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Schwellenländer : Die meisten Indien-Fonds schlagen den Index nicht

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Industrieproduktion im indischen Bangalore Bild: AFP

Fonds mit Schwerpunkt Indien entwickeln sich meist schlechter als der MSCI-Länderindex. Aber das fällt kaum ins Gewicht: Auf dem Subkontinent waren zuletzt Zuwachsraten von fast 50 Prozent die Regel am Aktienmarkt.

          Warum Anleger ausgerechnet in Indien investieren sollen, fasst Finanzprofi Alexander Ehmann in eine kurze Formel. „Indien wächst jährlich um 8 Prozent, monatlich werden sechs Millionen Handyverträge abgeschlossen und täglich erblicken 36.000 Inder das Licht der Welt“, konstatiert der Fondsanalyst der Ratingagentur Morningstar.

          Dass Indien zu den Schwellenländern mit den größten Wachstumschancen gehört, hat vor Jahren bereits Goldman Sachs entdeckt. Die Investmentbank formte das Kürzel „BRIC“ für Nationen mit einem besonders hohen Potential. Das B steht für Brasilien, R für Russland, C für China - und I für Indien.

          Der Index hat sich in drei Jahren verdreifacht...

          Die Möglichkeiten des Milliardenmarktes Chinas sind inzwischen jedem Konsumenten klar, wenn er im Kaufhaus feststellt, dass immer mehr und immer teurere Waren aus dem Reich der Mitte kommen. Indien dagegen steht noch ein wenig im Schatten des großen Wachstumsbruders, für den Laien zumindest.

          Profis wie Ehmann wissen, dass Indien zu den „gefragten Dauerbrennern unter den Emerging Markets“ gehören. Der Börsen-Leitindex Sensex stand Ende 2002 bei 3.900 Zählern, in diesem Jahr kratzte er bereits an der Marke von 20.000 Punkten. Innerhalb der vergangenen drei Jahre hat er seinen Wert verdreifacht. Hätte man vor drei Jahren 100 Euro in einen ETF-Fonds auf den indischen Index investiert, wären daraus jetzt 300 Euro geworden. Das entspricht einer jährlichen Rendite von 44 Prozent.

          ...doch auf dem Subkontinent warten nicht nur Goldsäcke

          Doch der Subkontinent hält für Anleger nicht nur Goldsäcke bereit, die es bloß noch abzuholen gilt. Inzwischen warten dort auf Anleger durchaus einige Gefahren. So gilt der Markt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von mehr als 25 als ambitioniert bewertet. An den großen europäischen Handelsplätzen wie Deutschland oder Frankreich sind Aktien im Schnitt nur etwa halb so teuer (KGV 13 beziehungsweise 14). Das hohe KGV macht deutlich, welch hohe Erwartungen die Anleger in die Unternehmen setzen.

          Den auf den ersten Blick glänzenden makroökonomischen Daten stehen jedoch noch gravierende realwirtschaftliche Probleme gegenüber. Das Land leidet unter einer maroden Infrastruktur. Das Entladen einer Frachtmaschine auf dem Flughafen von Neu Delhi dauert im Schnitt 15 Tage; normal sind im internationalen Vergleich zwölf Stunden. 60 Prozent der indischen Firmen besitzen wegen ständiger Stromausfälle eigene Generatoren. Und ausländische Investoren werden sehr stark von der indischen Regierung reglementiert.

          Fonds: Schlechter als der Index, aber nicht schlecht

          Trotzdem sprechen die attraktiven Wachstumsraten dafür, als Anleger Indien nicht aus den Augen zu verlieren. Wer in das Land investieren will, kann das mit Fonds tun. Diese Aktien-Portfolios sind gerade im Fall von Schwellenländern besser als Investments in Einzelaktien, streuen sie doch die für sich ohnehin schon erhöhten Risiken. Einen ersten Produktüberblick liefert die Morningstar-Studie.

          Der Lyxor ETF MSCI India ist ein Fonds auf den indischen Aktienmarkt, der den gleichnamigen MSCI-Index praktisch eins zu eins abbildet. Zur Hälfte besteht er aus Industriewerten. Mit einem Anteil von knapp 16 Prozent bildet der Chemiekonzern Reliance Industries das Schwergewicht. Infosys Technologies und die ICICI Bank kommen auf jeweils rund neun Prozent. Der Dienstleistungssektor umfasst 33 Prozent des Aktienkorbs, die Informations- und Technologiebranche 17 Prozent. In den vergangenen drei Jahren glänzte der MSCI India mit einer jährlichen Wertentwicklung von 49 Prozent. Ohne Ausgabeaufschlag biete der Lyxor ETF MSCI India mit einer Verwaltungsgebühr von 0,85 Prozent eine günstige Anlagemöglichkeit, resümiert Morningstar.

          Der HSBC GIF Indian Equity Fund wurde bereits 1996 aufgelegt. Mit einem Fondsvolumen von sieben Milliarden Euro ist er ein Schwergewicht am indischen Aktienmarkt. Im Gegensatz zu den meisten anderen Fonds investiert das Team vorwiegend in Industrietitel (56 Prozent des Fondsvolumens) und versucht dabei vom Wachstumspotential der noch unterentwickelten indischen Industrie zu profitieren. Der Fonds streut mit gut 150 Titeln seine Investments sehr breit. Zu den Top-Werten zählen Stahl- und Energietitel wie Jinda Steel & Power, Wipro und Cairn Energy. Mit einer jährlichen Rendite von 45 Prozent entwickelte sich der HSBC GIF Indian Equity in den vergangenen drei Jahren schlechter als der MSCI India. Der maximale Ausgabeaufschlag für diesen Fonds beläuft sich auf 5,54 Prozent, die Managementgebühr 1,5 Prozent pro Jahr. Für das Jahr 2006 ergab sich eine TER (total expense ratio) von 1,9 Prozent.

          Der Amerikaner Robert Kalin managt seit 2003 den DWS India Fund aktiv. Auch dieser Fonds schaffte es in den vergangenen Jahren nicht, den MSCI India zu schlagen. Im Drei-Jahresvergleich hinkte er diesem Vergleichsmaßstab um fünf Prozent hinterher. Die Fonds seiner Vergleichskategorie konnte er jedoch im selben Zeitraum um ein Prozent schlagen und zählt somit zu den besseren Indien-Fonds. Der DWS India fokussiert sich ebenfalls auf Industriewerte. Mit knapp 80 Werten im Korb ist der DWS India nicht so stark diversifiziert wie der HSBC-Konkurrent. Schwergewichte im Portfolio sind Reliance Industries, Infosys Technologies und ICICI Bank. Mit einem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent liegt der Fonds im mittleren Bereich. Jedoch werden pro Jahr 2 Prozent Managementgebühren dem Fondsvolumen angerechnet. Die TER betrug im Jahr 2006 2,06 Prozent.

          Lieber breit aufstellen als nur von einem Land abhängig zu sein

          Morningstar-Experte Ehmann zufolge schaffen es nicht nur die beiden vorgestellten, sondern die meisten Indien-Fonds nicht, langfristig den Länderindex MSCI India zu schlagen. Das Resümee des Analysten: „Alternativen sind Emerging Market Fonds, Südostasienfonds oder BRIC Fonds.“ Auch diese Regionen- und Themenfonds enthalten indische Aktien. „Der Vorteil: Man ist breiter diversifiziert und nicht von einem Land abhängig“, erläutert Ehmann.

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