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Rentenfonds : Makrorisiken dominieren Schwellenländer-Renten

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Der globale Anleihenmarkt ist schwieriger geworden. Niedrige Renditen und enge Spreads machen Fondsmanagern das Leben schwer. Paul Murray-John von Threadneedle sieht die Zukunft in einer „Absolute-Return“-Strategie.

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          Bonds-Portfolio-Manager hatten es früher auch einmal einfacher. Wenn sie international anlegten, so waren ihre Investments eher weniger stark korreliert. Das Research verfolgte in den vergangenen fünf Jahren einen „Bottom Up“-Ansatz, der im Wesentlichen darauf abzielte, länderspezifische Risiken zu identifizieren und die Gewichtung des Portfolios nach diesen auszurichten.

          Mittlerweile sei das alles sehr viel schwieriger geworden, seufzt Paul Murray-John, Manager der Fondsgesellschaft Threadneedle, der für American Express den Fonds „Global Emerging Market Short-Term Bonds“ verwaltet und seit fast 20 Jahren in der Branche tätig ist. Er hat alles mitgemacht, von der Asienkrise bis zum Zahlungsmoratorium Russlands oder Argentiniens, und kennt die Höhen und Tiefen des Markts.

          Märkte haben sich grundlegend verändert

          „Die Korrelation kommt zurück“, sagt er und meint damit gar nicht so sehr die Ansteckungsgefahr, die von Zahlungskrisen in einem Schwellenland auf die Anleihen eines anderen ausgeht. Vielmehr gingen die Ansteckungsgefahren für Schwellenländer-Anleihen vermehrt von Volatilitäten aus dem Bereich der G7-Staaten aus. Seien es nun Zinsentscheidungen der Bank of Japan oder die Verwerfungen am amerikanischen Häusermarkt - alles schlage sich durch, ganz zu schweigen von extremen Ausschlägen des chinesischen Aktienmarkts.

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          Das mache zum einen neuen Ansatz im Research erforderlich, das jetzt vermehrt „Top down“ arbeiten müsse, indem es die Entwicklung auf der globalen makroökonomischen Ebene antizipiere und daraus Handlungsempfehlungen ableite.

          Und auch diese sähen anders aus als noch vor wenigen Jahren. Aufgabe sei es, auf die kurzfristigen Ausschläge zu reagieren. Konkret bedeutet dies, dass für Murray-Johns Fonds ein konsequentes Hedging fast wichtiger geworden ist als die Auswahl der zugrunde liegenden Einzeltitel.

          Die Zukunft liegt im „Absolute Return“

          Das bedeutet auch, dass das Fondsmanagement insgesamt um einiges kurzfristiger orientiert ist als früher. Gott sei Dank aber verursachen die kurzfristigen Hedging-Aktivitäten durch den Kauf und Verkauf von Kreditderivaten um ein Vielfaches geringere Kosten wie das Umschichten der Anleihen, die wie zuvor auf Sicht von sechs bis zwölf Monaten ausgewählt werden.

          Insgesamt, sagt Murray-John, verfolgt er mittlerweile mehr einen „Absolute Return“-Ansatz. Darin sieht er auch aufgrund der schwierigen Marktbedingungen die Zukunft für Bonds-Portfolios. Die Renditen seine gefallen, die Risiken gestiegen, die Spreads eng: „Man wird für die Volatilitätsrisiken des Anleihemarktes nicht mehr entlohnt“, meint er.

          Die Schwellenländer selbst machen ihm dagegen wenig Sorgen. Mit hohen Zahlungsbilanzüberschüssen, hohen Währungsreserven und starken Wachstumsraten stellten sich diese gut dar. Die Makrodaten verbesserten sich, besonders in den bevorzugten Ländern, Russland, Argentinien, Brasilien und Indonesien.

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