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Rohstoffe : Gold arbeitet am Ausbruch zum Euro

  • Aktualisiert am

Goldbarren werden gegossen Bild: AP

Das Gold befindet sich gegen den Dollar im Aufwärtstrend, bewegte sich aber gegen den Euro weitgehend seitwärts. Nun arbeitet es auch hier am Ausbruch. Es ist eine der wenigen „Währungen“, die nicht auf Kreditwürdigkeit beruhen.

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          Die Rohstoffe sorgten auf Grund der zum Teil deutliche steigenden Preise in den vergangenen Monaten für Furore. Das gilt nicht nur für das Öl, sondern auch für Gas, Erze und zum Teil auch für die so genannten „Soft Commodities“.

          So kommt es, daß die Entwicklung beim Gold etwas in den Hintergrund getreten ist. Dabei zeigt der Preis des Edelmetalls nicht nur gegen den Dollar im mittelfristigen Trend nach oben. Sondern in den vergangenen Wochen zeigte es auch gegen den Euro Auftrieb und macht sich an den Ausbruch nach oben, nachdem es gegen die europäische Einheitswährung lange Zeit nur seitwärts gelaufen war.

          Schwächerer Euro - starkers Gold

          Dafür dürfte in erster Linie der relativ starke Euro verantwortlich gewesen sein. Er führte bisher dazu, daß das Gold für Europäer nicht teurer wurde, obwohl der Preis in Dollar stieg. Nun macht sich allerdings die jüngste Korrektur der europäischen Einheitswährung bemerkbar. Sie wurde ausgelöst durch die veränderte Wahrnehmung der mit der Währung verbundenen Chancen und Risiken. Das Scheitern der EU-Verfassung und auch die Spekulation auf mögliche Zinssenkungen in Europa haben sie weniger attraktiv gemacht.

          Bild: Bloomberg

          Das kann allerdings eher ein kurzfristiges Phänomen sein. Denn langfristig dürfte die Währungsentwicklung von anderen Faktoren abhängen als alleine von der kurzfristigen Stimmung, nominellen Zinsdifferenzen oder angeblichen Wachstums- und Produktivitätsvorteilen. Auch die Geldmenge, die reale Preisentwicklung und makroökonomische Relationen spielen eine Rolle.

          In den vergangenen Monaten hat die Sorge über eine anhaltende Disinflation die Rentenmärkte zumindest in Europa auf Rekordkurse gebracht. Händler und Anleger schienen und scheinen sich an den offiziellen Preisindizes zu orientieren. Aber auch das dürfte eine ziemlich einseitige Betrachtungsweise sein. Denn außerhalb der Indizes gibt es weite Bereiche, in denen die Preise zum Teil deutlich steigen. Man denke nur an die Rohstoffe, an die Immobiliepreise in weiten Teilen der Welt. Selbst hoch bewertet Aktien und Anleihen können ein Inflationsindiz sein. Immerhin liegt das Kurs-Gewinnverhältnis (KGV) der im S&P 500 enthaltenen Unternehmen bei knapp 20 und damit über dem langjährigen Durchschnitt von 17. Gleichzeitig sind zehnjährige Anleihen in Amerika und Europa mit KGVs von 24,3 und gar 31,4 massiv überbewertet.

          Gold - die einzige „Währung“, die nicht auf Kreditwürdigkeit beruht

          Das heißt, das Verhältnis zwischen nomineller Nachfrage und dem Angebot scheint in manchen Bereichen aus dem Ruder gelaufen zu sein. Dafür sind unter anderem die Notenbanken verantwortlich, die schlicht und einfach zuviel Geld drucken. Vor allem die amerikanische. Denn die Kaufkraft des Dollars hat sich in den vergangenen 100 Jahren deutlich reduziert. Gerade in den vergangenen Jahren hat sie die Geldpresse auf Hochdruck laufen lassen. Andere Notenbanken standen dem kaum nach. Selbst in Europa ist die Geldversorgung überaus üppig, was sich an den rekordtiefen Zinsen zeigt. Sie nützen allerdings nichts, da sich die Volkswirtschaften in strukturellen Schwierigkeiten - sprich: es gibt global ein Überangebot an Arbeitskräften - und Schuldenproblemen stecken.

          Auf der anderen Seite haben Handelsungleichgewichte zu einer massiven Anhäufung von Dollarreserven in Asien geführt. Sie wurden lange Zeit in amerikanische Wertpapiere „recycelt“. Allerdings deuten die jüngsten Kapitalflußdaten auf einen geringeren Appetit der internationalen Anleger auf amerikanische Werte hin. Sollte sich daraus ein Trend entwickeln, stellt sich die Frage, wohin die Liquidität angesichts der hohen Bewertungen weltweit fließen würde. Ein Ausweg können Edelmetalle zu sein. Immerhin liegt der Goldpreis gerechnet in Dollars des Jahres 1980 bei gerade einmal bei etwa 175 Dollar und ist damit sehr günstig. Das kann sehr verlockend sein für Anleger, die das Vertrauen in gedrucktes Papier verlieren. Im Gegensatz dazu beruht der Wert des Goldes nicht auf der Kreditwürdigkeit eines anderen, sondern allein auf der natürlichen Knappheit.

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