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S-Dax : Nebenwerte-Fonds fristen ein Schattendasein

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Bild: FAZ.NET

Trotz hoher Renditen ist das Interesse am Mittelstand gering. Nur wenige Fondsgesellschaften engagieren sich in Nebenwerten, globale Produkte sind auch bei Anlegern wesentlich gefragter. Experten halten das Verhalten für typisch.

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          Nebenwerte sind ein Renner. Doch die Anleger machen um den deutschen Mittelstand, der an der Börse notiert ist, einen Bogen. Wer vor drei Jahren, kurz vor Ausbruch der internationalen Finanzkrise, in die Titel des Nebenwerte-Index S-Dax investierte, hätte trotz der zwischenzeitlichen Verwerfungen ein Plus von knapp 18 Prozent erzielt. Wer vor zwei Jahren, auf dem Tiefpunkt am deutschen Aktienmarkt, in die S-Dax-Werte eingestiegen wäre, hätte ein Plus von sogar mehr als 140 Prozent erzielt. Damit schlägt der deutsche Mittelstand die deutsche Großindustrie klar: Der Dax schaffte in den vergangenen drei Jahren ein Plus von knapp 10 Prozent und in den vergangenen zwei Jahren einen Anstieg von rund 95 Prozent.

          Obwohl deutsche Nebenwerte so gut abschneiden, bleibt die Auswahl an Aktienfonds, die in den Mittelstand investieren, gering. Selbst die sonst so agile ETF-Branche, die ansonsten auf die ausgefallensten Aktienindizes Produkte emittiert, lässt sich dieses Geschäft entgehen. Nur wenige Fondsgesellschaften haben noch deutsche Nebenwertefonds im Programm. Bei der Credit Suisse gibt es den CS EF (Lux) Small & Mid Cap Germany, der zuletzt ein Fondsvolumen von knapp 330 Millionen Euro auswies. Die Deutsche Bank ist hier mit einem kleineren Nebenwerte-Fonds der DWS und dem DB Platinum III Platow vertreten. Von Allianz Global Investors gibt es den Allianz RCM Nebenwerte DE mit einem Fondsvolumen von knapp 400 Millionen Euro.

          Zu den wenigen Fondsgesellschaften, die beherzt in Nebenwerten engagiert sind, zählt die Union Investment mit dem Uni Deutschland XS mit einem Fondsvolumen von rund 225 Millionen Euro. Auch der Altstar des deutschen Aktienmarktes, Dr. Jens Ehrhardt, ist dem Bereich treu geblieben. Er verwaltet den gut 160 Millionen Euro schweren UBAM Dr. Ehrhardt Germany Equity.

          „Nur eine Handvoll Anbieter“

          Zu den Fondsgesellschaften, die deutsche Nebenwerte weiter hochhalten, zählt die inhabergeführte Investmentgesellschaft Lupus Alpha in Frankfurt, die ursprünglich vor gut zehn Jahren sogar als Spezialist für deutsche Nebenwerte an den Start ging. Sie betreibt eine ganze Palette an Nebenwerte-Fonds, einen für Deutschland, einen für den Euroraum, für Gesamteuropa, für Gesamteuropa ohne Großbritannien und sogar einen Fonds für ganz kleine Börsenwerte, der in Mini-Aktien mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 150 Millionen Euro investiert. Ein Vermögen von insgesamt 7,3 Milliarden Euro betreut Lupus Alpha. Davon liegen 1,7 Milliarden Euro in diesen verschiedenen Nebenwertefonds.

          „Viele große Marktteilnehmer in Deutschland haben sich aus Nebenwerten komplett zurückgezogen“, sagt Peter Conzatti, Fondsmanager Small & Mid Caps bei Lupus Alpha. „Nur eine Handvoll kleinere Anbieter betreiben noch systematisch Research und Aktienhandel mit Nebenwerten.“ Doch dies hält Conzatti für typisch in Krisenzeiten auf den Kapitalmärkten. Da konzentriere sich das Aktiengeschäft regelmäßig auf die Standardwerte, die in den großen Aktienindizes wie den Dax gehandelt werden. Selbst die Titel aus dem M-Dax, der die Kursentwicklung mittelschwerer Aktien abbildet, wären vielen Investoren zu eng. „Das Problem ist in Krisenzeiten die mangelnde Liquidität im Handel von Nebenwerten“, sagt Conzatti. „Diese Segmente trocknen dann ganz schnell aus.“

          „Finanzmärkte sind nicht effizient“

          Für Ed Lugo, Spezialist für globale Nebenwerte bei der amerikanischen Fondsgesellschaft Franklin Templeton, stellt sich die Schwierigkeit von Nebenwerten ähnlich dar: „Laut Wirtschaftstheorie sind die Finanzmärkte effizient“, sagt er. „Doch was zumindest Nebenwerte angeht, sind sie es überhaupt nicht.“ Weder verhielten sich die Investoren so rational, wie sie es laut Theorie sollten. Noch spiegelten die Kurse stets den tatsächlichen Wert der Aktien.

          Dabei machen Nebenwerte-Fonds für den Anleger in Lugos Augen Sinn. „Die meisten unserer globalen Aktienfonds sind so groß, dass sie nicht sinnvoll in Nebenwerte investieren können.“ Der Aufwand zur Analyse und Bewertung der Titel sei zu hoch und die Aktienzahl, die der Fondsmanager bei einem Nebenwert überhaupt am Markt einsammeln könnte, viel zu gering. Dies führe dazu, dass viele institutionelle Anleger Nebenwerte gar nicht kaufen könnten, auch wenn sie wollten. „Diese Ineffizienzen können wir uns zunutze machen“, meint Lugo.

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