https://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/rohstoffe-oelpreis-steigt-auf-rekordstaende-1176132.html

Rohstoffe : Ölpreis steigt auf Rekordstände

  • Aktualisiert am
          3 Min.

          Die Entwicklung des Ölpreises gibt am Mittwoch wieder einmal zu reden. Denn er ist unter anderem auf Grund der Zunahme der Rohölimporte in Amerika bei gleichzeitigem Rückgang der Lagerbestände an Rohöl und Benzin auf neue Rekordstände gestiegen.

          Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September verteuerte sich in London an der International Petroleum Exchange um 2,62 Prozent auf 39,55 Dollar. In der Spitze stieg es bis auf 39,60 Dollar. Marktteilnehmer sehen in den am Mittwoch veröffentlichten Daten der amerikanischen Energieagentur EIA die Ursache für den kräftigen Preisanstieg. Der Ölpreis kletterte daraufhin an der Nymex sogar auf ein Allzeithoch von 43,05 Dollar je Barrel West Texas Intermediate Oil.

          Steigende Importe - geringe Lagerbestände in Amerika

          Der Import von Rohöl nach Amerika erreichte in der vergangenen Woche mit 11,3 Millionen Barrel täglich einen neuen Rekordstand, wie die EIA mitteilte. Dabei nahmen die Einfuhren um mehr als 1,2 Millionen Barrel täglich zu, wobei große Mengen aus Nigeria, Kanada und Mexiko importiert wurden. Nach Daten des American Petroleum Institute (API) verringerten sich die Lagerbestände an Rohöl in der Woche zum 23. Juli um 3,1 auf 298,7 Millionen Barrel. Die Bestände an Benzin schrumpften sogar um 3,3 auf 209,3 Millionen Barrel.

          Bild: Bloomberg

          Das ist allerdings längst nicht alles. Denn im Laufe des Tages hatte die chinesische Regierung mitgeteilt, der Ölbedarf des Landes werde im laufenden Jahr im Vergleich mit dem vergangenen Jahr um zwölf Prozent auf 285 Millionen Tonnen zunehmen. In der ersten Hälfte legte die Nachfrage um satte 37 Prozent zu. Das hängt einerseits mit dem starken Wachstum des Landes zusammen. Gleichzeitig wird ein Teil der Bevölkerung immer wohlhabender. Aus diesem Grund steigt nicht nur der Bedarf von Kraftwerken, sondern mit der zunehmenden Verbreitung von Autos nimmt auch die Nachfrage nach Benzin und Diesel rasant zu. Beides zusammen macht die zunehmende Nachfrage deutlich.

          Mögliche Friktionen beim Angebot

          Gleichzeitig dürfte zumindest spekulativ auch ein Sondereffekt eine Rolle spielen. Denn Gerichtsvollzieher haben dem angeschlagenen russischen Ölkonzern Yukos den weiteren Verkauf von Öl untersagt. Die Gerichtsvollzieher hätten Yukos angewiesen, über seine vier Fördergesellschaften kein Eigentum mehr zu veräußern, erklärte das russische Justizministerium am Mittwoch in Moskau. Yukos-Chef Steven Theede sagte, er gehe von einem Mißverständnis aus, weil ein Verkaufsstopp auch für die Gerichtsvollzieher keinen Sinn mache. Rußland fordert von Yukos Steuernachzahlungen von mehreren Milliarden Dollar.

          Unklar blieb zunächst, ob Yukos wegen des Verbotes die Lieferung sofort einstellen muß oder lediglich keine neuen Lieferverträge eingehen darf. Käme der Verkauf zum Erliegen, dürfte Yukos schnell zusammenbrechen. Der Konzern fördert pro Tag 1,7 Millionen Barrel Öl und damit mehr als der Opec-Staat Libyen. Etwa 20 Prozent des russischen Erdöls wird von Yukos bereitgestellt. Rußland selbst ist nach stetigem Wachstum in den vergangenen fünf Jahren nach Saudi-Arabien der zweitgrößte Erdöl-Exporteur. Yukos-Aktien verloren nach der Nachricht bis zu 20 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Mai des Jahres 2001, so daß der Handel der Papiere in Moskau für eine Stunde ausgesetzt wurde.

          Ölpreis im Aufwärtstrend

          Sollte die Erdöl-Förderung in Rußland wegen der Yukos-Krise hinter den Prognosen zurück bleiben, wird nach Einschätzung von Analysten der Druck auf die übrigen Erdöl-Produzenten zu einer höheren Förderung steigen. Die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec) hatte die tägliche Fördermenge bereits auf 25,5 Millionen Barrel erhöht und damit den höchsten Stand seit 1979 erreicht.

          Insgesamt wird einerseits die Dynamik in der Nachfrage nach dem „Schmiermittel der internationalen Wirtschaft“ deutlich. Auf der anderen die Friktionen, die die Steigerung des langfristig sowieso endlichen Angebots kurzfristig verhindern. Sollte der Ölpreis weiter steigen - der Trend zeigt entgegen vieler Prognosen weiterhin nach oben - wäre das schlecht für die konjunkturelle Entwicklung und damit indirekt für die Börsen. Über möglicherweise induzierte Preissteigerungen auch für die Rentenmärkte. Vor allem in jenen Ländern, die besonders stark von Ölimporten abhängig sind. Das dürfte unter anderem erklären, wieso die Wall Street am Mittwoch wieder nachgibt. Vor allem aber auch, wieso der Yen gegen den Dollar in die Defensive gerät. Denn Japan hängt stark am Öl.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wankt die islamische Republik? Eine Frau im traditionellen Tschador vor einem Wandbild in Teheran

          Proteste in Iran : Nach dem Straßenkampf die Streiks

          Die Ankündigung, die Sittenpolizei aufzulösen, ist wirkungslos verpufft. Es mehren sich die Zeichen, dass die Proteste einen Keil zwischen Mullahs und Revolutionswächter treiben könnten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.