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Risiken bei Aktienfonds : Anleger verlassen Schwellenländer

  • -Aktualisiert am

Gebremster Aufschwung: China (im Bild Hongkong) leidet unter hohen Mittelabflüssen Bild: AFP

Viele Fonds verzeichneten im September hohe Mittelabflüsse. Inflationsdruck und die Furcht vor einem Konjunktureinbruch trafen insbesondere den chinesischen Markt.

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          Internationale Anleger haben sich stark aus Schwellenländern zurückgezogen. Dies geht aus aktuellen Daten des Fondsanalysehauses Morningstar hervor. So verloren Rentenfonds, die auf Schwellenländer spezialisiert sind, im September rund 3,3 Milliarden Dollar. Auch viele Aktienfonds haben zum Teil hohe Netto-Mittelabflüsse verzeichnet. So zogen die Anleger aus Aktienfonds, die auf Asien außerhalb Japans spezialisiert sind, im September rund 1,4 Milliarden Euro ab. Damit summierten sich die Mittelabflüsse für diese Fondsgattung in den ersten neun Monaten des Jahres auf mehr als 13 Milliarden Dollar.

          Die höheren Risiken in Schwellenländern verschreckten viele Anleger. „Die Anlegerstimmung im September schwankte dramatisch zwischen Hoffnung und Verzweiflung“, hieß es bei der Fondsgesellschaft Craton. „Insgesamt überwog jedoch Verzweiflung, da die politische Reaktion auf die europäische Schuldenkrise nach Meinung der Märkte den notwendigen Maßnahmen hinterher hinkte.“ Vor allem der Inflationsdruck und die Furcht vor einem Konjunktureinbruch in China haben zu den Mittelabflüssen geführt. Die Unsicherheit über den Ausgang der europäischen Schuldenkrise hat zudem dazu beigetragen, dass viele Investoren versuchten, Risiken abzubauen.

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          Gleichzeitig ziehen die Investoren jedoch nicht gleichmäßig ihr Kapital aus Schwellenländern ab, sondern differenzieren stark nach Anlagegattung. So waren die Abflüsse aus dem chinesischen Aktienmarkt mit 1,5 Milliarden Dollar im September besonders stark, während in Aktienfonds, die auf Thailand spezialisiert sind, gleichzeitig mehr als 200 Millionen Dollar netto neu angelegt worden sind. Zu den Ländern, die besonders stark unter Mittelabflüssen litten, zählen Brasilien mit einem Minus von 126 Millionen Dollar im September und Indien mit einem Minus von 422 Millionen Dollar. Insgesamt flossen aus Brasilien in diesem Jahr knapp 2 Milliarden Dollar ab und aus Indien mehr als 2,5 Milliarden Dollar.

          Attraktive Schwellenländer

          In der Zwischenzeit hat sich das Bild in den Schwellenländern offenbar etwas aufgehellt. „Im Oktober waren Investoren etwas risikofreudiger, was sicherlich an der erreichten Vereinbarung vom Euro-Gipfel zusammenhängt“, heißt es bei der britischen Fondsgesellschaft Barings. „Auch erfüllten die gemeldeten Ergebnisse wichtiger Unternehmen die Erwartungen.“

          Auch David Shairp, Leiter der Anlagestrategie bei JP Morgan Asset Management, macht einige positive Aspekte aus. So befinde sich die Weltwirtschaft zwar in einem „stagflationären Umfeld“. Eine Stagflation ist durch eine stagnierende Wirtschaftsleistung bei gleichzeitig anziehender Inflation gekennzeichnet. Doch gleichzeitig hat auch Shairp die Hoffnung, dass China eine weiche Landung gelingt. Das würde bedeuten, dass die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums so sanft verläuft, dass ein abrupter Einbruch in der Konjunktur abgewendet wird. „Das Wirtschaftswachstum geht zurück, während die Inflation ihren Höhepunkt überschritten hat“, beschrieb Shairp kürzlich auf einer Veranstaltung in London die Lage der chinesischen Wirtschaft.

          Nun machen Experten in den Fondsgesellschaften schon wieder Stimmung für Schwellenländer. „Wir halten Engagements in den schneller wachsenden Märkten in Asien und allgemein Schwellenländern für attraktiv“, meint Mark Burgess, Leiter der Anlagestrategie bei der Londoner Fondsgesellschaft. „Viele Gesellschaften, die in diesen Märkten aktiv sind, haben im dritten Quartal schlecht abgeschnitten, aber wir erwarten eine bessere Entwicklung.“ Die Lage in den Schwellenländern werde sich allmählich aufhellen.

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