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Anlagenot : Renditehunger treibt Anleger in Dividenden- und Hedgefonds

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Im Dax können Anleger solide Renditen mit Dividenden erzielen. Bild: dpa

In der anhaltenden Niedrigzinsphase setzten Privatanleger zunehmend auf Dividendenfonds. Sogar Hedgefonds werden immer beliebter. Experten warnen vor Risiken.

          In der Ära der niedrigen Zinsen suchen Anleger nach Alternativen. Seit längerer Zeit sind schon Dividendenfonds gefragt. Was lockt, ist die Aussicht auf Teilhabe am immer größer werdenden Renditekuchen der Konzerne: „Auch in diesem Jahr werden die Investoren wieder großzügig an den Gewinnen der Unternehmen beteiligt“, sagt Analyst Michael Bissinger von der DZ Bank.

          Bissinger erwartet, dass die Gewinnausschüttungen der großen deutschen Unternehmen um rund 10 Prozent auf fast 43 Milliarden Euro steigen - ein neuer Rekordwert. Auch weltweit steht den Anlegern ein Geldregen bevor, da die Konzerne wohl vom Anziehen der Konjunktur in den Industrie- und Schwellenländern profitieren sollten.

          Dividenden sind keine Zinsen

          Doch die Anleger rennen den Anbietern globaler Dividendenfonds nun schon seit Jahren die Türen ein. Laut Berechnungen des Analysehauses Morningstar sind zwischen 2011 und 2016 jährlich zwischen knapp 1 und rund 13 Milliarden Euro in Dividendenfonds geflossen. Allerdings seien diese „keine eierlegenden Wollmilchsäue“, so Morningstar-Analyst Ali Masarwah. Weil die Kurse der Aktien mitunter stark schwankten, seien sie in Zeiten extrem niedriger Zinsen definitiv keine Zinsalternative.

          Langfristig jedoch kann Sparen mit Dividendenfonds durchaus sinnvoll sein - vor allem dann, wenn die Anleger auf jährliche Ausschüttungen verzichten und sich stattdessen für eine Wiederanlage der Dividenden entscheiden. Nur dann komme der Zinseszinseffekt voll zum Tragen, sagt Masarwah. Das vom Sparbuch bekannte Phänomen ist gerade auf lange Sicht nicht zu unterschätzen, weil sich das Anlagevermögen im Zeitablauf immer schneller vermehrt.

          Und immer wieder ETFs empfohlen

          Auch eine Hedgefonds-Variante ist derzeit beliebt: Im regulatorischen Mantel eines UCITS-Publikumsfonds erscheinen sie unter dem Namen “Liquid Alternatives“  offenbar immer mehr Privatanlegern attraktiv: Die Anzahl der in Deutschland zugelassenen Fonds hat sich nach Angaben des Analysehauses Scope in den vergangenen fünf Jahren auf fast 700 verdoppelt.

          Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hält von solchen Produkten gar nichts. Man könne Märkte nicht auf Wochen- oder Monatsbasis voraussagen - doch genau das machten die Manager der „Hedgefonds light“, wenn sie schnell Wetten auf die Entwicklung zum Beispiel der Aktien-, Zins- oder Währungsmärkte eingehen und dafür eventuell auch noch Kredite aufnehmen. Entsprechend riskant seien solche Strategien - ganz abgesehen davon, dass die Kreditkosten und die hohen laufenden Managementkosten die Rendite schmälerten.

          Die Expertin Anika Kohl des Verbraucherportals Finanztip rät derweil weder zu Dividenden- noch zu abgespeckten Hedgefonds. Wer auskömmliche Renditen erreichen wolle, solle sein Geld lieber mindestens 10, besser 15 Jahre lang in günstige und breit gestreute Indexfonds stecken. Wer etwa in der Vergangenheit 15 beliebige Jahre in den Weltaktienindex MSCI World investiert habe, könne sich im Schnitt pro Jahr über 7,7 Prozent Rendite vor Steuern freuen.

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