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Schiffsfonds : Emissionshäuser ringen um Fortbestand

Steckt fest: Das Containerschiff der Hapag Lloyd-Reederei „Norfolk Express“ am 18. April 2013 Bild: dpa

Vor der Lehman-Pleite flossen Milliarden in geschlossene Schiffsfonds. Die aktuelle Pleitewelle besorgt die Anleger - hat aber auch Anbieter wie MPC, HCI und Lloyd schwer getroffen.

          Am 13. Februar dieses Jahres schalteten sich Fondsanleger des Hamburger Emissionshauses Münchmeyer Petersen Capital (MPC) in einer Internetkonferenz zusammen. Es ging um die Beteiligungsgesellschaft „Santa P-Schiffe“. Das ist ein geschlossener Fonds mit einem Volumen von mehr als 315 Millionen Euro. Dieses Geld war 2005 in sechs mittelgroße Containerschiffe investiert worden. Zugeschaltet war der Hamburger Reeder Claus-Peter Offen, der an dem Fonds beteiligt ist und sich als Vertragspartner von MPC um die Vermietung der Schiffe an große Linienreedereien kümmert. Was er zu berichten hatte, war für die Anleger alles andere als erfreulich.

          Christian Müßgens

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Zurzeit würden die Frachter für 8.000 bis 16.000 Dollar am Tag vermietet, sagte er laut dem Protokoll der Veranstaltung, das dieser Zeitung vorliegt. Um allein die Betriebskosten zu decken und den Kapitaldienst zu leisten seien mindestens 22.000 bis 23.000 Dollar am Tag nötig. Angesichts des Überangebots an Schiffsraum und der konjunkturbedingt rückläufigen Ladungsmenge auf wichtigen Routen seien die notwendigen Preise momentan nicht zu erzielen. Der Reeder forderte die zugeschalteten Anleger auf, Geld nachzuschießen und so einen Notverkauf der Frachter zu verhindern. Müssten die Schiffe losgeschlagen werden, hätte das womöglich den Totalverlust des angelegten Kapitals zur Folge.

          „Wie Kraken“ im System der Schiffsfinanzierung verwoben

          Tausende Anleger in Deutschland sehen sich mit ähnlichen Forderungen konfrontiert. Vor der Lehman-Pleite flossen teilweise mehr als 3,5 Milliarden Euro Anlegergeld im Jahr in geschlossene Schiffsfonds. Banken gaben allzu bereitwillig Kredite und befeuerten so einen Neubauboom, der in einem massiven Überangebot an Schiffstonnage mündete. Die daraus resultierende Pleitewelle hat nach Berechnungen der Deutschen Fondsresearch schon rund 170 Fondsschiffe in die Insolvenz getrieben. Nicht selten bekommen Anleger nun Post von einem der drei börsennotierten Emissionshäuser MPC, HCI und Lloyd Fonds. Diese Hamburger Unternehmen waren laut der Analysegesellschaft Feri in den goldenen Zeiten die drei größten Emittenten von Schiffsfonds.

          Allein im Boomjahr 2007 platzierten sie in Summe ungefähr 1,4 Milliarden Euro, mehr als ein Drittel des gesamten für diese Anlageklasse in Deutschland eingesammelten Anlegergeldes. In der anschließenden Krise blieb dann schlagartig das Kapital aus. Die Einnahmen aus Konzeption und Verwaltung der Fonds brachen ein und die Unternehmen gerieten in Existenznot. Die Aktienkurse sind seither von teilweise mehr als 60 Euro je Anteilsschein auf Beträge um die 40 Cent gesunken. Da die recht kleinen Firmen aber ein komplexes System mit hunderten Einschiffsgesellschaften, zehntausenden Anlegern und dutzenden beteiligten Banken aufgebaut haben, hätte eine Insolvenz dieser Firmen katastrophale Folgen: Die Emissionshäuser seien „wie Kraken“ im System der Schiffsfinanzierung verwoben, sagt ein hochrangiger Banker, der namentlich nicht genannt werden will.

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