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Rückblick auf 2011 : Zweitschlechtestes Jahr für Hedgefonds

  • -Aktualisiert am

Ein schwieriges Jahr für Hedgefonds? Bild: F.A.Z.

Kaum eine Anlagestrategie versprach im vergangenen Jahr Gewinn. Mit Ausnahme von Fonds, die in Lateinamerika investierten, gab es keine Region, in der Hedgefonds mit Gewinnen abschlossen.

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          Wer im vergangenen Jahr Pech mit seinem Portfoliomanagement hatte, ist in guter Gesellschaft. Die Manager von Hedgefonds waren auch nicht viel besser dran. Es gibt kaum eine Anlagestrategie, die den Fonds Gewinne einspielte. Im Gegenteil: mit einem Branchenverlust von 4,16 Prozent entpuppte sich 2011 als das zweitschlechteste Jahr der Branche. Nur im Jahr 2008 hatten Hedgefonds ihre Kunden über noch höhere Verluste in den Portfolios aufklären müssen.

          Eine Aufstellung zeigt, dass es meist Verluste hagelte, gleichgültig welche Taktik Hedgefonds-Manager anwendeten: Long-Only Absolute Return Fonds schnitten mit einem Jahresverlust von 13,6 Prozent ab und Long/Short Fonds mit einem Verlust von 7,4 Prozent. Fondsmanager, deren Fonds sich auf Managed Futures, notleidende Anleihen und Kredite (distressed debt), Sondersituationen (Event Driven) oder volkswirtschaftliche Trends (Macro) spezialisierten, konnten ihre Verluste auf weniger als 5 Prozent begrenzen. Knapp positiv behaupteten sich Fonds, die an den Anleihemärkten tätig waren oder Arbitrage-Geschäfte ausübten.

          Größte Verluste im asiatischen Raum

          Mit Ausnahme von Fonds, die in Lateinamerika investierten, gab es keine Region, in der Hedgefonds mit Gewinnen abschlossen. Gemessen an den Eurekahedge-Indizes waren die Verluste am größten im asiatischen Raum (ohne Japan) mit einem Minus von knapp 13 Prozent und in Osteuropa sowie in Russland mit einem Jahresverlust von 20 Prozent. Die von Hedgefund Intelligence ermittelten Daten weitgehend amerikanischer Hedgefonds sehen ähnlich kläglich aus.

          Freilich gibt es immer wieder Fondsmanager, die offenbar wirklich kluge Strategien entwickeln und umsetzen, wie es an dem Erfolg der Pure Alpha Fonds von Bridgewater abzulesen ist. Sie beendeten das Jahr mit einem Plus von mehr als 15 Prozent. In der Branche wird allerdings auch berichtet, dass viele Fonds nur glimpflich abschnitten, weil sie die Hälfte ihres Anlagekapitals nicht einsetzten, sondern seit Mitte des Jahres liquide parkten. Nach Angaben von Hedgefund Intelligence soll der Hedgefonds King Street Capital Management zum Beispiel seit August 10 von 19,5 Milliarden Dollar an Liquidität vorgehalten haben.

          Für Investoren schwer zu überbrücken

          Auch für Hedgefonds-Manager ist die derzeitige Extremsituation mit der kontinuierlichen Notpolitik der Zentralbanken und hoher Unsicherheit an zahlreichen Märkten für Staatsanleihen ungewohnt. Zeiten, in denen die Finanzmärkte zudem keinem eindeutigen Trend folgen, sind für Investoren schwer zu überbrücken. Wie schwierig das Umfeld selbst für eingefleischte Fondsmanager ist, zeigt der unglückliche Verlauf der Hedgefonds von John Paulson.

          Sein Advantage Fund brach im vergangenen Jahr um mehr als 30 Prozent ein, der Advantage Plus Fund um 47 Prozent und sein International Fund um 9 Prozent. Sein Goldfonds warf einen Gewinn von 11 Prozent ab - aber auf die Idee von Goldanlagen sind auch andere schon gekommen.

          Im vergangenen Jahr wurden mehr als 1000 neue Hedgefonds aufgelegt, was allerdings wenig über ihren Erfolg aussagt. Im Gegenteil: Der nach Anlagekapital gewichtete Mizuho-Eurekahedge Index der einhundert größten Fonds zeigt mit einem Gewinn von 2 Prozent, dass die stärksten Fonds insgesamt auch besser abschneiden. Dies mag darauf zurückzuführen sein, dass große Fonds sich mehr Analysekapazitäten leisten können und eine größere Gruppe von Hedgefonds-Managern in gemeinsamer Diskussion zu einem möglicherweise ausgewogeneren und kritischeren Urteil der Finanzmärkte in der Lage sind.

          Auch können größere Fonds mehrere Strategien spielen als eine Handvoll Mitarbeiter, die mit ihrer eingeschlagenen Taktik entweder Glück oder Pech haben. Auch können größere Fonds zusätzliches Personal für die mittlerweile umfassenden bürokratischen Regulierungsarbeiten abstellen. Hunderte von Fonds schließen daher jedes Jahr lautlos und erfolglos ihre Tür. Dennoch ist die Branche mittlerweile auf ein Anlagekapital von 1,72 Billionen Dollar angewachsen - eine mächtige Anlagesumme in diesen unsicheren Börsenzeiten.

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