterben, kann er das Geld vererben.

          Das geht mit einer Rente nicht. Hinzu kommt, dass fast alle Angebote mit Kapitalzahlung anteilig bereits ab 1 Prozent Invalidität leisten. Dagegen erhalten viele Senioren aus einer Unfallpolice mit Rentenleistungen überhaupt kein Geld, da sie die in der Regel notwendige Invalidität von 50 Prozent nicht erreichen.

          Wichtige Zusatzleistungen

          Grundsätzlich gilt: Senioren-Unfallversicherungen leisten nur bei Hilfsbedürftigkeit nach einem Unfall, also nicht bei Hilfsbedürftigkeit aufgrund einer Krankheit. Ein weiteres Problem ist, dass die Versicherer bei den Tarifen mit Geldleistung von der festgestellten Invalidität in der Regel wieder etwas abziehen, wenn jemand bereits größere krankheitsbedingte Vorschäden hatte.

          Einzelne Versicherer bieten jedoch zumindest bei einigen Erkrankungen Hilfe an - gegen einen höheren Beitrag, versteht sich. Viele Tarife helfen auch bei der Pflege einer weiteren Person. Dann kann der Versicherte auch nach einem Unfall sicher sein, dass ein ansonsten von ihm versorgter pflegebedürftiger Angehöriger weiterhin ausreichend betreut wird.

          Tipps

          Altverträge . Haben Sie bereits eine „normale“ Unfallversicherung? Behalten Sie den alten Vertrag, wenn Sie vor allem auf die Kapitalauszahlung bei Invalidität Wert legen und die in den Seniorenpolicen enthaltenen Hilfeleistungen nicht benötigen. Eine normale Police ist oft leistungsstärker und preisgünstiger als der Senioren-Spezialtarif.

          Test Unfallversicherungen . Sie möchten sich nicht nur über die Spezialtarife für Senioren informieren? Finanztest hat Unfallpolicen im Juni 2007 untersucht.

          Bedarf . Eine Senioren-Unfallversicherung ist sinnvoll, wenn Sie alleine leben und keine Angehörigen oder Bekannten in der Nähe haben, die sich nach einem Unfall um Sie kümmern könnten. Im Schnitt benötigen Senioren nach einem Unfall 1,5 bis 2 Monate Hilfe, die leicht einige Tausend Euro kosten kann.

          Angebote prüfen . Nehmen Sie nur eine Versicherung, deren Anbieter für Sie die Hilfe im Haushalt und bei der Pflege wirklich organisiert und bezahlt und nicht nur Ansprechpartner vermittelt. Das ist bei allen Angeboten zumindest für ein halbes Jahr der Fall.

          Nur bei Unfall . Wenn Sie wegen Krankheit vorübergehend auf Hilfe im Alltag angewiesen sind, haben Sie von der Seniorenpolice normalerweise nichts. Sie hilft Ihnen nur bei Hilfsbedürftigkeit nach einem Unfall.

          Extra . Erkundigen Sie sich bei den Anbietern nach den Kosten für Sonderkonditionen. Sie leisten dann zum Beispiel doch bei ausgewählten Krankheiten und zahlen etwa für Hilfen nach einem Schlaganfall oder bei Krebs sowie für Hilfen nach einem Unfall infolge eines Herzinfarkts oder nach einem Oberschenkelbeinbruch durch Osteoporose.

          Rente . Viele Anbieter zahlen ihren Kunden bei einem bleibenden Gesundheitsschaden eine Rente. Das macht weniger Sinn. In der Regel zahlen sie nämlich erst ab einer Invalidität von 50 Prozent - eine schwere Schädigung, die nur selten erreicht wird. Hinzu kommt: Die Versicherer ziehen von der festgestellten Invalidität eventuell wieder etwas ab, wenn jemand bereits größere krankheitsbedingte Vorschäden hatte. Wählen Sie lieber einen Tarif mit Kapitalauszahlung.

          Invalidität . Wenn Sie sich für einen Tarif mit Kapitalauszahlung entscheiden, wählen Sie ein Angebot, das bereits ab 1 Prozent Invalidität anteilig leistet. Einige Anbieter, wie die DBV-Winterthur oder die Hamburg-Mannheimer bei Kunden über 67 Jahren zahlen erst bei einer höheren Invalidität. Das ist ein Nachteil. Denn schon 20 oder 25 Prozent Invalidität werden selten erreicht.

          Kündigung . Sie können eine Senioren-Unfallversicherung in der Regel als Ein- oder Dreijahresvertrag abschließen. Nach Ablauf dieser Zeit verlängert sich der Vertrag automatisch um ein Jahr, wenn Sie oder das Unternehmen nicht kündigen. Sie können den Vertrag jeweils zum Ende des Versicherungsjahres mit einer Frist von drei Monaten oder nach einem Schadensfall kündigen, ebenso Ihr Versicherer.

          Höchstalter . Die Huk-Coburg Allgemeine und die VRK haben in ihren Bedingungen zusätzlich ein Höchstversicherungsalter von 85 Jahren. Haben Sie dieses Alter erreicht, endet Ihre Versicherung automatisch.

          Existenzminimum . Können Sie absehen, dass Sie im Alter sehr sparsam wirtschaften müssen, hat eine private Unfallversicherung eher wenig Sinn. Es besteht die Gefahr, dass Sie irgendwann das Geld für die Versicherungsbeiträge nicht mehr aufbringen können und die Police kündigen müssen. Von dem jahrelang eingezahlten Geld haben Sie dann nichts mehr.

          Unterstützung . Auch ohne Geld und ohne Seniorenpolice bekommen Sie Hilfe. Müssen Sie wegen eines Unfalls ins Krankenhaus, zahlt Ihre gesetzliche Krankenkasse. Erhalten Sie eine Pflegestufe, unterstützt Sie die gesetzliche Pflegeversicherung. Benötigen Sie nur zeitweise Hilfeleistungen, haben aber nur eine kleine Rente und nicht genug Vermögen, springt der Sozialhilfeträger mit „Hilfe zur Pflege“ ein. Allerdings prüft das Sozialamt genau, wie viel Einkommen und Vermögen Sie haben.

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