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Rohstoffe : Platin so teuer wie noch nie

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Stärker gefragt als angeboten: Platin Bild: dpa

Gold hat am Freitag den größten Sprung nach vorn innerhalb einer Woche seit 20 Monaten verzeichnet - doch Platin strahlt noch besser: Das Edelmetall ist so teuer wie noch nie. Tendenz steigend.

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          „Beim Platin nimmt die industrielle Nachfrage zu - und sie ist preisunelastisch. Das läßt der Preisentwicklung noch weiteren Spielraum.“ Diese Prognose wagte FAZ.NET/Investor im Februar dieses Jahres. Zu recht, wie sich zuletzt gezeigt hat. Denn dieses Edelmetall ist so teuer wie noch nie. Der Preis für die Unze Platin zur Lieferung im Januar ist um 6,50 Dollar auf 745,70 Dollar gestiegen.

          Zum Vergleich: Im Februar hatte die Unze noch mit rund 694 Dollar notiert. Und binnen Jahresfrist ist der Preis für die Unze Platin um 28 Prozent gestiegen, während der Deutsche Aktienindex sich lediglich um 15 Prozent verbessert hat. Anleger, die seinerzeit in Platin investiert hatten, sind in der Regel besser gefahren als mit vielen Aktien. Und derzeit sieht es nicht nach einem Rückschlag aus, schon gar nicht aus charttechnischer Sicht.

          Dollarschwäche und Nachfrage als Preistreiber

          Dem Edelmetall kommt ebenso wie Gold derzeit die Dollarschwäche zugute. Denn auch Platin wird in Dollar bezahlt - und für in Euro oder Pfung rechnende Anleger billiger, wenn die amerikanische Devise etwa gegenüber diesen beiden Währungen schwächelt. Und steigt die Nachfrage nach einem Gut, geht es gemeinhin auch mit dem Preis aufwärts. Zudem gelten Gold und Platin als „sichere Häfen“ und Anlage-Alternative bei unsicheren Aktienmärkten. Schon von dieser Warte aus gesehen, dürfte auch Platin auf Sicht weiter teurer werden. Denn es sind Prognosen im Umlauf, die eine fortgesetzte Abwertung des Dollars gegenüber Euro und japanischem Yen besagen.

          Außer mit dieser spekulativen Seite ist der Preisanstieg bei Platin auch mit handfesten Gründen verbunden. Die Nachfrage nach diesem Edelmetall ist anhaltend stark und dürfte weiter zunehmen, je besser die Konjunktur läuft. Zum einen verlangt die Schmuckindustrie nach Platin, zum zweiten benötigt die Automobilindustrie diesen Rohstoff. Platin findet sich in Katalysatoren wieder, die bei Otto-Motoren in vielen Ländern inzwischen Standard sind. Beide Industrien dürften ihren Blick und ihre Hoffnungen auch und gerade in den Fernen Osten lenken. Vor allem in China erfährt der Auto-Absatz wahre Sprünge, etwa Volkswagen soll eine Verdoppelung erwarten.

          Nicht zuletzt dürfte preistreibend wirken, daß Pläne besonders südafrikanischer Minengeselschaften wie Anglo American und Impala Platinum, die Platinproduktion auszuweiten und der Nachfrage gerecht zu werden, von der starken Wertentwicklung des Rand gegenüber dem Dollar untergraben werden. Die südafrikanische Währung notiert mit 6,90 Rand je Dollar nahe an ihrem Jahreshoch von 6,80 Rand. Binnen Jahresfrist hat der Rand im Vergleich zum Dollar um 31 Prozent an Wert gewonnen - entsprechend unter Druck geraten sind die Umsätze und Erträge der Minengesellschaften, weil sie weniger Rand je Dollar erhalten.

          Auch Aktien von Platinproduzenten im Höhenflug

          Gleichwohl weisen auch Aktienkurse solcher Unternehmen steigende Tendenz auf. Das Papier von Impala Platinum etwa ist binnen Jahresfrist um 28 Prozent gestiegen. Um fast 25 Prozent hat sich der Kurs von Anglo American verteuert. Stark ist ebenfalls die Kursentwicklung von Rohstoff-Fonds ausgefallen, die auch auf Platin setzen. So ist der Wert des World Mining Fund von Merrill Lynch seit Oktober vergangenen Jahres um rund 30 Prozent geklettert.

          Wer kein Platin erwerben will, kann also indirekt vom Höhenflug dieses Edelmetalls profitieren. Außer der mutmaßlich weiter anziehenden Nachfrage spricht auch die Charttechnik für Platin: Der Aufwärtstrend ist lupenrein. Allerdings ist nicht anzunehmen, daß der Platinpreis ewig weitersteigen wird - die Frage ist nur, wann ein Rückschlag kommt. Zu einer Entspannung könnte auf Dauer eine relativ sinkende physische Nachfrage durch die Autoindustrie führen. Ein erster Schritt dahin spiegelt sich in dem angekündigten Plan von General Motors wider, künftig wieder Katalysatoren aus Palladium zu bauen, was bisher als zu teuer galt.

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