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Schwellenländer : China hat ein Inflationsproblem

  • Aktualisiert am

Bild: National Bureau of Statistics of China

Chinas Wachstum beflügelt die Phantasie. Allerdings birgt es Risiken: Stark steigender Exportüberschuss plus rigide Währung führen zu anschwellenden Währungsreserven. Die treiben die Inflation und spekulative Exzesse an der Börse.

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          Die Chinaeuphorie ist groß und weit verbreitet. Das Land scheine zumindest optisch problemlos beinahe endlos wachsen zu können, heißt es vielfach. Dieser Eindruck verführt Anleger zu Investments in Wertpapiere und Rohstoffe, die angeblich von dieser Entwicklung profitieren können, da ihre Kurse aufgrund des anhaltenden Wachstums zumindest langfristig nur steigen könnten, so die weit verbreitete Konsenserwartung.

          Fragt sich nur, ob sie sich langfristig auch bestätigt. Denn Konsenserwartungen gingen in der Vergangenheit nicht immer auf. Auch jetzt gibt es Fragezeichen. Nicht nur die inzwischen erreichte Bewertung der chinesischen Aktien kann zu denken geben, sondern auch der Blick auf die Entwicklungen an den Rohstoffmärkten. Dort hat die „Chinaphantasie“ inzwischen in manchen Märkten deutliche spekulative Blüten getrieben.

          Starkt steigender Exportüberschuss + rigide Währung = massiv zunehmende Währungsreserven

          Das Grundproblem besteht jedoch darin, dass das Land einerseits stark exportorientiert und entsprechend -abhängig ist. Andererseits erkauft es sich bisher internationale Wettbewerbs- und Marktanteile, indem es exportorientierte Unternehmen künstlich begünstigt und indem es trotz stark zunehmender Überschüsse - der Handelsbilanzüberschuss nahm im Mai im Jahresvergleich um 73 Prozent auf 22,45 Milliarden Dollar zu - die eigene Währung durch beschränkte Transaktionsmöglichkeiten und mittels massiver Interventionen am Devisenmarkt an der deutlichen Aufwertung hindert.

          Bild: National Bureau of Statistics of China

          Das führt zu Risiken, die sich in den kommenden Monaten in Form einer zurückgehenden Nachfrage aufgrund der konjunkturellen Schwäche in den Vereinigten Staaten zeigen könnten. In der vergangenen Woche ist das amerikanische Handelsbilanzdefizit mit einem Minus von 58,5 Milliarden Dollar überraschend klein ausgefallen. Grund war jedoch nicht der zunehmende Export, sondern der deutlich zurückgehende Importwert. Sollte der amerikanische Konsum und damit die Importnachfrage weiter zurückgehen, so hätten chinesische Unternehmen möglicherweise bald ein Absatzproblem. Denn ein großer Teil der in China produzierten Güter geht nach Amerika.

          Das ist jedoch nicht alles. Denn die massiven Interventionen lassen die Devisenreserven Chinas massiv ansteigen. Bis Ende März waren sie im Vergleich mit dem Vorjahr um 37,4 Prozent auf 1,2 Billionen amerikanische Dollar gestiegen und damit auf etwas mehr als 22 Prozent der gesamten Währungsreserven weltweit. Der Trend zeigt massiv nach oben. Diese Gelder führen, da sie wenigstens zum Teil an den internationalen Finanzmärkten angelegt werden, nicht nur dort zu deutlichen Preisverzerrungen, sondern sie treiben zusammen mit den im Vergleich zum Wachstum extrem tiefen Zinsen die Preise im Inland nach oben.

          Währungsreserven treiben die Inflation und spekulative Exzesse an der Börse

          Nach Angaben des National Bureau of Statistics of China vom Dienstag ist die offizielle chinesische Inflationsrate im Mai auf Jahresbasis um 3,4 Prozent gestiegen. Auch wenn der Trend schon seit Monaten nach oben zeigt, mag das - sofern man offiziellen Statistiken in einem Land mit administrierten Preisen glauben mag - zunächst nicht sonderlich dramatisch erscheinen. Allerdings ändert sich dieser Eindruck, wenn man die Unterkomponenten betrachtet. So sind die Preise für Nahrungsmittel um satte 8,3 Prozent gestiegen. Der Getreidepreise legte um 5,9 Prozent zu, während die Preise für Fleisch und frische Eier um 26,5 und 37,1 Prozent zunahmen. Da die reale Verzinsung von Bankguthaben aufgrund dieser Entwicklung negativ ist, „zocken“ immer mehr Konsumenten trotz massiv überbewerteter Aktien an der Börse des Landes. Nach Angaben der chinesischen Zentralbank sind die Guthaben der Haushalte im Mai um 278,4 Milliarden Yuan oder um umgerechnet 27,3 Milliarden Euro gefallen. Das heißt, sie wurden entweder konsumiert oder an der Börse investiert.

          Zusammen mit der der nach wie vor überproportional wachsenden Geldmenge in China deutet das auf eine völlige Überhitzung hin. Die eigentliche Dramatik zeigt sich in den nun deutlich steigenden Nahrungsmittelpreisen. Denn sie treffen vor allem jene, die bisher nicht am zunehmenden Wohlstand in China teilhaben. Und das ist die breite Mehrheit. So nähme das Risiko von sozialen Unruhen zu. Um solche im Vorfeld der Olympischen Spiele im kommenden Jahr zu vermeiden, dürfte ein restriktiverer Kurs als bisher nötig werden.

          Das heißt, höhere Zinsen, höhere Mindestreservesätze, höhere Steuern für Börsentransaktion und das heißt möglicherweise auch eine rascher als bisher aufwertende Währung. Vor allem letztere könnte negative Implikationen für die internationalen Finanzmärkte mit sich bringen. Denn plötzlich könnten vom Handel mit Asien keine disinflationären, sondern inflationäre Impulse ausgehen. Genau das würde die internationalen Zentralbanken zu anhaltend restriktiven Kursen zwingen und damit die Rentemärkte möglicherweise noch weiter unter Druck bringen. Generell dürften steigende oder hoch bleibende Zinsen auch den Börsen Gegenwind bringen. Dafür sorgt alleine schon der Bewertungsmechanismus.

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