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Reichtumsbericht : Reiche verlieren ein Fünftel ihres Vermögens

Krise? Für den Besuch der Millionärsmesse in Moskau im Dezember reichte das Geld noch Bild: dpa

Jeder Siebte, der 2007 noch reich war, ist es heute nicht mehr. Die Krise trifft vor allem die Millionäre in den Vereinigten Staaten. Den vermögenden Deutschen kam ihre überwiegend konservative Geldanlagestrategie zugute.

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          Die zehn Millionen reichsten Menschen der Welt haben im vergangenen Jahr ein Fünftel ihres Vermögens verloren. Wie aus dem von Merrill Lynch und Capgemini am Mittwoch vorgelegten „World Wealth Report“ hervorgeht, sank deren Vermögen vor allem wegen gefallener Aktienkurse im Jahr 2008 von 40,7 auf 32,8 Billionen Dollar. Durchschnittlich verfügten die Reichen somit über ein Vermögen von knapp 3,3 Millionen Dollar. Selbstgenutzte Immobilien werden in dieser Rechnung nicht berücksichtigt.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          Von den 2007 noch als reich definierten Personen haben 1,5 Millionen diesen Status im Laufe des Jahres 2008 verloren. Am Jahresende verfügten auf der Welt nur noch 8,6 Millionen Menschen über ein Finanzvermögen von mehr als einer Million Dollar (gut 700.000 Euro). In Indien fiel fast ein Drittel der Millionäre im Jahresverlauf unter diese Schwelle, in Russland, Großbritannien, Kanada und Australien rund ein Viertel.

          Die meisten Reichen in den Vereinigten Staaten

          Am besten hielt sich Deutschland unter den Ländern mit einer nennenswerten Anzahl an Reichen. Hier sank die Zahl derjenigen mit einem Finanzvermögen von mehr als einer Million Dollar nur um 3 Prozent auf 810.000. Auch der Vermögensverlust fiel mit 10 Prozent deutlich geringer aus als im Durchschnitt. „Die Deutschen legen ihr Geld überwiegend konservativ an und litten deswegen im vergangenen Jahr relativ wenig unter den Kursverlusten an den Aktienmärkten“, sagt Oliver Orth, Leiter des Geschäfts mit vermögenden Privatkunden von Merrill Lynch in Deutschland. „Auch hat es hierzulande keine Immobilienblase gegeben, die in anderen Ländern viel Vermögen vernichtet hat.“

          Die meisten Reichen gibt es trotz überdurchschnittlicher Vermögenseinbußen mit 2,46 Millionen in den Vereinigten Staaten, gefolgt von Japan mit 1,37 Millionen und Deutschland mit 810.000. In diesen drei Ländern leben mehr als die Hälfte aller Reichen auf der Welt. Auf Rang vier schob sich China mit 364.000 Reichen und verdrängte damit die durch die Immobilien- und Finanzkrise arg gebeutelten Briten auf Platz fünf. Der Aufholprozess der reichen Russen und Inder wurde jäh gestoppt. Mit 97.000 reichen Russen und 84.000 reichen Indern ist die Diskrepanz zu den ersten zehn Ländern deutlich größer geworden.

          Großer Vertrauensverlust

          Noch betrüblicher als für die Reichen entwickelte sich die Geldanlage der „Superreichen“ im Jahr 2008. Definiert als Personen mit einem Finanzvermögen von mehr als 30 Millionen Euro, schrumpfte diese Gruppe um ein Viertel auf weniger als 90.000 Personen. In Deutschland wird deren Zahl auf gut 8000 geschätzt. Das Vermögen sank durchschnittlich um 23 Prozent und damit stärker als das der Reichen insgesamt. Die Aktienbestände machen nach den deutlichen Kursverlusten mittlerweile nur noch ein Viertel des Vermögens der Reichen aus. Knapp ein Fünftel ist in Immobilien und Grundstücken angelegt, ein gutes Fünftel wird kurzfristig verfügbar auf Konten gehalten, und knapp 30 Prozent sind in Anleihen investiert.

          Die erheblichen Vermögensverluste der Reichen haben zudem das Vertrauen in ihre Anlageberatung erheblich erschüttert. 27 Prozent der Reichen haben die Geschäftsbeziehung zu ihrem bisherigen Vermögensverwalter beendet oder ihm zumindest Teile ihres Geldes entzogen. „Wir haben einen Vertrauensverlust in bisher noch nie dagewesener Form beobachtet“, sagt Martin Butscher, Leiter der Vermögensverwaltung von Capgemini in Deutschland. „Es sind bereits Billionen verschoben worden, und das Ausmaß der potentiellen Wechsler ist noch sehr hoch.“ Die Daten der Studie basieren auf Umfragen unter Vermögensverwaltern, Beratern und reichen Privatleuten.

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