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Rentenmarkt : Duration - Hebeleffekt der Anleihen

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Bild: FAZ.NET

Mit festverzinslichen Zinspapieren ließ sich in den vergangenen Jahren bei sinkenden Zinsen gutes Geld verdienen. Papiere mit langen Laufzeiten verbuchten nette Kursgewinne. Irgendwann kann's aber in die andere Richtung gehen.

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          Neben den Rohstoffpreisen sorgte in den vergangenen Monaten die Entwicklung an den internationalen Rentenmärkten für Furore und auch für Verblüffung. Denn sie markierten trotz aller Unkenrufe ein Rekordhoch nach dem anderen.

          In Zusammenhang mit den Bombenanschlägen in London am Donnerstag ist der Bund-Future sogar auf ein neues Rekordhoch von 124,06 Prozent im Tagesverlauf geklettert. Der Trend zeigt weiterhin nach oben. Auch in Amerika halten sich die Rentenpapiere auf einem rekordhohen Niveau, obwohl die Zentralbank den Leitzins seit Juli des vergangenen Jahres in bisher neun Schritten von einem Rekordtief von zwei Prozent auf zuletzt 3,25 Prozent angehoben hat.

          Vielfältige Begründungen für tiefe Zinsinveaus

          Das Phänomen gilt manchen als Rätsel, andere finden alle möglichen Begründungen. Sie reichen von interventionistischen Wertpapierkäufen durch asiatische Zentralbanken, über eine zu große globale Geldmenge, die die Vermögenspreise künstlich nach oben treiben könnte bis hin zu deflationären Argumenten. Die Güter, die aus Asien nach Europa und Amerika eingeführt werden, seien günstig und brächten oder hielten die Preise in den Industriestaaten unter Druck. Das führe dazu, daß Arbeitnehmer kaum Gründe für eine Forderung nach Lohnsteigerungen hätten. Denn auch der Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt werde auf diesem Weg angeheizt.

          In Europa gab und gibt es außerdem immer wieder Spekulationen auf eine Zinssenkung, da die Wirtschaft nicht sonderlich gut läuft. Allerdings dürfte eine Zinssenkung nichts bringen. Insgesamt zeigt der Trend bei der Preisentwicklung der Anleihen zwar immer noch nach oben. Allerdings wird die Luft immer dünner, da die Renditen nicht unter Null fallen können.

          Im Rückblick auf die vergangenen Jahre konnten Rentenpapiere und Rentenfonds von den im Trend sinkenden Renditen profitieren und mit manchem Aktienfonds mithalten. Sie profitierten von einem Doppeleffekt. Erstens erzielen sie in Form der Kupons regelmäßige Einnahmen. Gleichzeitig führten sinkende Renditen zu steigenden Kursen. Das heißt, Anleger konnten auf diese Weise nette Kursgewinne realisieren.

          Duration - „der Hebel“ der Anleihen

          Bei sinkenden Zinsniveaus ist es am interessantesten, Papiere mit einer möglichst langer Restlaufzeit und mit einem möglichst geringen Kupon in den Depots zu halten. Denn sie verbuchen überproportionale Kursgewinne bei fallenden Renditen. Das läßt sich ausdrücken in Form der so genannten Duration. Sie ist gewissermaßen ein Maß für die Zinssensitivität von Anleihen. Hat ein Zinspapier beispielsweise einen Kupon von Null und eine Laufzeit von 20 Jahren, dann liegt die Duration bei 20. Das heißt, wenn sich die Renditekurve um einen Prozentpunkt absenkt, dann steigt der Wert dieser Anleihe zumindest theoretisch um 20 Prozent.

          Allerdings wirkt dieser Mechanismus auch in die andere Richtung. Steigt die Rendite, so fallen die Papiere mit einer hohen Duration am deutlichsten. Genau das ist auch der Grund, wieso schon seit Monaten viele Anlagestrategen zu Anleihen mit mittleren bis kurzen Laufzeiten raten. Denn auf diese Weise wollen sie starke Kursverluste im Falle steigender Zinsen vermeiden. Das ist jedoch nicht alles. Denn sollte das Zinsniveau tatsächlich irgendwann anziehen, dann kämen schnell auch wieder neue Papiere auf den Markt, die interessantere Konditionen bieten als die aktuell laufenden.

          Grundsätzlich kann sich ein Anleger zwar eine relativ sichere Staatsanleihe mit einer langen Laufzeit ins Depot legen mit der Absicht, sie bis zum Verfall zu halten. Allerdings ist das Renditeniveau dafür im Moment nicht sonderlich interessant. Denn die Rendite einer zehnjährigen Bundesanleihe liegt nur unwesentlich über jener von Papiere mit kürzeren Laufzeiten. Aus diesem Grund ist es relativ unvernünftig, solche Papiere zu erwerben. Denn sollte er während der Laufzeit dringend Geld benötigen und bei gestiegenen Zinsen verkaufen müssen, dann müßte er unter Umständen deutliche Kursverluste hinnehmen.

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