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Schwellenländeranleihen : Fondsmanager glauben an Fortsetzung der Hausse

Pierre-Yves Bareau, JP Morgan AM Bild: JP Morgan AM

Die Kurse von Schwellenländeranleihen sind stark gestiegen. Fondsmanager setzen zwar weiter auf die Anlageklasse, raten aber zu einer differenzierten Betrachtung.

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          Fondsmanager, die in Anleihen aus Schwellenländern investieren, sind in diesem Jahr in einer guten Position. Mit einem durchschnittlichen Ertrag von mehr als 24 Prozent ist ihre Anlageklasse die zweiterfolgreichste unter den Rentenfonds. Nur hochverzinsliche Dollar-Anleihen brachten bislang mehr Ertrag. Selbst im Vergleich mit Aktienfonds lässt sich die Rendite sehen, übertrifft sie doch die von in China investierten Fonds ebenso wie die von Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt Brasilien. Und die Zuflüsse sind groß: das von den Anleihenfonds verwaltete Vermögen ist nach Angaben der niederländischen Fondsgesellschaft ING Investment in den vergangenen anderthalb Jahren um die Hälfte gestiegen.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Unter diesen Umständen sind Bedenken von Anlegern, es könne sich um eine Blase handeln, durchaus nachzuvollziehen. Indes findet Pierre-Yves Bareau, der bei der Fondsgesellschaft JP Morgan Asset Management die Abteilung für Schwellenländer-Anleihen leitet, dass die Sorgen unberechtigt sind. Wo etwas preiswert sei, könne sich keine Blase bilden, lautet sein Fazit. Das mag zunächst überraschen, befinden sich doch die Renditen sowohl für Anleihen in Dollar als auch in lokalen Währungen derzeit auf einem Tiefststand.

          Renditeaufschläge nicht immer gerechtfertigt

          Aber gleichzeitig sind auch in den entwickelten Ländern die Anleiherenditen gesunken. Dadurch haben die Risikoaufschläge für Anleihen aus Schwellenländern das Niveau noch nicht wieder erreicht, das sie vor der Finanzkrise hatten.

          Bild: F.A.Z.

          Vor allem aber seien diese Aufschläge nicht unbedingt gerechtfertigt, sagt Bareau und verweist beispielsweise auf Unternehmensanleihen mit einer Bonitätseinstufung im unteren Bereich dessen, was noch als investmentwürdig gilt. Dollar-Anleihen von Emittenten aus Schwellenländern würden im Durchschnitt mit einer um einen Prozentpunkt höheren Rendite gehandelt - doch bei den Aktien der gleichen Emittenten gebe es einen solchen Risikoaufschlag nicht. Hier müsse und werde eine Konvergenz kommen.

          Fundamentale Argumente unverändert

          An den grundsätzlichen Argumenten, die für Investments in Schwellenländeranleihen ins Feld geführt werden, hat sich nichts geändert. Zum einen sind es die besseren Wachstumsaussichten, die das Anlageumfeld attraktiv machen, wie vor allem Aktienfondsmanager immer wieder betonen. Zum anderen, und das ist für Manager von Rentenfonds fast wichtiger, befinden sich die Finanzen der meisten Schwellenländer in einer gesunden Verfassung. Nach dem diese Länder ihr Wachstum in der Vergangenheit oftmals durch eine hohe Auslandsverschuldung finanziert hatten, sind sie mittlerweile ein Nettokreditgeber der zum Teil viel höher verschuldeten Industrieländer, sagt Susanne Hellmann, Geschäftsführerin der deutschen Niederlassung der ING Investment.

          Im Gegenteil spiele Kredit in den Schwellenländern im Gegensatz zu den zu hoch verschuldeten Industrieländern per saldo eine zu geringe Rolle, sagt Bareau. Daher werde der Markt für Schwellenländeranleihen wachsen, was wiederum seine Wichtigkeit für Investoren erhöhen werde und diesen liquider machen werde. Zugleich benötigten Schwellenländer Kapital, da sie ihre exportlastige Wachstumsstrategie ändern wollten und der Binnenkonjunktur mehr Gewicht verschaffen wollten. So sehe es etwa der neue Fünf-Jahres-Plan in China vor.

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