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Schlechte Stimmung bei Anlegern : Schwäche des Häusermarktes belastet Wall Street

  • -Aktualisiert am

Wo bleiben die Käufer? Luxus für eine halbe Million Dollar in Kildeer, Illinois Bild: AFP

Nach dem Ende staatlicher Hilfen gehen die Hausverkäufe in Amerika stark zurück. Die Aktienkurse an den amerikanischen Börsen reagierten auf die Daten vom Häusermarkt mit Abschlägen. Sie suggerieren eine allgemeine Schwäche der Konjunktur.

          Die anhaltende Schwäche des amerikanischen Häusermarktes sorgt für schlechte Stimmung bei Anlegern an der Wall Street. Trotz extrem niedriger Hypothekenzinsen waren die Verkaufszahlen sowohl von Neubauten als auch von bereits existierenden Häusern im vergangenen Monat deutlich zurückgegangen.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Ein Grund dafür war das Auslaufen staatlicher Stützungsmaßnahmen, die im Juli erstmals ihre volle Wirkung zeigten. Erstkäufer hatten bis Ende April eine Steuergutschrift von 8000 Dollar erhalten. Die noch im April unterzeichneten Kaufverträge mussten allerdings bis Ende Juni abgeschlossen sein. „Hypothekenzinsen auf Rekordtief reichen nicht aus, um potentielle Käufer zu locken“, kommentierte Jennifer Lee, eine Ökonomin des Wertpapierhauses BMO Capital Markets, die die schlechter als weitgehend erwartet ausgefallenen Konjunkturdaten als „herzzerrreißend“ bezeichnete. „Ohne Arbeitsstelle, ohne regelmäßiges Einkommen können die Raten von Hypotheken nicht gezahlt werden, egal wie die niedrig die Zinsen sind“, beschrieb sie die prekäre Situation mancher Kaufinteressenten. Viele Banken vergeben nach den Erfahrungen der Finanzkrise zudem nur noch Hypotheken an finanzkräftige Antragsteller. Die laxe Vergabepraxis der Banken, die Hypotheken während des Aufschwungs vor ein paar Jahren teilweise ohne Anzahlung oder Einkommensnachweis gewährt hatten, hatte zu hohen Abschreibungen geführt.

          Eine allgemeine Schwäche der Konjunktur

          Die Verkaufszahlen von Neubauten waren nach Angaben des Wirtschaftsministeriums im Juli gegenüber dem Vormonat um 12,4 Prozent auf eine Jahresrate von 276.000 Einheiten zurückgegangen. Das ist die niedrigste Zahl seit 1963, als die Regierung diese Daten erstmals erhoben hatte. Die Verkäufe bestehender Häuser waren im gleichen Monat um 27,2 Prozent auf eine Jahresrate von 3,83 Millionen gefallen. Das berichtete die National Association of Realtors (NAR), der Verband der Immobilienmakler. Auch das war das schwächste Resultat, seit der Verband diese Zahlen 1999 erstmals veröffentlichte. Die Daten schließen Einfamilienhäuser, Stadthäuser und Wohnungen ein. Die Verkaufszahlen von Einfamilienhäusern, die den Löwenanteil stellen, waren zuletzt 1995 niedriger gewesen. Die Hypothekenzinsen für ein traditionelles Darlehen mit einer Laufzeit von 30 Jahren lagen im Juli bei durchschnittlich 4,56 Prozent, berichtet der Immobilienfinanzierer Freddie Mac. In der vergangenen Woche hatten die Zinsen auf 4,42 Prozent nachgegeben.

          Die Aktienkurse an den amerikanischen Börsen reagierten auf die Daten vom Häusermarkt mit Abschlägen, weil sie eine allgemeine Schwäche der Konjunktur suggerieren. Es gibt immer weniger Vermögensverwalter, die auf kurze Sicht mit einer wirtschaftlichen Erholung rechnen. „Wir befinden uns in einem Umfeld niedriger Zinsen und wenn der Häusermarkt sich nicht bessert, könnten die Kurse definitiv weiter fallen“, sagte Jim Herrick, der Leiter des Aktienhandels beim Wertpapierhaus R.W. Baird.

          Der scharfe Rückgang der amerikanischen Häuserpreise in den Jahren 2007 und 2008 war einer der Auslöser der Finanz- und Wirtschaftskrise. Eine Erholung dieses Marktes gilt als daher als Voraussetzung für eine nachhaltige Erholung der amerikanischen Konjunktur.

          Beim Maklerverband rechnet man trotz der schwachen Resultate im Juli bereits mit einer baldigen Besserung. Der Chefökonom des NAR, Lawrence Yun, prognostizierte wegen des Auslaufens der Steuergutschriften zwar eine Schwächephase bis Ende September. „Angesichts der sehr niedrigen Zinsen und der historisch hohen Erschwinglichkeit, könnte das Tempo einer Erholung der Verkaufszahlen dennoch schnell anziehen“, meint Yun. Die Voraussetzung: Die Beschäftigung in den Vereinigten Staaten muss beständig zunehmen. Trotz der allgemein negativen Reaktion an der Wall Street auf die Häuserdaten wetteten einige Anleger offenbar bereits darauf, dass der Markt im Juli seinen Tiefpunkt erreicht hat. Gegen den allgemeinen Trend reagierten die zuletzt stark unter Druck geratenen Aktienkurse von Hausbauunternehmen wie Toll Brothers, Pulte Group oder Beazer Home auf die jüngsten Zahlen nämlich mit kräftigen Aufschlägen.

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