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Investmentfonds : Schwellenländeranleihen sind zurück

Lazlo Belgrado: Anlage je nach Zukunftsglaube Bild: KBC AM

Kaufen, wen die Kanonen donnern? Fondsmanager Lazlo Belgrado empfiehlt den Einstieg bei Schwellenländeranleihen. Allerdings nicht überall.

          3 Min.

          Was macht eine 70-jährige heute mit 20.000 Euro? Die Frage entlockt Lazlo Belgrado, der das Rentenmarktteam der Fondstochter der belgischen Bank KBC leitet,  einen  Seufzer. „Konservative Investoren haben es derzeit schwer“, sagt der Manager. „Wenn Sie heute auch nur 3 Prozent auf 7 Jahre bekommen wollen, müssen Sie schon höhere Risiken eingehen.“ Noch dürftiger seien die kurzfristigen Perspektiven. Ob Festgeld oder konservative Anleihe, spiele praktisch keine Rolle, der Ertrag sei eben nun mal mäßig.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Noch nicht einmal auf Kursgewinne kann Belgrado Hoffnung machen. Konservative Staatsanleihen seien teuer und angesichts einer Wirtschaft, deren Lage sich zusehends bessere, seien höhere Rendite und mithin fallende Kurse absehbar. „Einen Absturz gibt das nicht, aber große Erträge sollten Sie besser nicht erwarten.“ Derzeit sei ein Anstieg der amerikanischen Leitzinsen auf 2 Prozent bis 2016 in den Kursen enthalten, aber es fehle einfach eine Risikoprämie, die ein Investment lohnend machen könnte.

          Wer also besser  abschneiden will, muss wohl oder übel mehr Risiko auf sich nehmen. Belgrado hat auch eine Empfehlung parat. „Die Zeit ist reif für Schwellenländeranleihen in lokalen Währungen.“ Schwellenländeranleihen? War da nicht was? Auf Sicht eines Jahres verzeichnet selbst der beste Fonds dieser Kategorie noch Verluste, derweil die Unruhen sich auszubreiten scheinen. Selbst wenn man berücksichtigt, dass die Ukraine oder Venezuela für das Marktsegment eher unbedeutend sind, so gibt es Unruheherde anderen Kalibers, wie etwa die Türkei.

          „Türkische Anleihen haben eigentlich ganz gut abgeschnitten“, sagt Belgrado. Allerdings seien die Zeiten für das Land schwer, eine Rezession wahrscheinlich, die Inflation sorge zunehmend für Wettbewerbsnachteile. „Aber bei Renditen von mehr als 10 Prozent für Lira-Anleihen kann man kurzfristig schon zugreifen.“ Allerdings sei das wohl eher etwas für „dynamische Investoren“, nicht so sehr für konservative Anleger.

          Nicht einfach alles kaufen

          Eigentlich sei es ja auch China, das mit der steigenden Verschuldung der Schattenbanken für Unsicherheit sorge. Belgrado hält das allerdings für bewältigbar. Selbst eine mögliche Ausfallrate von 20 Prozent unter den riskanten Krediten schreckt ihn nicht. Auch das niedrigere Wirtschaftswachstum  des Landes sei noch durchaus ausreichend, zudem stiegen mit dem sinkenden Wechselkurs des Renminbi auch die Exporte wieder.

          Auch insgesamt seien die Schwellenländer in keiner schlechten Verfassung. Von einer Krise wie in den Neunziger Jahren sei vor allem aufgrund der sehr viel besseren wirtschaftlichen Lage nichts zu sehen. 70 Prozent der Schwellenländer würden heute von den Rating-Agenturen als investmentwürdig eingestuft. Mitte der Neunziger Jahre seien alle Anlagen als spekulativ angesehen worden. Zudem sorgten anders als früher flexible Wechselkurse dafür, dass entstehende Ungleichgewichte abgefangen werden könnten.Unterbewertet seien Schwellenländeranleihen obendrein, lägen doch die Renditeaufschläge im historischen Mittel.

          Nichtsdestoweniger müsse man stärker differenzieren als früher. Während der Finanzkrise, nach dem Untergang der Investmentbank Lehman Brothers, habe man praktisch alles kaufen können. Heute sei das mitnichten der Fall.   Neben türkischen seien auch südafrikanische Anleihen nicht empfehlenswert. Das Land entwickle sich in die falsche Richtung, da sich die Regierung den Verteilungskonflikten nicht stelle.
          Einer der Favoriten Belgrados liegt für deutsche Investoren nahe. „Anleihen in polnischen Zloty sind derzeit nicht teuer. Und Polen ist noch wettbewerbsfähiger als Deutschland.“

          In Lateinamerika bevorzugt der KBC-Manager Mexiko. Das Land werde von der wirtschaftlichen Erholung des nördlichen Nachbarn weiter profitieren. Dagegen seien peruanische und chilenische Anleihen angesichts wachsender Handelsbilanzdefizite weniger interessant. Anleger sollten auch nicht ausschließlich auf Schwellenländeranleihen setzen. „Interessanter ist eine Kombination verschiedener Investmentthemen.“ Spanische Staatsanleihen lohnten einen Blick, Wandelanleihen seien interessant und nachrangige Unternehmensanleihen, wobei man sich letztere Produkte stets genau anschauen sollte.

          Für konservative Anleger, die Gefallen Schwellenländeranleihen gefunden haben, hat Belgrado dann noch einen Tipp: Die bundeseigene KfW-Bank, deren Bonität der des Bundes entspricht, hat auch Anleihen in türkischen Lira oder brasilianischen Real begeben. „Da lässt sich dann immerhin das Emittentenrisiko minimieren.“

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