https://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/rohstoffe-lage-beim-kaffee-preis-bleibt-angespannt-1228060.html

Rohstoffe : Lage beim Kaffee-Preis bleibt angespannt

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Nach einer längeren Phase der Ignoranz sind die Rohstoffe in den vergangenen Monaten als eigene Anlageklasse wieder in das Bewußtsein der Anleger zurückgekehrt. Das gilt nicht nur für die Bodenschätze, sondern auch für die so genannten Soft Commodities.

          Dazu zählt unter anderem der Kaffee. Der Terminkontrakt auf die Früchte, die zur Herstellung des koffeinhaltigen Getränks angebaut werden, hat vom November des Jahres 2001 bis zum März des laufenden Jahres 233 Prozent auf bis zu 139,5 Punkte zugelegt und lag am Freitag mit 125,55 Punkten nur wenig darunter. Damit kostete ein Kontrakt mit 37.500 Pfund Robusta in New York genau 47.081 Dollar oder 2,77 Dollar je Kilo.

          Steigender Kaffeepreis in Vietnam

          Damit scheint die International Coffee Organisation recht behalten zu haben, die schon länger steigende Preise prognostiziert hatte. „Die vorteilhaften Bedingungen dürften vorerst noch anhalten, zumindest bei der höherwertigen Sorte Arabica. Denn die Nachfrage sei angespannt, während gleichzeitig das Angebot in einigen Anbieterländern vergleichsweise gering sei,“ schrieb sie in einem Bericht zu Jahresbeginn.

          Bild: Bloomberg

          Bei der etwas minderwertigeren Sorte Robusta schien es dagegen zunächst nicht ganz so vorteilhaft auszusehen. Es deutete einiges auf ein Überangebot hin, welches auf die Preise drücken könnte, hieß es weiter. Allerdings könnte sich auch das ändern. An der Terminbörse in Tokio hat der Kaffeepreis für die Sorte Arabica am Montag um 4,03 Prozent auf 1,032 Millionen Yen je 3.450 Kilogramm oder 299 Yen je Kilo oder umgerechnet 2,79 Dollar je Kilogramm zugelegt. Der mittelfristige Trend zeigt weiterhin nach oben.

          Hintergrund sind Meldungen, nach denen einige lokale Exporteure in Vietnam ihre Lieferverpflichtungen nicht erfüllt haben. Händler rechnen mit weiteren Insolvenzen, wenn der Preis weiter steigen sollte. Sie resultieren aus der Tatsache, daß einige Exporteure versuchten, von den gestiegenen Weltmarktpreisen zu profitieren, indem sie die Waren per Termin verkauft haben. Das hat allerdings dazu geführt, daß die Lagerbestände vor der Ernte von Oktober bis Januar deutlich gefallen sind. Gleichzeitig dürfte die geerntete Menge um bis zu 14 Prozent unter jener des Vorjahres liegen. Beides zusammen führte zu steigenden Preisen im lokalen Handel auf ein Fünfjahreshoch und dazu, daß die Exporteure Verluste machen, wenn sie lokal kaufen um ihre Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Vietnam kontrolliert etwa die Hälfte des Weltmarktes in der Sorte Robusta.

          Gewisse spekulative Erhitzung des Marktes

          Das ist nicht alles. Denn auch indische Kaffeeanbauer beliefern Kontrakte nicht, die sie in London abgeschlossen haben. Es sei zwar nicht so, daß sie die Waren nicht hätten, sagen Experten. Sie versuchten allerdings, von den hohen Preisen bestmöglich zu profitieren.

          Damit wird zweierlei deutlich. Erstens gibt es tatsächlich gewisse Knappheitsanzeichen im Markt. Sie deuten darauf hin, daß der Preis nicht grundlos gestiegen sein könnte. Auf der anderen Seite sind Zeichen einer gewissen spekulativen Erhitzung des Marktes nicht von der Hand zu weisen. Manche Marktteilnehmer reden von einem „überkauften Markt“. Auf dieser Basis dürfte es ratsam sein, bestehende oder eventuell auch neu eingegangene Positionen unbedingt abzusichern.

          Langfristig dürften Soft-Commodities von der Phantasie profitieren können, daß das Wachstum in den Schwellenländern zu steigendem Wohlstand führt. Mit steigendem Wohlstand ändert sich das Konsumverhalten. Das wiederum kann dazu führen, daß die Nachfrage nach Kaffee und anderen nachwachsenden Rohstoffen deutlich zunimmt. Das Phänomen ließ sich zumindest beim wirtschaftlichen Aufstieg Japans beobachten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Twitter-Chef in Aufruhr : Musk geht auf Apple los

          Der neue Twitter-Eigentümer behauptet, der iPhone-Hersteller drohe mit einem Rauswurf aus dem App Store und schalte kaum noch Anzeigen. Musk suggeriert, Apple wolle Twitter zensieren – und fragt: „Hassen sie freie Meinungsäußerung in Amerika?“
          Kanzler Scholz zusammen mit der Integrationsbeauftragten Reem Alabali-Radovan (links) und Innenministerin Nancy Faeser am Montag in Berlin

          Einbürgerungsrecht : Der nächste Ampel-Zwist

          Der Streit über das Bürgergeld ist gerade beigelegt. Doch jetzt meldet die FDP Kritik an den Plänen von Innenministerin Faeser zur Einbürgerung an. Die Liberalen sind nicht grundsätzlich dagegen – vermissen aber einiges.

          Proteste in China : Jetzt demonstriert der Staat seine Macht

          Die Proteste gegen die Null-Covid-Politik werden in den chinesischen Medien ignoriert. Peking setzt auf Zensur und Einschüchterung. Wie die Lage sich entwickelt, ist noch nicht abzusehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.