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Rohstoffe : Der Goldchart hat seinen Glanz verloren

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Bei den Rohstoffen haben die Anleger die Hebel neuerdings von Kaufen auf Verkaufen umgestellt. Dieser Sinneswandel trifft auch die Preise der Edelmetalle. Der Goldpreis hat dabei sogar schon ein Doppeltop ausgebildet.

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          Die Hausse bei den Rohstoffpreisen hat in den vergangenen Wochen einen gewaltigen Dämpfer erhalten. Rohstoffe wie Nickel, Kupfer, Platin & Co., deren Preise lange Zeit nur noch den Weg nach oben kannten, knicken nämlich plötzlich ein.

          Viele der Anleger, die erst kürzlich auf den Zug aufgesprungen sind, sitzen dadurch statt auf den erhofften sagenhaften Gewinnen bereits auf stattlichen Verlusten. Und wer dabei auf Rohstoff-Aktien gesetzt hat, steht in den meisten Fällen sogar noch etwas schlechter da.

          Doppeltop beim Goldpreis eine große Gefahr

          Sehr gut verdeutlichen läßt sich das Ausmaß der Korrektur auch anhand der Edelmetalle. So ist der Silberpreis von einem Hoch bei 8,27 Dollar je Feinunze seit 5. April bis auf 5,55 Dollar eingebrochen.

          Richtig viel Porzellan ist charttechnisch gesehen inzwischen auch beim Gold zerschlagen worden. Nachdem hier Anfang April mit 427,25 Dollar je Feinunze der höchste Stand seit September 1998 erklommen wurde, mußten hier am Donnerstag zum Fixing in London nur noch Preise von 382,75 Dollar gezahlt werden.

          Durch die Unterschreitung der wichtigen Unterstützungszone bei 390 Dollar hat der Goldchart nun endgültig ein Doppeltop ausgebildet. Charttechnisch betrachtet ist das ein sehr bedrohliches Signal, da es als Vorbote für noch stärkere Verluste interpretiert werden müßte. Rein rechnerisch ergibt sich daraus ein erstes Abwärtspotential bis in den Bereich von 350 Dollar.

          Plötzlich werden die Risiken höher bewertet als die Chancen

          Die Dynamik der jüngsten Abwärtsbewegung spricht dabei jedenfalls dafür, daß sich der Goldpreis zumindest nicht gleich kurzfristig wieder spürbar erholen kann. Händler berichten jedenfalls von einem regelrechten Ausverkauf und einem spürbaren Stimmungsumschwung unter den Anlegern zu Lasten des Edelmetalls.

          Fundamental wird zur Begründung für den Preisrückgang auf die Angst vor einer künftig deutlich langsamer wachsenden chinesischen Wirtschaft verwiesen, nachdem die dortigen Regierung seit Wochen über die Notwendigkeit spricht, die konjunkturellen Überhitzungserscheinungen bekämpfen zu müssen. Dies ist für die Rohstoffe deshalb verhängnisvoll, weil der zuvor gesehene starke Preisanstieg stets mit der über Jahre hinweg stark erwarteten Nachfrage aus China begründet wurde.

          Als Belastungsfaktor erweist sich zudem der wieder steigende Dollar, da dies den Kauf von Gold aus Sicht von Abnehmern außerhalb des Dollar-Raumes teurer macht. Hinzu kommt die Furcht vor steigenden Zinsen in Amerika, da dies die unverzinsten Anlagen in Gold relativ betrachtet in einem ungünstigeren Licht erscheinen läßt.

          Vor Neupositionierungen erst ein Ende der Korrektur abwarten

          Objektiv betrachtet scheinen die Akteure an den Rohstoffmärkten derzeit in beide Richtungen zu Übertreibungen zu neigen. So wie es vorher überzogen war, nur die Chancen zu preisen, dürfte es jetzt falsch sein, die Zukunft nur schwarz zu sehen. Die Nachfrage aus China dürfte jedenfalls nicht abrupt abbrechen, sondern dazu beitragen, die Verhältnisse an den Rohstoffmärkten langfristig nachhaltig zu verändern. Einige Händler halten das gegenwärtige Preisniveau nach der jüngsten Korrektur bei einigen Rohstoffen wie etwa dem Gold vermutlich auch deshalb bereits jetzt wieder für eine gute Einstiegsgelegenheit.

          Wer auf Nummer sicher gehen will, wartet am besten aber erst einmal ab, auf welchen Niveau der Goldpreis den Versuch einer Bodenbildung angeht. Wenn die jetzt zu beobachtenden Verkäufe von spekulativen Marktteilnehmern wie Hedge Fonds verarbeitet sind, wird sich zeigen müssen, mit welchem Preisniveau sich das gegenwärtige fundamentale Umfeld tatsächlich verträgt. Doch bis sich dabei Klarheit herauskristallisiert, dürfte noch einige Zeit vergehen, so daß aktuell kein akuter Handlungsbedarf besteht.

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