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Sachwerte : Kunst oder Aktie - was bringt mehr? Edle Ware

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Bild: F.A.Z.

Beben die Börsen, fliehen Anleger in Sachwerte: Kunst, Schmuck, sogar Musikinstrumente sind dann begehrt. Doch der Renditevergleich zeigt: Microsoft schlägt Gauguin.

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          Sollten Sie daheim einen echten Matisse oder Dalí hängen haben und nicht nur einen dieser Kunstdrucke aus dem Postershop, dann behalten Sie ihn. Freuen Sie sich, dass er ziemlich viel Geld wert sein dürfte. Versuchen Sie aber besser nicht, ihn zu verkaufen. Sollten Sie dagegen kein Gemälde eines internationalen Künstlers von Rang besitzen, weil Ihnen das nötige Kleingeld fehlt, grämen Sie sich nicht.

          Natürlich erzählen Auktionshäuser immer wieder von Versteigerungen, bei denen Bilder, Möbel oder Kunstgegenstände für eine Millionensumme den Besitzer wechseln. Man müsste selbst eines dieser Bilder haben, denken viele dann. Was aber kaum einer sagt: Zum Reichtum kommen die wenigsten Kunstbesitzer damit. Schon gar nicht zum schnellen. Ob Sie es glauben oder nicht: Mit gewöhnlichen Aktien machen Sie flotter ein Vermögen als mit ganz großer Kunst.

          Weniger als 2 Prozent Rendite

          Das klingt unglaublich, trifft aber selbst auf einige der spektakulärsten Verkäufe der vergangenen Jahre zu, hat Erwin Heri ermittelt, der Professor für Finanztheorie an der Universität Basel ist. Er hat aus aktuellen Schätz- oder Verkaufspreisen großer Werke wie Hodlers „Holzfäller“, Gauguins „Cavalier“ oder einem der ersten Steinway-Flügel von 1887 errechnet, welche Wertentwicklung die Stücke über die Jahre hingelegt haben.

          Gauguins „Cavalier devant la case”, 2001 für mehr als 7 Millionen Franken verkauft

          Das Ergebnis fällt selbst für das Hodler-Gemälde unspektakulär aus: Es wird zwar auf 20 Millionen Schweizer Franken taxiert, gemessen am Kaufpreis von 15.000 Franken - den das Bild schon im Jahr 1910 erzielte - ergibt das aber nur eine Rendite von 7,4 Prozent pro Jahr. Der Steinway-Flügel für 2,5 Millionen kommt sogar nur auf magere 3,8 Prozent Wertsteigerung. Durchschnittlich liegt die Rendite der Kunst bei 1,6 bis 5 Prozent pro Jahr, schätzen verschiedene Studien - ganz abhängig von der Kunstgattung.

          Aktien brachten mehr

          Hätten die Käufer dagegen nicht auf Kunst, sondern auf den Aktienmarkt gesetzt, hätten sie zwischen 6 und 9 Prozent jährlich in den vergangenen 100 Jahren erzielt. Aus einer Investition von 1000 Franken in die Aktien des europäischen Index Euro Stoxx wären 4,6 Millionen geworden, rechnet Heri vor.

          Auf lange Sicht bringen breit gestreute Aktieninvestments nämlich erheblich mehr als Kunstanlagen. Auch über kürzere Zeiträume konnten Anleger ihre Anteile vergolden: Wer 1986 beim Börsengang von Microsoft 1000 Aktien kaufte, hat 21.000 Dollar investiert. Heute - selbst nach mehreren Markteinbrüchen - ist das Paket 7,2 Millionen Dollar wert. Genauso viel wie der Gauguin. Der hat aber 100 statt 25 Jahre dafür gebraucht.

          Vieles ist unverkäuflich

          Dass man Gemälde, Schmuck und Antiquitäten trotzdem gern mit großem Wert verbindet, liegt daran, dass mit Vorliebe nur Rekordzahlen der Auktionen vermeldet werden. Natürlich gibt es immer mal wieder atemberaubende Preise, die für Einzelstücke gezahlt werden. So wie es in jedem Markt spektakuläre Ausreißer gibt.

          Von den zigtausend Bildern, die nur für kleines Geld den Besitzer wechseln, hört man dagegen nichts. Ebenso wenig von den Verkaufsversuchen, bei denen selbst Bilder von Weltrang nicht an den Mann gebracht werden können. So blieben im vergangenen Jahr ein Dalí und ein Munch bei den Auktionshäusern liegen. Unverkäuflich. Obwohl das Edvard-Munch-Gemälde alles andere als B-Ware ist und einen Schätzwert von 25 bis 35 Millionen hat. Das half dem Sammler, der es loswerden wollte, wenig.

          Nicht crash-resistent

          Trotzdem gilt die Kunst vielen als außerordentlich stabiles Investment - gerade weil ein realer Gegenstand dahintersteckt. Besonders wenn die Aktienmärkte mal wieder einen Crash erleben, schwenken viele Investoren daher auf Kunst um. Oder besser gesagt: Dann hoffen Vermögende gern darauf, dass die Kunstpreise vom Absturz verschont blieben.

          Tatsächlich erlebt der Kunstmarkt aber immer wieder herbe Einbrüche. Die frühen 90er Jahre etwa waren kein guter Zeitpunkt, um Gemälde zu verkaufen. Da hätten selbst ein Alter Meister oder ein französischer Impressionist nicht viel gebracht. 2009 krachte es auch heftig.

          Hohe Transaktionskosten

          Zudem ist das Risiko bei Kunstinvestments größer als bei Aktien. Denn das Problem ist, so warnt das australische Forscherduo Helen Higgs und Andrew Worthington: Sie sind so abhängig von Moden und Geschmack wie kein zweites. Nicht nur die Rubensfigur, auch der Maler selbst ist mal mehr „in“ und mal weniger. Zudem ist der Markt nicht liquide, weil wahre Sammler selten ihre Stücke verkaufen.

          Tun sie es doch, finden sich oft wenige Käufer, weil das Stück nicht jedem Geschmack und schon gar nicht jedem Geldbeutel entspricht. Zudem sind die Transaktionskosten horrend, weil wenige Verkäufer die Szene beherrschen: Bis zu 30 Prozent des Wertes muss man sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf den Auktionshäusern lassen. Dazu kommen Kosten für Verkaufsversuche, Versicherung und für den Erhalt. Da muss ein Stück viel einbringen, um das wieder wettzumachen.

          Einfach schöner

          Das passiert zwar immer wieder, denn gerade weil der Markt so zersplittert ist, neigt er zu Anomalien und Ausreißern. Doch wie soll man unter Millionen Kunstwerken ausgerechnet das eine finden, für das später Höchstpreise aufgerufen werden? Selbst Fachleuten fällt es schwer, das vorherzusagen.

          Das gibt selbst der einflussreichste Sammler der Gegenwart zu, Charles Saatchi: Wenn er fünf Bilder kaufe, mache er mit einem Profit, zwei gebe er zum Einkaufspreis wieder ab und mit zweien mache er Verluste. „Investieren in Kunst ist keine empfehlenswerte Form der Anlage“, schließt daraus Anlagestratege Joachim Klement von der UBS.

          Warum viele Anleger es trotzdem tun? Die Kunstkäufer rechnen nicht ein, welche Gewinne sie mit Aktien hätten erzielen können, sagen Ökonomen. Und sie bewerten Objekte, die sie selbst besitzen, höher als andere. Man kann sie ansehen, anfassen und sich jeden Tag darüber freuen.

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