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Rohstoffe : Platin-Rekordhoch geht an Platin-Aktien vorbei

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Platin hat zur Wochenmitte ein 24-Jahreshoch markiert, weil die Nachfrage aus Japan deutlich gestiegen ist. Auf die Kurse der Aktien von Platin-Produzenten färbt die Rally des Edelmetallpreises indes nicht mehr ab.

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          Platin war in den vergangenen 24 Jahren niemals so teuer wie zur Wochenmitte. Der Preis für die Unze dieses Edelmetalls zur sofortigen Lieferung kletterte in London am frühen Mittwoch nachmittag auf 912,50 Dollar und später sogar auf 913 Dollar. Als Grund machten Marktteilnehmer nach Angaben von Bloomberg News das Wirtschaftswachstum in Japan aus, das mit einer steigenden Nachfrage nach Platin einhergehe. Japanische Käufer erwerben gewöhnlich ein Fünftel der Platin-Jahresproduktion für die Verarbeitung in Katalysatoren und Schmuckstücken.

          Angesichts der eine weitere Expansion anzeigenden Wirtschaftsdaten aus Japan und einer leicht anziehenden Nachfrage von Autoproduzenten wird die Rally des Platinpreises als gut unterfüttert angesehen. Die charttechnische Lage spricht ohnehin für einen weiter steigenden Preis. Aktien von Platin-Produzenten können indes nicht mehr von der Rally beim Edelmetall profitieren. Teils im Dezember, teils im Januar haben sich die Wege getrennt, wie ein Blick auf die Kursentwicklung bei Impala Platinum und Anglo American Platinum zeigt. Im Vergleich zur Aktie von BHP Billiton ist die Schere zu Monatsbeginn auseinander gegangen. Ein wesentlicher Grund ist das Erstarken des südafrikanischen Rand, der für die Erlös- und Ertragslage dieser Unternehmen letztlich ausschlaggebend ist (Südafrikanischer Rand wieder im Aufwärtstrend).

          Fortsetzung der Rally grundsätzlich erwartet

          Die japanische Wirtschaft ist im vierten Quartal 2003 um 1,6 Prozent gewachsen und damit im höchsten Maße seit 13 Jahren, so Bloomberg. Ein Abbau der Lagerbestände signalisiere, daß Fabriken die Produktion hochführen, meinen Ökonomen wie Shuji Shirota von Dresdner Kleinwort Wasserstein nach Angaben der Agentur. Und: „Die Wachstumsdaten aus Japan haben die Preise steigen lassen“, wird Wolfgang Wrzesniok-Rossbach, Chef der für Edelmetallmärkte zuständigen Abteilung bei der Investmentbank, zitiert. Der Platinpreis werde zudem durch steigende Nachfrage bei Autoherstellern, die das Edelmetall für Katalysatoren brauchen, unterstützt.

          Wrzesniok-Rossbach hält demnach einen Preis von 950 Dollar je Unze in diesem Jahr für möglich. Das wäre ein Anstieg um vier Prozent von jetzigen Niveau aus gesehen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr hat sich Platin um 28 Prozent verteuert. Das heißt: Der Preisanstieg würde flacher. Doch grundsätzlich scheinen sich Marktteilnehmer und -beobachter einig über eine Fortsetzung der Platin-Rally. So geht auch der zweitgrößte Produzent Impala Platinum von einem hohen Preisniveau aus, da auch in diesem Jahr die Nachfrage das Angebot übertreffen werde, obwohl etwa Impala zuletzt über einen um 39 Prozent erhöhten Ausstoß auf 1.075 Millionen Unzen berichtet hatte.

          Doppelter Rekord gleicht Verluste durch Randanstieg nicht aus

          Trotz dieser Tatsache und des Anstiegs des Platinpreises hat Impala Platinum wie andere Produzenten aus Südafrika aber mit einem Druck auf die Erträge und die Erlöse zu kämpfen. Der Grund ist der Anstieg des Rand gegenüber dem Dollar, den Bloomberg auf 76 Prozent in den vergangenen beiden Jahren beziffert. Rekordproduktion und Rekordpreise in Dollar hätten nicht ausgereicht, um die Verluste durch den Randanstieg auszugleichen, berichtete Impala Platinum zuletzt. So sei der Umsatz je Unze in den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahrs um 24 Prozent von 9.353 Rand auf 7.095 Rand gesunken. Der Nettogewinn gab von 2,001 Milliarden Rand auf 1.068 Miliarden Rand nach - ein Minus von fast 47 Prozent.

          Gleichwohl hat sich die Aktie von Impala binnen Jahresfrist gut gemacht. Bisher steht ein Kursplus von 38,5 Prozent am deutschen Markt zu Buche, und den kurzfristigen Abwärtstrend hat der Titel überwunden. Doch von dem im Dezember markierten Rekordhoch von 80 Euro ist der Titel 15 Prozent entfernt. Sogar fast 41 Prozent müßte das Papier von Anglo American Platinum aufholen, um die ehedem erreichte Spitzenposition wiederzusehen. Dieser Titel ist mit einer Wertsteigerung von 14,1 Prozent binnen Jahresfrist sowohl hinter Impala als auch dem Platinpreis klar zurückgeblieben und hängt seit August in einer Spanne zwischen 30 und 39,10 Euro fest. Der jüngst berichtete Ergebniseinbruch von 42 Prozent ist gewiß keine gute Grundlage, den Kurs anzuschieben. Zumal der Rand derzeit wieder auf dem Vormarsch ist und die Margen verstärkt unter Druck bringt. Auch angesichts eines Kurs-Gewinn-Verhältnisses von 19,7 scheint Anglo Platinum im Vergleich zu Impala (KGV: 11,7) die schlechtere Wette zu sein.

          Schöne Kursgewinne mit Rohstoff-Fonds

          Wer nicht auf Einzelaktien setzen will, kann zu Investmentfonds greifen, die auch in Aktien von Platin-Produzenten investieren. Der auf Sicht von fünf Jahren und einem Jahr erfolgreichste Vertreter der Branche ist der World Mining Fund von Merrill Lynch (ISIN: LU0075056555), der sich in den vergangenen zwölf Monaten auf Euro-Basis um 63 Prozent und auf Dollarbasis um 90 Prozent verteuert hat. Auf Rang zwei folgt der Indexfonds DJ Stoxx SM 600 Basic Resources Ex (ISIN: DE0006344724) mit einem Plus von 50,2 Prozent vor dem Baring Global Resources-Fonds (ISIN: IE0000931182), der sich um 45,2 Prozent verbessert hat.

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