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Rentenversicherung : Die Rentabilität der gesetzlichen Rente läßt zu wünschen übrig

  • -Aktualisiert am

Die gesetzliche Rente sorgt im Alter für wenig Freude Bild: dpa

Die gesetzliche Rente lohnte aus Anlegersicht noch nie. Das Alterseinkünftegesetz sorgt für eine noch geringere Verzinsung. Versorgungswerke bieten höhere Renditen.

          4 Min.

          Die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) bleibt für Millionen Arbeitnehmer die Grundlage der Altersversorgung in Deutschland. Daran hat sich durch das Alterseinkünftegesetz, das seit dem 1. Januar dieses Jahres in Kraft ist, nichts geändert. Früher war die GRV die erste Säule, heute bildet sie die erste Schicht, weil der Gesetzgeber das Fundament der Altersversorgung um die Basisrente oder Rürup-Rente erweitert hat.

          Die Ergänzung wird von Kritikern als Beleg dafür angesehen, daß die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung in Zukunft weiter sinken werden. Schon heute ist die gesetzliche Rentenversicherung für junge Leute eine heikle Angelegenheit, weil zwischen Einzahlungen und Rückflüssen erhebliche Lücken klaffen.

          192.000 = 270.000 ?

          Das durchschnittliche Jahreseinkommen beträgt 2005 etwa 30.000 Euro. Das sind 2.500 Euro pro Monat. Von diesem Betrag fließen knapp 20 Prozent in die Rentenkasse, wobei Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils die Hälfte bezahlen. Wenn die Beiträge in Zukunft gleich hoch bleiben, würden beide Seiten bei der maximalen Beitragszahlungsdauer von 45 Jahren insgesamt 540 Raten von jeweils 500 Euro an die Rentenanstalten überweisen, in der Summe ergäbe dies also 270.000 Euro.

          Bild: F.A.Z.

          Dafür winkt vom 65. Geburtstag an die lebenslange Rente. Wenn der Bezieher beispielsweise 85 Jahre alt werden sollte, wird er folglich 240 Raten monatlich erhalten. Durch die Rentenreform des vergangenen Jahres werden die Bezüge in 45 Jahren allerdings nur noch 43 Prozent des Einkommens betragen. Das sind auf dem Papier fast 1.100 Euro, doch in Wirklichkeit gilt beim Bezug der Renten das Durchschnittseinkommen nach Abzug der Sozialabgaben, und diese Abgaben drücken die Altersrente auf ungefähr 800 Euro pro Monat. Das sind bei einer Versorgungsdauer von 15 Jahren insgesamt 192.000 Euro.

          Leibeigene der Rentenkassen

          Die Gegenüberstellung aller Beiträge (270.000 Euro) und sämtlicher Renten (192.000 Euro) zeigt, daß die gesetzliche Rentenversicherung ein fragwürdiges Geschäft ist. Die jährliche Rendite der Zahlungsreihe beträgt minus 1,1 Prozent. Wird der Arbeitgeberanteil gestrichen, steigt die Verzinsung aus Sicht des Anlegers auf plus 1,1 Prozent pro Jahr. Die beiden Werte sollten nicht zu der Aussage verleiten, daß die staatliche Rente ein Geldverlust sei, weil in dem Vertrag weitere Leistungen wie Bezüge bei Erwerbsunfähigkeit und Witwen- und Waisenrenten enthalten sind. Umgekehrt sollten Politiker und Lobbyisten aber auch mit ihrer Aussage vorsichtig sein, daß die Renten hoch und stabil seien. Sicher ist bestenfalls die Unsicherheit.

          Wenn die 540 Einzahlungen à 500 Euro jährlich wenigstens mit einem Prozent verzinst werden, müßten jedem Rentner nicht 800 Euro monatlich, sondern fast 1.600 Euro zufließen, und bei einer Verzinsung von zwei Prozent würde die Rente sogar auf 2.200 Euro steigen. Leider sind und bleiben diese Zahlen für Arbeiter und Angestellte allerdings ein unerreichbarer Traum. Sie sind Leibeigene der staatlichen Rentenkassen und haben keine Möglichkeit, diesem Frondienst zu entrinnen. Die Perspektiven werden allerdings durch das Alterseinkünftegesetz etwas aufgehellt.

          Steuervorteil erhöht Rendite

          In Zukunft werden die Ausgaben für die gesetzliche Rentenversicherung wie Werbungskosten von der Einkommensteuer absetzbar sein. Der Höchstbetrag pro Person liegt bei 20.000 Euro pro Jahr, und in diesem Jahr können 60 Prozent, also 12.000 Euro, steuerlich geltend gemacht werden. In diesem Betrag sind aber auch die Zahlungen des Arbeitgebers berücksichtigt. Der Satz wird jedes Jahr um 20 Basispunkte angehoben, so daß 20.000 Euro erstmals im Jahr 2025 wieder in voller Höhe zum Ansatz kommen werden. Im Gegenzug müssen vom Jahr 2040 an die Bezüge der gesetzlichen Rentenkassen in voller Höhe versteuert werden.

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