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Rentenmarkt : Die Rentenmärkte sind angeschlagen

  • Aktualisiert am

Bild: Bloomberg

Mit europäischen Staatsanleihen ist schon einige Zeit kein Staat mehr zu machen, der Aufwärtstrend ist gebrochen. Die weiteren Aussichten sind verhalten, da sich die „Inflation überall zeigt, nur nicht in den offiziellen Indizes.“

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          Trotz des anhaltenden Börsenbooms in den vergangenen Jahren und trotz steigender Zinsen am kurzen Laufzeitende hatten sich die internationalen Rentenmärkte zunächst gut gehalten.

          Doch inzwischen hat sich die Lage eingetrübt. Der Bruch des langfristigen Aufwärtstrends etwa beim Bund-Future in den vergangenen Monaten spricht Bände. So eine Entwicklung deutet auf mehr hin als die Tatsache, dass boomende Börsen Anleger zur Umschichtung von Geldern vom Renten- in den Aktienmarkt bewegt haben - zumindest in Europa.

          Allenthalben Inflation, nur nicht in den Indizes

          Auf der anderen Seite hat sich das Bild auf der Inflationsseite in den vergangenen Jahren gewandelt. Denn die Inflationsraten tendieren beinahe weltweit nach oben, wenn man Basiseffekte ausblendet. Das gilt selbst dann, wenn man nur auf die eng definierten Preisindizes in den verschiedenen Wirtschaftsräumen blickt. Dabei ignorieren diese standhaft die Entwicklungen bei den Vermögenswerten, bei denen inflationäre Tendenzen selbst beim besten Willen schon lange nicht mehr übersehen werden können.

          Denn auf welche Werte man immer auch schauen mag, so verbuchten sie in den vergangenen Jahren beinahe unisono deutlich Preissteigerungen, seien es Anleihen, Aktien, Rohstoffe, Immobilien oder selbst Kunstwerke. Kritische Beobachter sprechen inzwischen von der „ersten wirklich weltweit auftretenden Vermögenspreisblase.“

          Sie dürfte kaum verwundern. Denn die bestimmenden Zentralbanken hielten in den vergangen Jahren die Zinsen zu lange zu tief und das Geldmengenwachstum zu hoch. Selbst jetzt noch wachsen die Geld- und Kreditmengen in Europa, den Vereinigten Staaten und vor allem auch in Asien deutlich schneller als die Volkswirtschaften. Zu dieser Entwicklung trägt die Tatsache bei, dass viele asiatische Staaten ihre Währungen mehr oder weniger stark an den Dollar gekoppelt haben, so dass die amerikanische Geldpolitik zu einem großen Teil auch für sie gilt.

          Realzinsen sind vielfach zu tief

          Die Realzinsen in weiten Teilen Asiens und Arabiens sind zu tief und kurbeln die wirtschaftliche Aktivität unabhängig von der konjunkturellen Lage zusätzlich an. Gleichzeitig nehmen aufgrund der massiven Leistungsbilanzüberschüsse die Währungsreserven rasch und deutlich zu und überschwemmen die Volkwirtschaften und immer mehr auch die internationalen Finanzmärkte mit Liquidität. Auf diese Weise ließen sich lange Zeit die tiefen Renditen und hohen Kurse an den internationalen Rentenmärkten erklären und so lassen sich nun die rasch steigenden Kurse an den Börsen ableiten.

          Da im Anleihebereich kaum noch vernünftige reale Renditen zu erzielen sind, etablieren immer mehr Staaten so genannte „Wealth Funds“ nach dem Vorbild Norwegens, die immer mehr Gelder in unterschiedliche Finanzmarkt-Segmente pumpen. Es dürfte kaum überraschen, dass dort die Kurse steigen, zumal viele Unternehmen gleichzeitig von Private-Equity-Unternehmen übernommen werden oder viele Firmen lieber eigene Aktien zurückkaufen, statt in das operative Geschäft zu investieren. So ist die Vermögenspreisinflation kaum zu übersehen.

          Auf Seite der Verbraucherpreise nehmen gleichzeitig die disinflationären Impulse aus Asien ab. Das zeigt sich unter anderen an den Re-Exportpreisen aus Hongkong, die längst einen Boden gefunden haben. Zusammen mit den anhaltend hohen Energie- und Rohstoffkosten dürften sie sich immer mehr bemerkbar machen. In diesem Sinne dürften die Zentralbanken unter normalen Umständen restriktiv bleiben müssen. „Da sich die Inflation überall zeigt, außer in den offiziellen Indizes, dürften die Rentenmärkte zusammenbrechen,“ fasste Hedge-Fonds-Manager Crispin Odey seine Wahrnehmung vor wenigen Tagen bei einer Anlegerkonferenz in Mailand zusammen.

          Aus diesem Grund werden die festverzinslichen Papiere sehr wahrscheinlich weiterhin in der Defensive bleiben. Das könnte sich nur dann ändern, falls sich die Schwächezeichen der amerikanischen Wirtschaft verdichten sollten. Daran will im Moment offensichtlich niemand glauben.

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