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Schwellenländer : Wahleuphorie an Thailands Börse

  • Aktualisiert am

Gibt der Rüssel den Börsentrend vor? Bild: dapd

Nach ohnehin schon ausgezeichneter Performance in den vergangenen drei Jahren reagierte der Bangkok SET Index mit Kursanvancen von bis zu 5,1 Prozent auf den Ausgang der Parlamentswahlen. Anleger wetten auf eine „wirtschaftsstimulative“ Politik.

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          Nach ohnehin schon ausgezeichneter Performance in den vergangenen drei Jahren reagierte der Bangkok SET Index mit Kursanvancen von bis zu 5,1 Prozent auf den Ausgang der Parlamentswahlen. Der Index lag am Ende des Handelstages mit 1092,8 Punkten nur knapp unter einem 15-Jahreshoch, nachdem er von Oktober des Jahres 2008 bis in den April des laufenden Jahres um 190 Prozent gestiegen war. Damit hat der Index die kurze Zwischenschwäche der vergangenen Wochen auf hohem Niveau wieder ausgeglichen.

          Nachdem bei den Wahlen am Sonntag die Opposition nach dem vorläufigen Ergebnis 265 der 500 Sitze im Parlament errungen hat, steht der Vereidigung von Wahlsiegerin Yingluck Shinawatra als erste Frau an der thailändischen Regierungsspitze nichts mehr im Wege. Sie ist die jüngere Schwester des im Jahr 2006 gestürzten Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra.

          Hoffnungen auf Umsetzung der großzügigen Wahlversprechen

          Er lenkt die Geschicke der Pheu Thai-Partei aus dem Exil und hofft auf eine Amnestie, die ihm die Rückkehr nach Thailand ohne Festnahme erlauben würde. Wahlsiegerin Yingluck begann schon am Sonntag mit ersten Koalitionsverhandlungen. Sie will bei der Regierungsbildung zwei oder mehr kleinere Parteien ins Boot holen, obwohl ihre Partei die absolute Mehrheit errang.

          Während der Wahlsieg weitgehend erwartet wurde, rechnen Marktteilnehmer nun damit, dass die neue Regierung ihre populistischer Vorhaben beschleunigt umsetzen wird, um ihre Unterstützer zufriedenzustellen. So wurde unter anderem versprochen, die Mindestlöhne zu erhöhen, Steuererleichterungen für den Kauf neuer Eigenheime zu gewähren, das Bildungsniveau im ländlichen Bereich anzuheben, die Agrarpreise zu subventionieren und die Ausgaben für die Infrastruktur zu erhöhen. Diese Maßnahmen dürften die Binnennachfrage und die Entwicklung der Infrastruktur in Thailand fördern, erklärt Fondsmanager Anthony Srom von Fidelity Investments.

          Er hat in seinen Fonds die Branchen Banken, Immobilien, Energie und Materialien übergewichtet und will daran festhalten. Der geht nicht nur davon aus, dass sie von den bevorstehenden Maßnahmen der neuen Regierung profitieren dürften, sondern will bei faktischer Umsetzung der Maßnahmen die Konsumwerte stärker gewichten. Er hält die Aktien der Unternehmen des Landes für günstiger bewertet als jene in Asien allgemein. Er rechnet aufgrund des möglichen Zustroms von Kapital aus dem Ausland mit einer weiteren Aufwertung der Währung, nachdem diese in den vergangenen Jahren im längerfristigen Trend schon zu den stärksten weltweit gehört hatte. Der Baht wertete gegen den amerikanischen Dollar auf Sicht von sechs Jahren um 36 Prozent auf. Gegen den robusten Euro konnte er um mehr als elf Prozent aufwerten, auch wenn er in den vergangenen Wochen davon etwas abgab.

          Thailand hat kompetitive Vorteile

          Der auf Thailand spezialisierte und überaus erfolgreiche Hedge-Fondsmanager Doug Barnett hält die Aktien des Landes für sehr vernünftig bewertet. Er verweist unter anderem auf die vorteilhafte Wettbewerbsposition in Bezug auf Standort, Infrastruktur und Produktionskosten (vor allem auch nach den jüngsten Lohnerhöhungen in China) und rechnet mit dem Zuzug weiterer Unternehmen. Thailand könne schon seit mehr als 18 Monaten seine Exporte steigern, während sich gleichzeitig auch der Binnenmarkt robust entwickle. Insgesamt ließen sich sowohl die Unternehmensgewinne als auch die Einkommen bei sehr geringer Arbeitslosigkeit steigern. In den vergangenen Monaten machten sich zwar die Folgen der Probleme in Japan dämpfend bemerkbar. Allerdings dürften sie bald überwunden sein, heißt es optimistisch.

          Tatsächlich zeigen Daten der Bank of Thailand, dass der Manufacturing Index in den vergangenen Monaten negative Wachstumsraten aufwies, während jedoch die Kapazitätsauslastung der Industrie relativ robust blieb. Auch das Geschäft mit dem Tourismus läuft gut. Sowohl Konsum als auch die privaten Investitionen nehmen im Trend zu, während sich das Geschäftsklima von den jüngsten Rückschlägen erholt. Insgesamt sehen die wirtschaftlichen Perspektiven bei politischer Stabilität vergleichsweise robust aus.

          Davon dürften auch die Unternehmen des Landes profitieren, zumal sie sich immer mehr an internationalen Standards orientierten und entsprechend bewertet werden müssten, erklärt Barnett. Genau das eröffne manchen Papieren weiteren Bewertungsspielraum. Das gelte unter anderem für Unternehmen wie Banpu, Thai Union Frozen, CP Group, Siam Cement oder auch PTT. Viele Aktien thailändischer Unternehmen sehen nicht nur günstig aus, sondern sie zeichnen sich durch hohe Ausschüttungsquoten aus.

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