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Rentenfonds : Vom Fels in der Brandung zum Verlustbringer

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Bild: FAZ.NET

Galten Rentenfonds einst als Fels in der Brandung volatiler Märkte, so hängt ihnen inzwischen der Makel des Verlustbringers an. Seit langer Zeit stehen die Kurse der klassischen Staatsanleihen unter Druck.

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          Rentenfonds durchlaufen gerade einen Wandel in der Wahrnehmung der Anleger. Galten sie früher mit ihrem Fokus auf Zinspapiere als Fels in der Brandung schwankender Märkte, so hängt ihnen inzwischen der Makel der Verlustanfälligkeit an. Seit fast zwei Jahren stehen nun schon die Kurse der klassischen Staatsanleihen unter Druck.

          Bei den riskanteren Unternehmens- und Schwellenmarktanleihen dauerte es zwar bis zur Korrektur nach unten etwas länger. Umso heftiger fiel aber die Reaktion auf dem Sekundärmarkt in diesem Sommer aus.

          Verluste in den vergangenen Monaten an der Tagesordnung

          In unserer Rangliste mit Rentenfonds, die ein geringes Verlustrisiko aufweisen, ist dadurch eine seltsam anmutende Situation entstanden. Über den Zeitraum der vergangenen drei Jahre zeichnen sich die aufgeführten Produkte tatsächlich durch eine überdurchschnittliche Verlustvermeidung aus.

          Doch der vergangene Sommer brachte schmerzhafte Einschnitte in der Wertentwicklung mit sich, die in der kurzfristigen Betrachtung nicht mehr zu übersehen sind: Über die vergangenen sechs Monate sind Verluste auch in dieser Kategorie keine Seltenheit mehr.

          Frankfurt-Trust bereitet Anleger auf Abschlag vor

          Wie stark sich der Wind inzwischen gedreht hat, wird besonders am FT ABS-Plus deutlich: Noch immer hält sich dieser auf verbriefte Forderungen (Asset Backed Securities oder ABS) spezialisierte Fonds dank der in der Vergangenheit erworbenen Lorbeeren in der Spitzengruppe. Dabei ist es seit Anfang August zum Leidwesen der investierten Anleger nicht mehr möglich, die Anteile zu veräußern. Weil die Liquidität auf dem Verbriefungsmarkt nahezu komplett ausgetrocknet ist, stellt Frankfurt-Trust keine Preise mehr.

          Immerhin gab die Fondsgesellschaft, die ein Teil der Oppenheim-Tochtergesellschaft BHF-Bank ist, kürzlich einen Zwischenbericht. Darin war zu lesen, dass die Lage an den Märkten für strukturierte Kredite unverändert keinen Handel erlaube. „Vor diesem Hintergrund müssen wir an der Schließung des FT ABS-Plus festhalten.“ Frankfurt-Trust macht wenig Hoffnung, dass sich diese Situation rasch ändern könnte. Vor Ende Januar dürfte nicht mit einer Wiedereröffnung zu rechnen sein, lautet die Ansage.

          Gleichzeitig werden die Anleger auf einen größeren Abschlag vorbereitet. Im Zwischenbericht findet sich der Hinweis, dass sich der „intern ermittelte und rechtlich nicht verbindliche Anteilspreis“ Ende Oktober auf 38,96 Euro belaufen hätte. Nimmt man dies zum Maßstab, beträgt der Wertverlust des einstigen Vorzeigefonds seit der Schließung 6,4 Prozent. Seit Ende Mai, als der Fonds einen Höchststand markierte, beträgt der Abschlag immerhin schon 9,1 Prozent.

          Es gibt auch Profiteure

          Für manche Rentenfonds bedeutet die schwierige Situation an den Kreditmärkten jedoch eine Steilvorlage. Zu ihnen zählt der Absolute Return Bond Fund des Schweizer Bankhauses Julius Bär. In den Werbeunterlagen wird versprochen, unabhängig von der Marktentwicklung Gewinne zu erzielen. In den vergangenen drei Jahren wie auch in den Sommermonaten ist der Fonds den daraus erwachsenden Ansprüchen gerecht geworden.

          Das Fondsmanagement setzt dabei neben der klassischen Anlage in Staatsanleihen mit hoher Bonität gezielt kleinere Wetten in riskanten Zinstiteln und nutzt zur „Feinsteuerung“ Terminkontrakte. Damit kann der Fonds bei entsprechender Positionierung auch von fallenden Kursen profitieren. Das Fondsmanagement geht übrigens nicht davon aus, dass es in nächster Zeit ruhiger wird. „Mit der Aufdeckung weiterer Verluste im Kreditgeschäft in den kommenden Monaten und angesichts entsprechender Reaktionen werden auch die Turbulenzen im Finanzsektor andauern.“

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