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Rohstoffzertifikate : Contango oder Backwardation - das ist die Frage

  • Aktualisiert am

Bild: Goldman Sachs

Strukturierte Rohstoffprodukte können den Anlegern das Leben leicht machen. Allerdings sollten sie bei der Auswahl die Details beachten. Die Rendite solcher Anlagen wird nicht nur durch den Rohstoffpreis allein bestimmt.

          3 Min.

          Der Rohstoffboom der vergangenen Monate zeigt sich in verschiedener Art. Am deutlichsten wird er mit Blick auf die Preischarts der verschiedenen Produkte, die teilweise steil nach oben zeigen. Auf der anderen Seite wird auch in den Medien häufiger über diesen Bereich berichtet, als das früher der Fall war.

          Nimmt man beides zusammen, so dürfte es kaum verwundern, daß sich die Anleger immer mehr für Rohstoffe als Anlageklasse interessieren. Zu deutlich scheinen sich die mittel- und langfristigen Trends nach oben begründen lassen und zu klar scheinen auch portfoliotheoretisch die Vorteile zu sein, die sie aufgrund ihrer negativen Korrelation mit traditionellen Vermögensgütern aufweisen.

          Strukturierte Rohstoffprodukte sollen den Anlegern das Leben leicht machen

          Hat man sich als Anleger einmal zur Investition in diesen Bereich entschieden, so stellt sich allerdings die Frage, wie man sie konkret umsetzt. Einerseits kann man auf die Aktien von Öl-, Minen- oder anderen Rohstoffunternehmen setzen. Allerdings spekuliert man auf diese Weise nicht nur auf die Preisentwicklung der Rohstoffe, sondern handelt sich auch das operative Risiko der jeweiligen Unternehmen ein. Aus diesem Grund kann sich etwa der Kursentwicklung eines Aluminiumunternehmens von der Preisentwicklung des Metalls selbst und dessen Korrelation mit anderen Anlageprodukten unterscheiden.

          Eine andere Möglichkeit ist die, Rohstoffe direkt zu kaufen und sie zu lagern. Das ist allerdings vielfach nicht nur teuer und kompliziert, sondern oft auch schlicht unmöglich. Uran beispielsweise läßt sich etwa im Gegensatz zu Gold oder Silber nicht einfach im Keller horten, obwohl die Kursaussichten gut sein mögen.

          So bleibt die Alternative, sich an den Terminmärkten zu engagieren. Aber auch das ist mit Blick auf die tägliche Neubewertung und die Zu- und Abbuchungen auf oder vom Marginkonto nicht jedermanns Sache. Zweitens sind die Kontrakte endlich und müssen aus diesem Grund immer wieder rechtzeitig in die Zukunft „gerollt“ werden, um eine physische Lieferung zu vermeiden. Sie müssen also sorgfältig überwacht werden.

          Solche Argumente haben zu einem zunehmenden Angebot an so genannten strukturierten Produkten geführt, die denselben Effekt bieten sollen - nur für den Anleger bequemer. Allerdings kommt es gelegentlich zu Irritationen, was die Performance dieser Produkte angeht, scheint sie sich doch nur bedingt an der Preisentwicklung der Rohstoffe selbst zu orientieren.

          Das läßt sich jedoch an der Renditeentwicklung der GSCI-Indizes erklären. Der so genannte „Spot Index“ bildet die Preisentwicklung der jeweils zum nächsten Zeitpunkt fällig werdenden Futures-Kontrakte ab. Er läßt sich allerdings als Basis für längerlaufende Finanzprodukte nicht darstellen, da die Futures rasch verfallen. Aus diesem Grund wurde der so genannte GSCI Excess Return Index kreiert. Er enthält neben der Preisperformance der jeweiligen Terminkontrakte auch die so genannte „Rollperformance“. Damit ist jener Preisunterschied gemeint, der zwischen dem verfallenden Future und dem nächst längeren Kontrakt besteht.

          Allerdings sollten die Details beachtet werden

          Ob dabei „Rollgewinne“ oder „Rollverluste“ erzielt werden, hängt von der „Preis-Terminkurve“ ab. Mit Contango wird eine Marktsituation beschrieben, in der die Terminkurse um so höher sind, je länger die Laufzeit ist. Der Kakaomarkt ist gegenwärtig ein typisches Beispiel. Bei einem Kakaozertifikat werden laufend „Rollverluste“ auftreten, wenn von einem Kontrakt in das nächste und damit teurere gewechselt werden muß. Bewegt sich der Kakaopreis nicht, dürften Zertifikate alleine aus diesem Grund leicht nach unten tendieren.

          Das Gegenteil gilt im Moment für den Kupfermarkt. Denn er befindet sich in der so genannten „Backwardation“. Das heißt, die Terminkurse liegen unter dem aktuellen Preis, der bei sofortiger Lieferung von Kupfer fällig wäre. Ein Kupferzertifikat wird aus diesem Grund auf dieser Basis „Rollgewinne“ erzielen, selbst wenn sich der Kupferpreis nicht bewegen sollte.

          Neben den Excess Return Indizes gibt es auch noch die Total Return Indizes. Sie zeichnen sich durch zusätzliche Zinserträge aus, die dann anfallen, wenn man die Terminkontrakte voll mit Kapital unterlegt, obwohl das nicht notwendig wäre. Ein Blick auf die Performance de GSCI-Indexfamilie in den vergangenen Jahren (siehe Chart) macht deutlich, daß ein wesentlicher Teil von der Zinsseite kommt und nicht von der Preisentwicklung der Rohstoffe an sich.

          Insgesamt wird klar, daß die Performance von Rohstoffzertifikaten aus drei Quellen stammt: Der reinen Preisentwicklung, der Rollperformance - die sich aus der Terminkurve ableitet - und der Zinsperformance. In diesem Sinne sind Märkte, die sich in einer „Backwardation“ befinden, deutlich interessanter als jene mit einem Contango.

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