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: Rendite mit gutem Gewissen

  • Aktualisiert am

Solaranlagen gehören zu den ethischen Investments Bild: Norbert Michalke

Nachhaltige Anlagen können sich in der Wertentwicklung mit herkömmlichen Investments messen. Auch die Risiken sind nicht in jedem Fall wesentlich höher.

          Hohe Renditen und ein gutes Gewissen müssen kein Widerspruch sein. Angesichts hoher Gas- und Ölpreise sind zum Beispiel umweltschonende erneuerbare Energien an der Börse begehrt: Der European Renewable Energy Index (Erix) ist seit Jahresbeginn um 72 Prozent gestiegen. Vor allem Solarwerte haussieren. Auch längerfristig gilt: Nachhaltige Anlagen entwickeln sich im Durchschnitt ähnlich wie herkömmliche Investments. Die Risiken sind nur unwesentlich höher.

          Was heißt nachhaltiges Investieren überhaupt? Petra Kachel vom Deutschen Aktieninstitut sieht hierin die „vierte Dimension“ der Geldanlage. Zu den Kriterien Rentabilität, Liquidität und Sicherheit einer Anlage kämen ökologische, soziale oder ethische Aspekte hinzu.

          Aktienanlagen mit höheren Risiken behaftet

          Grund für die Aktienauswahl kann sein, daß ein Unternehmen ethisch besonders beispielhaft handelt. Eine andere Möglichkeit ist es, die Auswahl durch Ausschlußkriterien wie Gentechnik, Kinderarbeit, Rüstung oder Tierversuche zu begrenzen. Weit verbreitet ist die Methode, die gemäß der eigenen Nachhaltigkeitskriterien ethisch Besten einer Branche auszuwählen, der „Best-in-Class-Ansatz“. Dieses Auswahlverfahren ist bei großen Nachhaltigkeitsindizes wie den Dow-Jones-Sustainibility-Indizes und den FTSE-4-Good-Indizes üblich.

          Daß die Geldanlage in Aktien, die sich nach sozialen, ethischen und Umweltkriterien richtet, mit vorrangig an der Rendite orientierten Anlagen mithalten kann, zeigt eine Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), bei der die 29 bekanntesten nachhaltigen Aktienindizes der Welt untersucht wurden. Demnach entwickeln sich diese Indizes im Durchschnitt ähnlich wie die ihnen als Vergleichsmaßstab zugeordneten herkömmlichen Börsenbarometer und manchmal sogar besser. „Verbunden ist dies jedoch mit einem höheren Anlagerisiko“, sagt Michael Schröder vom ZEW.

          Kein „umweltfreundliches Atomkraftwerk“

          Das Institut hat internationale, große Indizes wie den Ethical Index Global analysiert, der die Wertentwicklung von 750 Unternehmen abbildet, bis hin zu dem mit 25 Aktien relativ eng gefaßten Natur-Aktien-Index (NAI), der sowohl in der Rendite wie auch im Risiko besonders gut abgeschnitten hat. Der NAI wurde zum ersten Mal im April 1997 berechnet und hat seither 238 Prozent zugelegt, der Vergleichsindex MSCI World bringt es in diesem Zeitraum auf plus 53 Prozent.

          Allerdings könne man den NAI eigentlich nur schwer mit anderen Indizes vergleichen, weil hier eine eigene Aktienauslese stattfinde und eben keine Teilmenge eines größeren Index gebildet werde, sagt Schröder. „Durch die Auswahl soll verhindert werden, daß unakzeptable Branchen und Unternehmen Eingang in den Index finden“, erläutert Norbert Schnorbach, beim Versicherer Securvita für den NAI zuständig: „Das ,umweltfreundlichste Atomkraftwerk' hat bei uns keinen Platz.“ Man setze auf erfolgreiche Öko-Vorreiter, hinzu kämen Branchen- und Länderaspekte. Derzeit sind unter anderem die Kosmetikkette Body Shop und der Pfandautomatenhersteller Tomra im NAI enthalten.

          „Best-of-Class“-Fonds werden empfohlen

          Der Markt für ethische Investments steckt zumindest in Europa noch in den Kinderschuhen, während in den Vereinigten Staaten allgemeinen Schätzungen zufolge bereits zehn Prozent der Anlagevolumina unter Berücksichtigung ethischer Kriterien investiert sind. „Vor allem in Deutschland sind die von institutionellen Investoren angelegten Mittel noch verhältnismäßig gering“, sagt Paschen von Flotow von der European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel. In Europa dürften etwa 35 Milliarden Euro in Publikumsfonds investiert sein. Vorreiter seien hier Großbritannien, Skandinavien wie auch die Niederlande. Das unterschiedliche Anlageverhalten habe kulturelle aber auch regulatorische Gründe.

          Und was sollten Anleger beachten? Eine breitgestreute Anlage über Fonds sei auf jeden Fall sinnvoller als die zum Teil hochriskante Einzelanlage, empfiehlt Kachel. Sie rät, die nachhaltigen Ausschlußkriterien auf die individuell wichtigsten Aspekte zu beschränken und im Zweifel einen nach dem Best-in-Class-Ansatz investierenden Fonds zu wählen.

          Dieses Verfahren stelle sicher, daß das Branchenspektrum innerhalb des Portfolios möglichst groß und die Risiken breit gestreut seien. Die in nachhaltig investierenden Fonds am häufigsten genannten deutschen Unternehmen sind die Allianz und die Deutsche Telekom. In Deutschland sind derzeit rund 80 nachhaltig geprägte Fonds zum Vertrieb zugelassen, derivative Wertpapiere dagegen gibt es nur wenige.

          Die Societe Generale zum Beispiel hat ein Erix-Produkt emittiert. Bei ABN Amro gibt es ein Zertifikat auf alternative Energien, bei UBS eines auf den FTSE4Good-Europe-50. Anleger sollten Nachhaltigkeits-Investments genau unter die Lupe nehmen. „Denn es gibt keine Standardisierung“, sagt Flotow: Einige Anlageuniversen seien sehr eingeschränkt auf ökologische Themen und andere wiederum sehr nah an konventionellen Vergleichsmaßstäben. Es gilt zudem: Nicht immer halten die Namen der Finanzprodukte, was sie versprechen.

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