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Schwellenländerfonds : Türkeifonds wieder Spitzenreiter

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In Istanbul haben nicht nur die Tauben, sondern auch die Kurse abgehoben Bild: Reuters

Am türkischen Aktienmarkt war im vergangenen Jahr nicht viel zu holen. In diesem Jahr aber gehört er zu den besten Schwellenmärkten. Auch die Türkeifonds gehören wieder zu den Gewinnern. Die Chancen sind groß, die Risiken aber auch.

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          Türkeifonds sind wieder im Kommen. Am türkischen Aktienmarkt sind die Kurse in den zurückliegenden vier Wochen steil gestiegen, was auch den Fonds Auftrieb gegeben hat, die am Bosporus investieren. Folgerichtig führt die S&P-Anlagekategorie „Aktien Türkei“ die FAZ.NET-Rangliste der besten Fonds auf Sicht von einem Monat mit Abstand an (siehe auch: FAZ.NET-Service: Vergleich Türkeifonds).

          Auf Sicht von einem Jahr allerdings ergibt sich ein anderes Bild: Nur Fonds, die auf japanische Nebenwerte setzen, schlossen schlechter ab als Türkeifonds. Fast alle Aktienfondskategorien konnten in den vergangenen zwölf Monaten deutliche Gewinne verbuchen, die Türkeifonds dagegen verloren nach S&P-Daten im Schnitt 14 Prozent.

          Im Januar an der Spitze aller Schwellenmärkte

          Über weite Strecken des zweiten Halbjahres 2006 blieb der türkische Aktienmarkt hinter anderen Wachstumsmärkten zurück. Im Januar dagegen lag die Börse Istanbul mit einem Plus von 6,3 Prozent an der Spitze aller Schwellenmärkte. Treibende Kräfte sind nach dem Urteil von Anlagestrategen wesentlich gebesserte makroökonomische Bedingungen und gesunkene innenpolitische Risiken.

          ISE National 100

          Im Gegensatz zu anderen Schwellenmärkten hatte der 100 Werte umfassende National-Index der Börse Istanbul nicht im Mai 2006, sondern im Januar vergangenen Jahres sein bisheriges Rekordhoch von 47.729 Punkten erreicht. Es war der Gipfel einer Aufwärtsbewegung, die im Jahr 2002 bei 8.627 Zählern begonnen hatte. Sie ist aber nur Bestandteil einer säkularen Hausse gewesen, die 1992 eingesetzt hatte.

          Tendenz abrupt gekippt

          Was sich seit Anfang 2006 in Istanbul ereignet hat, war zunächst dramatisch und drückt sich in dem Gesamtergebnis von minus 9,2 Prozent für das gesamte vergangene Jahr nur milde aus. Während die meisten Schwellenmärkte wegen eines ungebrochenen Zustroms ausländischen Kapitals noch kräftig haussierten, kippte die Tendenz in der Türkei abrupt.

          Vom erwähnten Rekordhoch fiel der Index bis Ende Juni auf 31.951 Punkte. Er erholte sich zunächst zusammen mit den Indizes der anderen Schwellenbörsen, blieb aber bald hinter diesen zurück. Sie erreichten ihre im Mai verzeichneten Höchststände überwiegend schon Ende 2006/Anfang 2007. Ob die Börse in Istanbul mit ihrem jüngsten Anstieg auf Aufholjagd gegangen ist oder aber weiterhin hinter dem Gros der Schwellenmärkte zurückbleibt, dürfte sich nach dem Urteil von Strategen bald entscheiden.

          Wahlen werden nicht als Risiko gesehen

          Die Kurssteigerungen der vergangenen vier Wochen werden fast einhellig damit begründet, dass die Börse im Ausgang der anstehenden Präsidenten- und Parlamentswahlen in der Türkei allem Anschein nach keine Risiken sieht. So berichtet Goldman Sachs, höchstwahrscheinlich werde das Ergebnis erfreulich für die Wirtschaft und die Finanzmärkte des Landes ausfallen. Die AKP-Partei dürfte gewinnen, und es werde ihr wohl möglich sein, weiterhin allein zu regieren.

          Die Investmentbank erwartet, dass auch türkische Inlandsanleihen wegen der geschwundenen innenpolitischen Risiken, aber auch wegen der günstigen Inflationsentwicklung im Land vor beachtlichen Kurssteigerungen stehen könnten. Bei der Teuerung sei eine nachhaltig fallende Tendenz zu erwarten, zumal sich der Binnenkonsum abschwäche. Dies könne in der zweiten Jahreshälfte Senkungen des Leitzinses um insgesamt 0,75 Prozentpunkte bewirken, denen im kommenden Jahr weitere in einer Größenordnung von 2,5 Prozentpunkten folgen dürften.

          Wirtschaft entwickelt sich positiv

          Merrill Lynch hebt die zuletzt kräftig gestiegene Industrieproduktion hervor. Sie sei Ausdruck der zurückliegenden Schwäche der türkischen Lira, aber auch der konjunkturellen Erholung in Europa. Industriewerte hätten sich an der Börse Istanbul in jüngster Zeit weit überdurchschnittlich entwickelt.

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