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Rentenfonds : Johannes Führ setzt auf Mittelstandsanleihen

Bild: F.A.Z.

Der Markt für Mittelstandsanleihen floriert. Die Fondsgesellschaft Johannes Führ hat einen gleichnamigen Rentenfonds angelegt. Indes folgt dieser doch einem deutlich anderen Ansatz. Mit gutem Grund, erläutert Geschäftsführer Allan Valentiner.

          3 Min.

          Neue Marktsegmente gibt es auf den Finanzmärkten nicht oft. Derzeit ziehen Anleihen mittelständischer Emittenten Interesse auf sich. In früheren Zeiten auf dem Graumarkt gehandelt, stehen diesen nun an fast allen deutschen Börsen eigene Segmente zur Verfügung, wo ihre Papiere gelistet werden können.

          Martin Hock
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Fondsgesellschaft Johannes Führ Asset Management hat schon im Oktober vergangenen Jahres einen Fonds für Mittelstandsanleihen aufgelegt. Indes täuscht die Namensähnlichkeit zwischen dem „Mittelstands-Rentenfonds“ und den als Mittelstandsanleihen paraphrasierten, in Segmenten wie dem Stuttgarter Bond-M oder dem Mittelstandsmarkt in Düsseldorf gehandelten Rentenpapieren.

          Liquiditätssteuerung im Mittelpunkt

          „50 Millionen Euro muss das Volumen einer Anleihe schon betragen, dass sie für uns in Frage kommt“, sagt Allan Valentiner, Geschäftsführer von Johannes Führ. Fast die Hälfte der jungen Mittelstandsanleihen fällt damit schon durchs Raster. „Wir sind ein konservatives, auf Rentenfonds spezialisiertes Haus“, sagt Valentiner. Als solches lege man auf drei Dinge Wert: Diversifizierung, Qualität und vor allem Liquidität. „Ein Wertpapier, das ich im Ernstfall nicht verkaufen kann, ist eigentlich kein Wert-Papier.“

          Der Mittelstandsanleihenfonds ist daher bewusst auf Liquiditätssteuerung konstruiert. Mindestens 50 Prozent des Volumens sollen in großen liquiden Titeln investiert sein, von denen keiner mehr als 3 Prozent des Fondsvolumens ausmachen soll. Unter den aktuell größten Positionen im Portfolio aus 72 Titeln finden sich daher hauptsächlich großvolumige Anleihen großer Emittenten wie des Infrastrukturkonzerns Hutchison Whampoa oder von Dax-Konzernen wie Henkel und Metro.

          Pragmatischer Mittelstandsbegriff

          Alle Emittenten setzen Milliarden im Jahr um - anders als die Emittenten an den Mittelstandssegmenten, deren Umsätze sich zumeist im zwei- oder dreistelligen Millionenbereich bewegen. Bis zu 50 Prozent des Fondsvolumens können in kleinere Titel investiert werden, die bis zur Endfälligkeit gehalten werden sollen, wobei Einzelpositionen höchstens 1 Prozent des Volumens ausmachen dürfen. „Mittelstandsanleihen mit niedrigem Volumen können nur eine Beimischung sein. Wenn der Anteil der immobilen Vermögenswerte zu groß wird, kann die Strafe auf dem Fuß folgen“, sagt Valentiner.

          Der Begriff Mittelstand wird bei Johannes Führ daher eher pragmatisch verstanden. Die emittierenden Unternehmen sollten nachhaltig geführt sein, nicht zuletzt familiengeführte Unternehmen kommen in Frage. Eine übermäßige Fokussierung auf die Eigenkapitalrendite etwa ist eher ein Ausschlusskriterium, auch die Beteiligung von Finanzinvestoren sieht man bei der Titelauswahl eher kritisch. „Es geht um den klassischen deutschen Mittelstand, der ja auch international als Wort ein Begriff ist“, sagt Valentiner. Das erkläre auch die vergleichsweise hohe Gewichtung deutscher Emittenten.

          Mittelstandsbörsen grundsätzlich positiv

          Das neue Anlagesegment der Mittelstandsbörsen sieht der Geschäftsführer dennoch grundsätzlich positiv: „Der Bereich wird wachsen, die Nachfrage ist da und den Banken ist das nicht unangenehm.“ Denn diese seien durch die Erfahrungen aus der Finanzkrise und im Zuge der neuen Regulierungen (“Basel III“) gegenüber Kreditrisiken sensibler geworden und verlagerten einige daher auf den Markt. Dagegen brauche der Mittelstand mehr Flexibilität in der Finanzierung, da so manches Investitionsprojekt in einer globalen Welt nicht mehr ins Finanzierungsraster der Banken passe. Letztlich profitierten also beide Seiten davon.

          Dass das ein oder andere Unternehmen vielleicht besser von einer Emission abgesehen hätte oder würde, will er dennoch nicht ausschließen. „Wenn sich eine Tür öffnet, schlüpfen auch immer einige durch, die da nicht hingehören.“ Nicht bei allen Emittenten sei die Bonität so einfach zu überprüfen. Doch von der Börse Stuttgart wisse man, dass sie bemüht sei, die Qualität weiter zu verbessern. Das Qualitätsmanagement werde letztlich für den Erfolg ausschlaggebend sein.

          Eines sei jedoch sicher: Eine Blase habe sich bisher nicht gebildet. Weder seien die Emissionen grundsätzlich Selbstläufer, noch seien allgemein starke Kursanstiege zu verzeichnen. „Aber in einem Umfeld schwacher Rentenmärkte und angesichts vorhandener Inflationssorgen, sind die hohen Zinsen für so manchen Anleger sehr reizvoll.“ Für Johannes Führ gebe es auch ohnedies gute Investitionsmöglichkeiten, zudem habe man keine Eile: „Wir müssen da nicht hinterher laufen.“

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