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Schiffsfonds : Wer hat mein Geld versenkt?

Bild: Roeder, Jan

Jan Roeder hat viel Geld in einen Schiffsfonds investiert. Leider fährt der Kahn nur Verluste ein. Grund genug, mal nach dem Rechten zu sehen.

          Angestrengt suchen seine Augen das Hafenbecken ab. Der Blick wandert viel zu schnell hin und her, als dass er durch die schmalen Sehschlitze viel erkennen könnte. Ein Auge zusammenzukneifen, das ist bei Fotografen eine Art Berufskrankheit, aber meist sieht dann wenigstens das andere Auge etwas.

          Nadine Oberhuber

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Jan Roeder schiebt den Kopf vor. So weit, als hoffte er, da draußen am Horizont mit der Nase auf das zu stoßen, was er sucht: „Da draußen soll mein Schiff sein? Wo?!“ Dann hellt sich sein Blick auf. Meter um Meter schiebt sich vom Horizont ein Containerschiff heran, weiße Brücke, dunkelgrüner Bug. „Das ist aber klein“, sagt er und grinst erleichtert. Die MS Herm, es gibt sie wirklich - und sie ist Jan Roeders Schiff. Zumindest gehört ihm ein Teil davon.

          Traumschiff zum Vorruhestand

          Es gab Momente in den vergangenen vier Monaten, da hat er nicht mehr daran geglaubt, dass er sie zu Gesicht bekommen würde. „Die verschaukeln mich doch“, hat er gepampt, „wahrscheinlich gibt es das Ding gar nicht.“ Es waren die Monate, in denen er „sein“ Schiff gejagt hat. Per Mail und per Telefon, rund um die Welt. Weil er den Pott unbedingt mal sehen wollte, in den er vor Jahren sein Geld gesteckt hat.

          Die MS Herm in Hamburg

          Mit 15.000 Euro hat er sich 2004 an dem geschlossenen Schiffsfonds beteiligt, von dem die MS Herm gebaut wurde. Für einen 41-jährigen Fotografen und dreifachen Vater war das viel Geld. Aber er vertraute seinem langjährigen Finanzberater, der dazu riet: Damit würde er jährlich rund acht Prozent Rendite einfahren, er bekäme am Ende mindestens sein angelegtes Kapital zurück und hätte auch noch rund 8000 Euro Steuern gespart. So würden aus seinen 15.000 Euro in zehn bis zwölf Jahren 35.000 Euro, rechnete ihm der Berater vor.

          Jan Roeder glaubte das. Roeder ist keiner von den abgebrühten Rechnern und ständigen Kursbeobachtern, dazu hat er weder Zeit noch Lust. Er arbeitet viel, spart regelmäßig und sagte sich damals: „Ich will mich mit Mitte fünfzig zur Ruhe setzen. Ich will einmal zocken und auch das große Geld machen - ohne Lottogewinn.“ Dann aber kam alles ganz anders.

          Gut an-, dann aufgelaufen

          Inzwischen gibt es viele Momente, in denen er die Beteiligung an der MS Herm als größten finanziellen Fehler seines Lebens abgeschrieben hat. Drei Ausschüttungen gab es, das war für ihn das Signal: „Das Ding läuft.“ Dann kam jahrelang nichts mehr. Das Schiff macht Verluste, sagten die Jahresberichte. Und im April dieses Jahres forderte die Fondsverwaltung dann alles zurück, was er von ihr bekommen hatte. So überwies er 3600 Euro auf deren „dringende Bitte“ hin, dass „sonst gegebenenfalls mit einem Totalverlust der gesamten Einlage zu rechnen ist“. Seither fragt er sich, ob er sein Geld je wiedersehen wird.

          Kapitän und Reeder Hermann Schepers hofft, dass das Geschäft bald wieder anzieht

          Ist er sauer auf seinen Finanzberater, der dafür eine satte Provision kassierte und ihm gleich noch einen amerikanischen Gewerbeimmobilien-Fonds verkauft hat? „Wieso? Der kann ja nichts dafür, der hat doch selbst in mein Schiff investiert. Wir haben eben Pech gehabt“, sagt Roeder. Und nun steht er hier am Eurogate, dem Containerterminal im Hamburger Hafen. Auge in Bullauge mit seinem Schiff.

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