https://www.faz.net/-gv6-pysd

Rohstoffe : Rohstoffstratege sieht nach vier Jahren Ende der Rally

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Der Rohstoffboom sorgte in den vergangenen Monaten auch an den Börsen für Furore. Nun gibt es allerdings Anzeichen für eine Ermüdung. Der unabhängige Analyst Daniel Chesler macht Anzeichen für einen möglichen „Scheitelpunkt“ aus.

          2 Min.

          Der Anstieg der Rohstoffpreise dürfte sich nach vier Jahren seinem Ende nähern, erwartet Daniel Chesler, der als unabhängiger Analyst Kursmuster am Markt untersucht, und damit erstmalig von einer Trendwende ausgeht.

          Chesler sieht drei Anzeichen, das der Gipfel bei den Rohstoffen erreicht ist: Der Goldman Sachs Commodity Index ist über das Hoch, das er im Oktober markiert hat, nicht hinausgekommen, der Goldpreis liegt unter dem 16-Jahres-Hoch vom Dezember, und der Dollar hat sich von seinem Rekordhoch gegenüber dem Euro erholt.

          Fakten deuten auf möglichen „Scheitelpunkt“ hin

          Alle drei Fakten zeigten, "daß wir am Scheitelpunkt angekommen sein dürften", sagte Chesler in einem Telefoninterview mit Bloomberg News. Als Orangensafthändler bei Lous Dreyfus Group prognostizierte Chesler im November eine Rally bei Orangensaft- und Baumwollpreisen korrekt, im Februar lag er mit einer Prognose fallender Zuckerpreise richtig.

          Bild: Bloomberg

          Das Wirtschaftswachstum in Asien und in den Vereinigten Staaten hat die Nachfrage nach Metallen und Brennstoffen angetrieben. Außerdem sind die Rohstoffe, deren Preise in Dollar festgelegt werden, durch den Kursverfall des Dollars im vergangenen Jahr für Käufer aus dem Währungsbereich von Euro und Yen billiger geworden.

          Sorgen macht Chesler unterschiedliche Bewegungen beim Goldman-Index, der 24 Rohstoffe abbildet, und beim Reuters-CRB- Index von 17 Rohstoffen, auch wenn einige Rohstoffe wie Öl oder Kupfer weiter im Preis steigen.

          Bei jeder Rohstoffrally seit dem Jahr 1999 ist der Total-Return-Index von Goldman vor dem CRB-Index auf ein neues Hoch geklettert, erläutert er. In diesem Jahr hat der CRB-Index jedoch die Nase vorn: Während der Goldman-Index nicht über sein Rekordhoch von 6469,24 Punkten am 26. Oktober hinauskam, erreichte der CRB am 16. März ein 24-Jahres-Hoch bei 322,42 Zählern.

          ... allerdings muß die „Wende“ noch nicht vollzogen sein

          "Erstmals seit 1999 hat der CRB ein neues Hoch erklommen und der Goldman Sachs nicht", so Chesler. Einem solchen "Führungswechsel" geht erfahrungsgemäß ein letzter Hoch- oder Tiefpunkt am Markt voraus, schrieb er am 28. März in einem Bericht an seine Kunden.

          Die Rohstoffpreise haben bereits den Rückzug angetreten. In der letzten Woche fiel der CRB um 3,9 Prozent, das ist der höchste Wochenverlust seit Juni 1994. Die Preise für Kakao, Kaffee, Silber, Weizen und Orangensaft sackten jeweils um mehr als fünf Prozent ab. Am Montag schloß der CRB-Index bei 307,36 Punkten. Der Goldman-Index fiel in der letzten Woche 2,7 Prozent, das ist der erste Rückgang seit sieben Wochen. Am Montag schloß der Index bei 6.249,29 Zählern.

          "Ich habe mich seit 2002 öffentlich optimistisch über Rohstoffe geäußert", erklärt Chesler und fügt hinzu, daß sein Bericht vom Montag der erste sei, in dem er eine mögliche Wende bei Rohstoffen anspreche. "Wir sagen nicht, daß der Höhepunkt schon erreicht ist", betont er. "Wir beobachten einige Anzeichen, die bei einem Höhepunkt erwartet werden können, aber es ist noch nicht entschieden. Für einen Höhepunkt bräuchten wir noch einige große Einbrüche auf breiter Front." Rohöl müßte in New York unter 40 Dollar je Barrel fallen, von derzeit 54 Dollar, und Kupfer von etwa 1,45 Dollar je Pfund auf unter 1,20 Dollar, führt er aus. Rohöl ist derzeit 52 Prozent teurer als vor einem Jahr, Kupfer liegt 7,9 Prozent im Plus.

          Der Goldpreis liegt nahe eines Sechswochentiefs, belastet durch eine Rally beim Dollar. Die amerikanische Währung hat sich von ihrem Rekordtief am 30. Dezember etwa sechs Prozent erholt. Für Auftrieb beim Dollar sorgen Signale der amerikanischen Notenbank Federal Reserve, daß sie die Zinsen weiter anheben wird, um die Inflation bei Wirtschaftswachstum im Zaum zu halten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Hessen, Königstein: Koordinierungshelferin Victoria Anschütz bereitet die Auswertung eines Corona-Schnelltests vor.

          Corona in Deutschland : Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 19,4

          Das Robert Koch-Institut hat seit dem Vortag 3539 Corona-Neuinfektionen registriert, das sind deutlich mehr als vor einer Woche. Über die geplante Abschaffung der kostenlosen Corona-Schnelltests wird erregt gestritten.
          Auch im Café am Neuen See in Berlin werden die Gäste gebeten, sich mit der Luca-App einzuchecken.

          Kontaktnachverfolgung : Luca hilft auch nicht immer

          Luca sollte die Arbeit der Gesundheitsämter enorm erleichtern. Jetzt ist die App fast überall in Deutschland im Einsatz. Aber es läuft oft nicht so, wie man sich das vorgestellt hatte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.