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Rentenfonds : Fonds meiden Euro-Krisenländer

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Zahlreiche Marktteilnehmer erwarten seit dem vergangenen Sommer, dass sich die Schuldenkrise der Peripherie-Länder im ersten Quartal dieses Jahres ausweiten wird. Viele Fondsmanager rühren daher keine Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie mehr an.

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          Die Risikoaufschläge für die Schuldtitel finanzschwacher Euro-Länder wie Portugal, Spanien oder Italien sind am Montag zwar gesunken. Anleihehändler machten dafür die Käufe der Europäischen Zentralbank (EZB) verantwortlich, die vor allem portugiesische Papiere erworben haben soll. Andere Investoren wie Versicherer, Pensionsfonds oder Investmentfonds halten sich bei Anleihen aus den Euro-Randstaaten aber schon seit längerem zurück. Dafür gebe es jedoch keine aufsichtsrechtlichen Gründe, sagte ein hochrangiger Versicherungsaufseher.

          Markus Frühauf
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Zahlreiche Marktteilnehmer erwarten seit dem vergangenen Sommer, dass sich die Schuldenkrise der Peripherie-Länder im ersten Quartal dieses Jahres ausweiten wird und damit die Risikoprämien an den Anleihemärkten gegenüber den Renditen der stabilen Kernländer der Währungsunion - wie etwa Deutschland - steigen werden. Viele Fondsmanager rühren daher keine Staatsanleihen aus der Euro-Peripherie mehr an. „In Bezug auf Portugal fahren wir schon seit geraumer Zeit eine Finger-weg-Strategie“, sagt Johannes Müller, Anleihenexperte der DWS, der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank. Es sei absehbar gewesen, dass auch Portugal erfasst würde, wenn sich die Schuldenkrise in Europa nochmals verschärfe. „Wir ziehen zurzeit kurzfristige Papiere aus Griechenland den Staatsanleihen aus Portugal vor“, sagt Müller. Auch die Union Investment, Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, hat in den vergangenen Monaten rückläufige Renditen und somit höhere Kurse genutzt, um Bestände an mittleren und langen Laufzeiten in Portugal abzubauen.

          Auch britische Fondsgesellschaften sind extrem vorsichtig

          Bei Pimco, einer auf Anleihen spezialisierten Fondsgesellschaft des Allianz-Konzerns, ist die Skepsis bezüglich des gesamten Euro-Raums sehr groß. „Wenn wir über die nächsten sechs bis zwölf Monate hinausschauen, so haben wir erhebliche Sorgen, dass die Regierungen des Euro-Raums mehrjährige Haushaltssanierungsprogramme durchhalten können“, meint Andrew Balls, Leiter des Portfolio-Managements Europa bei Pimco. Wenn eine oder mehrere Regierungen in Europa in Zahlungsverzug kämen, drohe in Gesamteuropa eine Bankenkrise. Dies sei eines der größten makroökonomischen Risiken für die europäischen Rentenmärkte.

          Auch britische Fondsgesellschaften wie etwa Schroders sind extrem vorsichtig. „Wir haben derzeit Bundesanleihen übergewichtet, französische Staatsanleihen untergewichtet und halten keinerlei Positionen peripherer Staatsanleihen der Währungsunion“, sagt David Scammel, Fondsmanager für britische und europäische Anleihen bei Schroders. Goldman Sachs sagt, die Investorengemeinschaft „streike“ praktisch. Allerdings verkenne der Markt, dass sich die Fundamentaldaten der Peripherie-Länder deutlich verbesserten und mit Umschuldungen vor 2013 ohnehin nicht zu rechnen sei. Auch ein Ausscheiden von Ländern aus der Währungsunion sei völlig obsolet, da schwache Länder sofort massenweise Umschuldungen mit vernichtenden Belastungen am Hals hätten und starke Länder eine so dramatische Aufwertung ihrer dann neuen Währung erlebten, dass dies die Genesung ihrer Volkswirtschaft unterminieren würde. Letztlich also würden die positiven Fundamentaldaten die Märkte überzeugen. Bis dahin müsse und werde die europäische Politik alles tun, um die Währungsunion zu retten.

          Auch große Investmentbanken waren an Peripherie-Anleihen interessiert

          Es gibt viele Volkswirte in der Londoner City, die der Überzeugung sind, dass Spanien eigentlich gut dasteht und die Stärke des Landes derzeit völlig verkannt wird. Es wird also Fondsmanager von Spezialfonds, Vermögensverwalter und Hedge-Fonds geben, die in Staatsanleihen der Peripherie-Länder investieren werden.

          Im vergangenen Jahr war zu beobachten, dass auch große Investmentbanken an Peripherie-Anleihen interessiert waren. Schon frühzeitig hatten diese erkannt, dass eine Schuldenkrise drohe. Sie hatten sich daraufhin zu damals noch niedrigen Risikoprämien mit günstigen, also billigen Kreditausfallversicherungen (Credit Default Swaps; CDS) eingedeckt. Später, als die Risikoprämien gestiegen waren, deckten sie sich bei den Anleiheemissionen mit dann hochrentierlichen Titeln als Gegenpositionen ein und kassierten die Renditedifferenz.

          Das Spiel sei so massiv getrieben worden, dass bei Anleiheemissionen der Griechen im vergangenen Jahr Hedge-Fonds als Käufer gar ausgegrenzt worden seien, weil die Investmentbanken ihre Leer-Positionen hätten eindecken müssen, behaupten Kritiker in der Londoner City. Die Spekulationen am CDS-Markt und an den Märkten für Staatsanleihen hatten Sonderberichte der Europäischen Kommission und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich veranlasst, jedoch keine Hinweise auf Marktmanipulation ergeben.

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