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Schwellenländer : Das neue BRIC heißt CNIPB

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Der Konsum soll die Philippinen voranbringen Bild: REUTERS

Jahrelang lockten Brasilien und Russland Investoren. Heute gibt es neue Favoriten wie Bangladesch oder die Philippinen. Die Anlagemöglichkeiten aber sind rar.

          4 Min.

          Wenn die Rede auf Schwellenländer kommt, denken die meisten an China, danach vielleicht an Indien, Russland und Brasilien. Schließlich haben Banken und Investmenthäuser die Anleger lang genug auf die Zauberformel BRIC dressiert. Schwellenländer verbindet man eigentlich mit hohen Wachstumsraten und schaut man da auf die BRIC, verpufft die Magie teilweise. Drei Prozent in Russland, vier in Brasilien – das ist nicht gerade ein gigantischer Zuwachs.

          Geht man nach der jüngsten Wachstumsstudie des Wirtschaftsforschungsinstituts Euromonitor so heißt die neue Formel CNIPB. Dabei stehen C und I weiter für China und Indien, B aber nicht für Brasilien, sondern für Bangladesch. Das kommt etwas überraschend, ist doch der Landesname mehr mit Armut verknüpft. Tatsächlich steht das Land in der Rangfolge der Länder mit dem höchsten Bruttoinlandsprodukt pro Kopf auch nur auf Platz 179 – oder 24 von hinten. Selbst Haiti rangiert noch vor dem asiatischen Staat.

          Euromonitor rechnet mit einem Wachstum von 6 Prozent im laufenden Jahr und führt dies neben Überweisungen von im Ausland lebenden Bangladeschern und hohen Textilausfuhren auch auf Strukturreformen zurück. Diese sorgten für Direktinvestitionen und belebten den privaten Konsum, der gleichfalls um 6 Prozent steigen soll.

          Der Aktienmarkt des Landes schlug sich zuletzt eher durchschnittlich. Ein Zuwachs von 20 Prozent auf Sicht eines Jahres ist zwar nicht zu verachten, liegt aber weltweit allenfalls im vorderen Mittelfeld. Die einzige Aktie aus Bangladesch, die auch in Deutschland gehandelt wird, ist die des Pharma-Unternehmens  Beximco, das Generika herstellt. In den ersten neun Monaten setzte Beximco umgerechnet 69,5 Millionen Euro um, 12 Prozent mehr als im selben Zeitraum 2012. Dabei erzielte das Unternehmen einen Gewinn von knapp 10 Millionen Euro.

          Auf Basis der Analystenschätzungen ist Beximco mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 6 für das laufende Jahr bewertet. Wenig begeisternd ist allerdings der Kursverlauf. Der Kurs der praktisch nicht gehandelten Aktienzertifikate fiel auf Jahressicht um 26 und auf Drei-Jahres-Sicht um 70 Prozent. In diesem Jahr steht indes ein Plus von 14 Prozent zu Buche.

          Analystin Sarah Boumphrey von Euromonitor macht sich allerdings Sorgen um die Stabilität des Wachstums. Nach den Unruhen im Januar könnten die Spannungen zwischen Regierung und Opposition abermals eskalieren. Derweil stiegen aufgrund der notwendigen und gerechten Verbesserungen von Löhnen und Arbeitsbedingungen in der Textilbranche die Kosten. Und diese Branche ist die treibende Kraft in der Wirtschaft des Landes.

          Nigeria auch ohne Connection

          Für das N in CNIPB steht Nigeria, das um 6,6 Prozent wachsen soll. Die Situation ist hier nicht wesentlich anders als in Bangladesch. Das Land profitiert von seinen Ölexporten und hat einen hohen Leistungsbilanzüberschuss von 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Sorgen machen den Analysten allerdings die verschlechterten Finanzierungskonditionen aufgrund der gewachsenen Sorgen um die Schwellenländer, wodurch der Zufluss ausländischen Kapitals sinken könnte. Die Wirtschaft ist einseitig vom Öl abhängig, die Arbeitslosigkeit hoch und der Konflikt zwischen Christen im Süden und Muslimen im Norden bedroht chronisch die Stabilität.

          Der nigerianische Aktienmarkt legte auf Sicht von 12 Monaten mit einem Plus von 22 Prozent etwas stärker zu als der Bangladeschs, bietet aber im laufenden Jahr mit einem Minus von 4 Prozent ein eher enttäuschendes Bild. In Deutschland gehandelt werden lediglich Aktienzertifikate der größten Bank des Landes, der Guaranty Trust Bank. In den ersten neun Monaten verbuchte die Bank Nettoeinkünfte von umgerechnet rund 600 Millionen Euro, rund 6 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Dabei erzielte sie einen Gewinn von rund 300 Millionen Euro, etwa 7,5 Prozent mehr als 2012.

          Auf Basis der Analystenschätzungen ist die Guaranty Trust Bank mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 7,4 für das laufende Jahr bewertet und als Bank damit weniger günstig wie Beximco. Verlockend erscheint auch die prognostizierte Dividendenrendite von 7,5 Prozent. Allerdings hat die nigerianische Landeswährung Naira auf Jahressicht gegenüber dem Euro gut 11 Prozent abgewertet. Das zehrt den Wert von Ausschüttungen auf. Wenig begeisternd ist auch der Kursverlauf. Der Wert der kaum gehandelten Aktienzertifikate fiel auf Jahressicht um 13 Prozent und hat sich auf Drei-Jahres-Sicht praktisch nicht verändert. In diesem Jahr steht ein Minus von 17,5 Prozent zu Buche.

          Der dritte Neuling sind die Philippinen, denen Euromonitor ein Wachstum von 6,5 Prozent zutraut. Im Unterschied zu Bangladesch und Nigeria hält Boumphrey dieses Wachstum mittelfristig für nachhaltig. Für Wachstum sorgt nicht nur der Wiederaufbau nach dem Taifun Haiyan, sondern auch dank Überweisungen von Gastarbeitern der Konsum sowie die anhaltende Tendenz zum Outsourcing auf den Inselstaat. Langfristig sei die Arbeitslosenrate von mehr als 7 Prozent allerdings eine Herausforderung.

          Auch die Entwicklung des philippinischen Aktienmarktes verlief eher enttäuschend. Auf Sicht von 12 Monaten hat er um 5 Prozent nachgegeben. Im laufenden Jahr steht aber ein Plus von 9 Prozent zu Buche. In Deutschland gehandelt werden die Aktien der Bergbaugesellschaft Philex und Zertifikate des Telekommunikationsunternehmens PLDT.

          Bei Bewertungen mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 17 bzw. fast 15 für das laufende Jahr erscheinen diese derzeit nicht gerade preiswert. Im Falle PLDT lockt noch eine Dividendenrendite von 6,65 Prozent. Allerdings hat auch der philippinische Peso in den vergangen 12 Monaten gegenüber dem Euro um knapp 19 Prozent verloren. Dieser Abwertungstrend hält nun seit Mitte 2012 an. Die 2016 fällige philippinische Euro-Staatsanleihe erscheint mit einer Rendite von 1,5 Prozent gleichermaßen unattraktiv.

          Eingerahmt werden die drei Jung-Stars von China und Indien. Bei aller Diskussion um Chinas Wachstumsschwäche entspricht der für 2014 prognostizierte Zuwachs von 7,4 Prozent der Wirtschaftsleistung Schwedens. Doch wie allen Beobachtern macht auch Boumphrey das Kreditwachstum und dessen Auswirkungen auf die Immobilienpreise Kummer. Was Wunder also, wenn sich die chinesischen Aktienmärkte derzeit gleichfalls wenig positiv entwickeln.

          Kummer machte den Analysten zuletzt Indien, aber Euromonitor sieht hier das Comeback des Jahres. Vom Platz 13 der Wachstumsliste schiebe sich Indien mit einem erwarteten Zuwachs von 5,7 Prozent auf Platz 5 vor. Das Leistungsbilanzdefizit sei gesunken, die Abwertung der Rupie habe die Exportwirtschaft wettbewerbsfähiger gemacht. Ein Unsicherheitsfaktor seien allerdings die Wahlen im Mai. Die Entwicklung des Aktienindex Sensex‘ lässt einen derzeit allerdings schwindeln. Mit 21.775 Punkten liegt er derzeit nur knapp unter dem zu Wochenbeginn erreichten Allzeithoch von 21.935 Zählern. Die durchschnittliche Bewertung des Marktes liegt mit mehr als 17 nicht niedrig. Zu den vergleichsweise günstigen Aktien zählen der Autobauer Tata Motors und das Öl-Unternehmen Sesa Sterlite. Indes sind die Kursentwicklungen derzeit auch wenig erbaulich.

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