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Rentenfonds : Bleibt den Schwellenländern treu!

Peru bietet mehr als pittoreske Ansichten Bild: REUTERS

Die Anleihen vieler aufstrebender Staaten haben schlechte Wochen hinter sich. Dennoch sollten Anleger nicht auf die Anleihen verzichten, meint Fondsmanager Yerlan Syzdykov.

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          Am Ende schien es, als genügten wenige Worte, um einem der wichtigsten Anlagetrends der vergangenen Jahre ein jähes Aus zu bereiten: Ben Bernanke, Präsident der amerikanischen Notenbank Fed hatte gesprochen - und die Kurse von Anleihen aus den Schwellenländern brachen ein. Zwar ist es mittlerweile rund zwei Monate her, dass Bernanke erstmals ein Ende der lockeren Geldpolitik andeutete. Doch die Folgen lassen sich an den Kursen bis heute ablesen. Um fast zehn Prozent haben manche Schwellenländeranleihen seitdem nachgegeben.

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ist damit auch die vielgepriesene Investmentidee der Emerging Markets hinfällig? Unter diesem Stichwort nämlich hatten zahlreiche Fondsmanager Anleihen aus den Schwellenländern ihren Investoren schmackhaft gemacht. Auch Privatanleger kauften wie verrückt.

          Bild: F.A.Z.

          War das nun ein Fehler? Und steckt hinter der ganzen Schwellenländergeschichte womöglich nur ein großer Marketing-Trick der Fondsbranche? Das mag nach dem jüngsten Kursabsturz zunächst so aussehen. Viele Experten aber wiegeln ab. Sie sind sich stattdessen sogar sicher, dass die Erfolgsgeschichte weitergehen wird. Allerdings in geringerem Tempo.

          Für Yerlan Syzdykov, Manager des eine Milliarde Euro schweren Fonds Pioneer Emerging Markets Bond, hat der Absturz sogar sein Gutes: „Die meisten kurzfristig orientierten Anleger haben ihr Geld mittlerweile aus den Schwellenländern abgezogen. Das ist aber gerade nicht zum Schaden der übrigen Investoren.“ Was Syzdykov damit meint, ist Folgendes: Viele Anleger suchten in Ländern wie Brasilien, der Türkei und Indonesien in den vergangenen Jahren vor allem die schnelle Rendite.

          Das funktionierte am besten über den sogenannten Carry-Trade: Dabei leihen sich die Investoren in einem Land mit niedrigen Zinsen Geld, um es dann in einer anderen Währung zu einem höheren Zinssatz wieder anzulegen. Die dauerhaft niedrigen Zinsen in Europa und den Vereinigten Staaten boten dafür die perfekte Grundlage: Dort nahmen die Investoren Geld auf und investierten dann beispielsweise in Staatsanleihen, die in der brasilianischen Landeswährung Real notieren - an der Zinsdifferenz ließ sich richtig gut verdienen.

          Chile und Peru mit großen Pensionsfonds

          Die Zeit für solch gute Geschäfte ist aber mittlerweile vorbei: Denn seit der Ankündigung des amerikanischen Notenbankpräsidenten ist die Rendite amerikanischer Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit deutlich auf 2,5 Prozent angestiegen - schlagartig machte dieser Umschwung das Währungsgeschäft für viele Investoren uninteressant. Die Konsequenz: Sie zogen ihre Gelder aus Schwellenländeranleihen ab und lösten so den gewaltigen Kursrutsch der vergangenen Wochen aus. Das Gute daran aus Sicht von Fondsmanager Syzdykov: Zurück bleiben die Anleger, die von der Investition in die Schwellenländer wirklich überzeugt sind. Die Gefahr eines neuerlichen Absturzes ist also gering.

          So erfreulich dies auch sein mag: Allein das rechtfertigt den Kauf von Schwellenländeranleihen noch nicht. In Kraft bleibt aber ein Argument, das angesichts der anhaltenden Krise in Südeuropa immer noch sehr wichtig ist: Die Schuldenlast vieler Schwellenländer ist gering, im Schnitt beträgt sie gerade einmal 45 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zum Vergleich: Griechenland kommt mittlerweile auf einen Wert von mehr als 170 Prozent.

          Und auch wenn Bernankes Äußerungen die Anleihen der aufstrebenden Staaten zunächst unter Druck gesetzt haben: Auf längere Sicht könnten die Schwellenländer von einer möglichen Zinswende in Amerika durchaus profitieren. Sollte Amerikas Notenbank die Leitzinsen nämlich tatsächlich erhöhen, würde dies bedeuten: Der Wirtschaft des Landes geht es wieder deutlich besser.

          Dies setzt am Ende eine Kettenreaktion in Gang. Höheres Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten stärkt auch deren wichtigen Handelspartner China. Und von China hängt die Wirtschaftsentwicklung vieler anderer Schwellenländer entscheidend ab - der Rohstoffhunger des Landes entfacht auch dort das Wachstum.

          Fondsmanager Syzdykov jedenfalls setzt nicht nur auf Anleihen großer Staaten wie China, sondern hat mittlerweile auch Chile und Peru im Depot. Der Clou: In beiden Ländern gibt es große Pensionsfonds, die für eine ständige Nachfrage nach den Papieren des eigenen Staates sorgen. Das lässt die Kurse steigen. Privatanleger sollten am besten über Fonds in die Anleihen investieren. Seit Jahren zu den besten Fonds zählt beispielsweise der Templeton Global Bond. Trotz mancher Risiken: Viel spricht dafür, dass die Erfolgsgeschichte der Schwellenländer noch längst nicht zu Ende erzählt ist.

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