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Schwellenländer : Börsen in den Emerging Markets sind auf dem Vormarsch

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Die Finanzmärkte der Schwellenländer sind längst nicht mehr so exotisch, wie sie es einmal waren. Sie ziehen immer mehr internationales Geld an. Denn sie sind nicht nur interessant, sondern auch ihre Lage hat sich verbessert.

          2 Min.

          Bislang haben sich amerikanische Investmentfonds, die weltweit in Aktien investieren, auf den Emerging Markets zurückgehalten. Im Schnitt steckten per 30. Juni nur 3,8 Prozent ihres Anlagekapitals in Aktien aus Schwellenländern, berichtet Morningstar. Die Rally an den Börsen einiger Schwelleländer könnte weiter angeheizt werden, wenn mehr amerikanisches Anlagekapital in die Regionen fließt.

          „Da schlummert noch viel Kaufkraft“, erklärt Alec Walsh, Vermögensverwalter bei Harding Loevner Managemen, der dieses Jahr in Aktien der indischen Ölraffinerie Reliance Industries investiert hat.

          Emerging Market Index auf Allzeithoch

          Der Emerging Market Index von Morgan Stanley Capital International ist seit Jahresanfang elf Prozent gestiegen. Am Donnerstag knackte der Index, der die Benchmark-Indizes aus Brasilien, Südkorea und 24 weiteren Ländern umfaßt, erstmals die Marke von 600 Punkten. Der Index steckt in der längsten Anstiegsphase seit 1993.

          Seit Beginn der Rally hat sich der Index mehr als verdoppelt. Selbst die Aufwertung des chinesischen Yuan, die weltweit steigende Rohstoffnachfrage und die vergleichsweise niedrigeren Bewertungen der Unternehmen konnten den Trend nicht stoppen. „Die Party ist noch nicht vorbei“, sagt Benjamin Gong, Vermögensverwalter bei General Motors Asset Management in New York. „Es gibt immer noch Möglichkeiten, frisches Kapital anzuziehen.“

          Aktienfonds, die in Emerging Markets investieren, verzeichneten in den ersten sechs Monaten einen Kapitalzufluß von 3,91 Milliarden Dollar, verglichen mit 2,78 Milliarden Dollar, die sie im gesamten letzten Jahr einsammeln konnten, berichtet Emerging Portfolio Fund Research aus Cambridge, Massachusetts.

          In den vergangenen Jahren war der MSCI Emerging Market Index jeweils kurz vor der Marke von 600 Punkten eingebrochen. In den vier Monaten bis zu seinem Anstieg auf 587,11 Punkte im September 1994 hatte Mexiko den Peso abgewertet und damit einen Exodus aus den Schwellenländern ausgelöst. In der Zeit fiel der Index von seinem Hoch mehr als ein Viertel zurück. Drei Jahre später sorgten Kursverluste asiatischer Währungen dafür, das der Index die 570,62 Punkte vom Juli 1997 nicht halten konnte. In den 14 folgenden Monaten ging es 60 Prozent bergab.

          Lage der Schwellenländer hat sich verbessert

          Diesmal, sagen Investoren, werden die Schwellenländer ihre Kursgewinne halten können, weil weniger Länder ihre Währungen an den Dollar gekoppelt haben. China entschied am 21. Juli, den Yuan gegenüber einem Währungskorb schwanken zu lassen und beendete damit die zehnjährige Dollar-Bindung. Malaysia folgte dem Beispiel mit einem kontrollierten Floaten des Ringgit.

          Darüber hinaus haben Länder wie Brasilien ihren Finanzbedarf reduziert und ihre Handelsbilanz verbessert. Im vergangenen Jahr fielen die Gesamtschulden der Schwellenländer auf 41,5 Prozent ihres zusammengefassten Bruttoinlandsprodukts, nach 51,2 Prozent 1998, zeigen Schätzungen von Bear Stearns & Co. Ihr Leistungsbilanzüberschuß als Anteil vom Bruttoinlandsprodukt stieg von 0,5 Prozent auf 3,1 Prozent.

          „Die Gesundheit der Emerging Markets hat sich verbessert“, sagt James Moffett, der den 1,32 Milliarden Dollar schweren UMB Scout Worldwide Fund in Kansas City, Missouri verwaltet. Hatte er Mexiko und Südostasien in den 90er Jahren noch gemieden, stecken inzwischen 13 Prozent vom Anlagekapital in Schwellenländern, der größte Anteil davon entfällt auf Petroleo Brasileiro SA. Die Aktie der staatlichen brasilianischen Ölgesellschaft hat dieses Jahr 13 Prozent an Wert gewonnen, ihr Kurs/Gewinn-Verhältnis liegt bei 5,3. Zum Vergleich: Exxon Mobil Corp. werden zum 12fachen vom Gewinn gehandelt.

          Teilweise haben sich die Unternehmen der Schwellenländer sogar zu internationalen Schwergewichten gemausert. Das gilt zum Beispiel für Samsung Electroncis. Der südkoreanische Halbleiterhersteller rangiert inzwischen auf Platz zwei nach Intel. „Anfang der 90er Jahre ging es nur darum, billig zu produzieren“, erinnert sich Nicholas Melhuish, der den 133 Millionen Dollar schweren Nicholas Applegate Global Select Fund in San Diego mitbetreut. „Aber mittlerweile bessert sich auch die Wachstumsqualität der Emerging Markets.“

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