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Rohstoffe : Der Kakao-Preis läuft, von Unruhen getrieben, nach oben

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Kakao wird in diesen Tagen sprunghaft teurer - wegen der Kämpfe in der Elfenbeinküste. Allerdings haben politisch motivierte Börsen gemeinhin kurze Beine. Dessen ungeachtet ist Kakao stark schwankungsanfällig.

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          Die neu aufgeflammten Kämpfe in der Elfenbeinküste haben auch für europäische Verbraucher spürbare Folgen: Das westafrikanische Land ist mit einem Anteil von 43 Prozent am Weltmarkt die Nummer eins im Kakaogeschäft und hat damit starken Einfluß auf die Weltmarktpreise. In New York schnellte der Preis für den aromatischen Schoko-Rohstoff am Warenterminmarkt vergangene Woche um elf Prozent in die Höhe. Am Freitag stieg Kakao zur Dezemberauslieferung um 65 Dollar oder 4,15 Prozent auf 1.633 Dollar je Tonne.

          Und am Montag erlebte Kakao sogar den größten Preissprung innerhalb eines Tages seit mehr als fünf Jahren. Es ging um zwölf Prozent nach oben auf 1.895 Dollar. Ein Abwärtstrend ist vorerst kaum in Sicht. Vielmehr deutet alles auf ein Anziehen der Schokoladen-Preise hin.

          Kämpfe könnten Ernte und Transport zu Häfen beeinträchtigen

          Die Vereinten Nationen befürchten, daß anhaltende Kämpfe die Bauern bei der Ernte beeinträchtigen und wichtige Transportwege zu den Häfen des Landes unterbrechen könnten. Hinzu kommt: Viele Farmarbeiter, die ursprünglich aus den Nachbarländern Burkina Faso und Mali stammten, wurdendurch offene Ausländerfeindlichkeit von den Plantagen vertrieben.

          „Geht es dem Kakao gut, geht alles gut“, heißt ein Sprichwort an der Elfenbeinküste, die zu guten Zeiten mehr als 1,3 Millionen Tonnen Kakaobohnen exportierte. Im Klartext: Wer den Kakao kontrolliert, hat das Sagen in der Elfenbeinküste. Im feuchtwarmen Klima gedeihen Kakao und Kaffee, aber auch Baumwolle und Zuckerrohr hervorragend. Das Handelsvolumen mit ivorischem Kakao an den Börsen von New York und London wird im Schnitt auf 21 Milliarden Dollar geschätzt. Das Land steht für 40 Prozent der weltweiten Kakao-Produktion.

          Im Bestreben, den wichtigen Kakao-Handel nach dem Bürgerkrieg im Lande wieder anzukurbeln, öffnete Präsident Laurent Gbagbo die Wirtschaft für amerikanische Konzerne wie Cargill und AMark, während sich die französisch-multinationale Gruppe Bolloré zurückzog. Beobachter machten das an den zunehmenden Problemen fest, die vor allem französische Unternehmen nun in Abidjan erleben. Auf internationalen Druck hatte die Regierung 1999 begonnen, den Kakaomarkt zu liberalisieren.

          Noch läuft der Export - Nestlé hat sich Preise langfristig gesichert

          Die im Sinne der Marktwirtschaft an sich richtige Schritt tritt jedoch angesichts der Kämpfe in den Hintergrund. Und Besserung scheint nach Einschätzung von Beobachtern nicht in Sicht zu sein. „Die Gewalt hat die Unruhen, die es zuvor gab, nur verschlimmert“, sagte Robert Zehnder, Generalsekretär der European Cocoa Assiciation, zu Bloomberg News. Plantagenbesitzer inszenierten nach seinen Worten in den vergangenen Wochen Streiks, um gegen die von der Regierung festgesetzten niedrigen Kakao-Preise zu demonstrieren.

          Nach Angaben der in Hongkong ansässigen Firma Noble Group, die Kakao verschifft, herrscht in der Elfenbeinküste große Unsicherheit. Mit viel Glück und gutem Management werde Noble aber den Export von Kakao weiter gewährleisten können. Auch der weltgrößte Nahrungsmittelhersteller Nestlé bestätigte, daß Ausfuhren des Rohstoffs weiterliefen. Nestlé hat sich indes angesichts der unkalkulierbaren Exporttätigkeit der Elfenbeinküste und der steigenden Notierungen schon Kakao zu bestimmten Preisen bis ins nächste Jahr hinein gesichert, so Bloomberg weiter.

          Derzeit spricht der Schwung der Kursbewegung im Verein mit der Unsicherheit für weiter steigende Preise. Und: Durch die jüngsten Preissprünge ist der Kakao-Preis, den das Endlos-Zertifikat von ABN Amro (WKN: ABN0CF) widerspiegelt, aus dem seit Anfang August aufgebauten kurzfristigen Abwärtstrend gelaufen. Es kann aber nicht übersehen werden, daß er von seinem Jahrhoch noch deutlich entfernt ist. Das Jahreshoch des Zertifikats steht bei 14,29 Euro, aktuell kostet es 13,23 Euro. Und die aktuelle Preistreiberei ist nicht auf fundamentale Gründe wie schlechte Ernteerträge zurückzuführen, sondern im weitesten Sinne politisch verursacht. Wenn sich Lage nachhaltig beruhigt, sollte dies den Kakao-Preis wieder sinken lassen. Nur: Wann das der Fall sein wird, kann nur die Zukunft zeigen. So oder so müssen sich Anleger, die auf Kakao wetten wollen, bewußt sein, ein stark schwankungsanfälliges Investment zu erwerben.

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