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Schiffonds : Schiffonds mit Kapitalerhaltgarantie - eine Geschmacksfrage

  • Aktualisiert am

Der Container-Riese „MSC Pamela” läuft in Valencia ein Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Schiffondsbranche wird kreativ. Nachdem die Anlageform stärkerer Konkurrenz ausgesetzt, setzen die Anbieter auf neue Angebotsformen. Owner-Ship bringt den ersten Schiff-Garantiefonds. Über die Sinnhaftigkeit mag man streiten.

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          Die Anbieter geschlossener Fonds haben es in den vergangenen Jahren nicht leicht gehabt. Immer wieder wurden die Steuervorteile der unternehmerischen Beteiligungen beschnitten mit dem erklärten Ziel, ihnen den Garaus zu machen.

          Dabei sind Schiffonds noch einigermaßen glimpflich davon gekommen, da sie immer noch Steuervorteile bieten. Neu gegenüber früher ist indes, daß der Genuß der Abschreibungen voraussetzt, daß das Schiff erst einmal Gewinne eingefahren hat. Die frühzeitige Klärung des Sachverhalts verhalf der Branche, gemeinsam mit dem Boom in der Transportschiffahrt führte zu einem guten Geschäft.

          Erschließung neuer Zielgruppen

          Doch mittlerweile geht der Schlußverkauf ebenso zu Ende wie der Boom in der Transportschiffahrt. der Baltic Dry Index, der die Entwicklung der Frachtraten mißt, ist seit seinem Hoch im Dezember 2004 bei 6.172 Punkten um fast zwei Drittel auf zuletzt 2.121 Punkte gefallen (siehe Graphik).

          Das zwingt die Branche, neue Ideen zu kreieren. Das Hamburger Emissionshaus Owner-Ship bietet nunmehr erstmals einen Schiffonds mit Kapitalerhaltgarantie an. Anleger, die in den „Owner-Ship Tonnage II“-Fonds des Hauses investieren, können eine Garantie in Höhe der nominellen Beteiligungssumme erwerben.

          „Aufgrund der guten Performance bei Schiffsfonds entschließen sich weiterhin immer mehr Anleger, in diese Assetklasse zu investieren“, sagt Olaf Pankow, geschäftsführender Gesellschafter von Owner-Ship. „Mit der Kapitalerhaltgarantie wollen wir sicherheitsorientierte Investoren ansprechen, die an der Entwicklung der Schiffsmärkte partizipieren möchten, ohne jedoch das volle Risiko einer unternehmerischen Beteiligung zu tragen.“

          Garantien gibt es nicht kostenlos

          „Volle Chancen bei deutlich reduziertem Risiko“ heißt es in der Pressemeldung des Hause. Das stimmt indes nicht so ganz, denn schließlich ist die Garantie nicht kostenlos. Denn für die Absicherung des eingesetzten Kapitals berechnet das Emissionshaus halbjährlich 1,25 Prozent der nominellen Beteiligungssumme, die von den Auszahlungen einbehalten werden. Mindestens erhält er der Anleger eine durchschnittliche jährliche Auszahlung in Höhe der geleisteten Garantiezahlung, also 2,5 Prozent p.a.

          Ferner gilt die Kapitalgarantie nur zeitlich befristet, nämlich nur bis zum 30. September 2016. Dann muß sich der Investor entscheiden, ob er das eingesetzte Kapital zurückerhalten und die Anteile an die „Ownership Protect GmbH“ verkaufen will. Alternativ kann er den Fonds bis zum geplanten Laufzeitende 2021 weiterlaufen läßt - dann aber ohne Kapitalerhaltgarantie.

          Bei planmäßiger Entwicklung prognostiziert Owner-Ship netto Auszahlungen von 2,75 Prozent im laufenden Jahr ansteigend bis auf sieben Prozent im Jahr 2016. Wer auf die Garantie verzichtet, der habe die Chance auf Ausschüttungen von
          anfänglich vier Prozent, ansteigend auf 95,1 Prozent im Jahr 2021 inklusive
          des Schiffsverkaufserlöses.

          Garantiertes Wechselkursrisiko

          Der Fonds ist als reiner Dollarfonds konzipiert. Das bedeutet, daß sowohl die Anlagesumme als auch die jährlichen Auszahlungen in Dollar getätigt werden. Korrekt weist der Anbieter darauf hin, daß das Wechselkursrisiko innerhalb des Fonds dadurch reduziert wird.

          Indes hat der Anleger eines. Im Prospekt heißt es: „Beim Umtausch erhaltener Dollarauszahlungen in Euro besteht ein Kursrisiko beim Anleger im Fall einer dauerhaften Abwertung des Dollar gegenüber dem Euro.“ Dies a sich nun die Kapitalgarantie auf die in Dollar nominierte Beteiligungssumme bezieht, hat die Garantie letztlich ein Wechselkursloch.

          Der Flottenfonds investiert in drei Schiffe: Zwei Mehrzweckfrachter, die MS Amber und die MS Jasper sowie das Containerschiff MS Magnus F. Anleger können sich ab einer Summe von 15.000 Dollar zuzüglich fünf Prozent Agio am Fonds beteiligen.

          Schiffe nur bis maximal 2011 fest verchartert

          Anleger, die sich an dem Fonds beteiligen möchten gehen mehrere Risiken ein. Zum ersten das übliche unternehmerische Risiko, das vor allem darin zum Ausdruck kommt, daß die prognostizierten Charterraten nach Ablauf der Festcharterraten niedriger ausfallen können als prognostiziert. Die „Amber“ und die „Jasper“ sind für drei Jahre und die „Magnus F“ für fünf Jahre ab Ablieferung fest verchartert. Das bedeutet, daß ab 2009 bzw. 2011 die Charterraten neu verhandelt werden müssen. Zwar rechnet Owner-Ship mit bis 2014 um zehn Prozent sinkenden Raten - aber dies ist eben nur eine Prognose.

          Zum zweiten ist da das Wechselkursrisiko. Derzeit hält sich der Dollar stabil, aber viele Ökonomen prognostizieren schon länger eine deutliche Wechselkurskorrektur gegenüber dem Euro. Umgerechnet auf D-Mark-Basis steht der Dollar derzeit bei rund 1,60 Mark. Sein Tief hatte der Greenback aber historisch 1995 bei 1,38 Mark. Es ist also jedenfalls noch Luft.

          Im Grunde ist es auch bei dieser Version eines Garantiefonds wie bei allen Garantieprodukten. Sicherheit und volle Chancen gibt es nicht, kann es gar nicht geben. Ob die Kombination einer in Dollar laufenden, unternehmerischen Beteiligung mit ihren immanenten Schwankungsrisiken sinnvoll ist, muß jeder Anleger für sich entscheiden. Die Gefahr besteht, wie auch bei den meisten Garantie-Zertifikaten, daß am Ende die Sicherung so teuer bezahlt ist, daß sich das ganze Investment nicht gelohnt hat und das Geld vielleicht in per se risikoärmeren Anlageformen rentabler angelegte gewesen wäre. Und gegen dieses Anlagerisiko gibt es kaum eine wirksame Sicherung.

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