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Privates Geldvermögen : Die Deutschen werden immer reicher

  • -Aktualisiert am

Jede Menge Franken: Die Schweiz hat die reichste Bevölkerung der Welt Bild: dpa

Das Geldvermögen ist hierzulande trotz der Finanzkrise so hoch wie nie. Aber auch stark verschuldete Staaten wie Japan, die Vereinigten Staaten und Italien haben eine sehr reiche Bevölkerung.

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          Das Geldvermögen der Deutschen ist 2010 abermals gestiegen und erreicht mit gut 60.000 Euro je Einwohner einen neuen Rekordwert. Dies geht aus dem am Mittwoch vorgestellten Global Wealth Report der Allianz hervor. Damit liegt Deutschland auf Rang 17 der 50 wirtschaftlich bedeutendsten Länder. Immobilienbesitz wird hiebei nicht berücksichtigt, sondern nur Vermögen in Wertpapieren, Versicherungen und auf Bankkonten. Je Einwohner sind die Schweizer am reichsten. Es folgen mit den Amerikanern und Japanern zwei Länder mit sehr reicher Bevölkerung bei gleichzeitig hoher Staatsverschuldung, wobei die privaten Geldvermögen die Staatsverschuldung deutlich übertreffen. Auch die Einwohner von hochverschuldeten Staaten wie Belgien und Italien haben deutlich mehr Geldvermögen als ihre Staaten Schulden und sind zudem im Durchschnitt reicher als die Deutschen.

          Daniel Mohr

          Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Woche.

          „Die Vermögen in Ländern mit sehr hoher Staatsverschuldung sind beträchtlich“, sagt Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. „Diese Staaten wären damit durchaus in der Lage, Mittel für ihre Staatshaushalte aufzutreiben.“ Heise will den Ländern dazu keine Vorschläge machen, betont jedoch, dass bei der aktuellen Diskussion nicht immer nur der Staatsschuldenstand, sondern auch die Habenseite betrachtet werden sollte.

          Rückgang des Jahres 2008 mehr als ausgeglichen

          Der Blick auf die Vermögensverteilung auf der Welt widerlegt zudem die Befürchtung, der Reichtum der Industrieländer neige sich dem Ende entgegen und dafür sei in China Geld im Überfluss vorhanden. Mehr als die Hälfte der Geldvermögen auf der Welt liegen in den Händen von Amerikanern und Japanern, die aufstrebenden BRIC-Länder Brasilien, Russland, Indien und China kommen zusammen gerade einmal auf 7 Prozent. „Die Chinesen sind im Durchschnitt bitterarm“, sagt Arne Holzhausen, Volkswirt der Allianz und Mitautor der Studie. Zwar wüchsen die Vermögen in den Ländern mit armer Bevölkerung schneller als in den reichen Ländern, in absoluten Zahlen gehe die Schere jedoch weiter auseinander. „Wenn sich das Vermögenswachstum mit den bisherigen Raten fortsetzt, würde erst vom Jahr 2026 an auch in absoluten Zahlen eine Annäherung erfolgen.“

          Insgesamt hat das Bruttogeldvermögen in den 50 wirtschaftlich bedeutendsten Ländern Ende des Jahres 2010 gut 6 Prozent höher gelegen als Ende 2009 und mit gut 95 Billionen Euro einen neuen Rekordwert erreicht. Damit wurde der Rückgang des Jahres 2008, als die Aktienkurse deutlich fielen, nach zwei Jahren wieder mehr als ausgeglichen. Im Jahr 2011 dürfte der Vermögenszuwachs um knapp 3 Billionen im ersten Halbjahr durch den jüngsten Aktienkursrückgang nach Schätzungen der Allianz wieder verlorengegangen sein.

          Trend zu einer weniger riskanten Geldanlage

          Werden von dem Bruttogeldvermögen die Schulden der privaten Haushalte abgezogen, verbleibt immer noch ein Nettogeldvermögen von rund 65 Billionen Euro. Es ist in den vergangenen zehn Jahren wegen mehrerer scharfer Kursrückgänge am Aktienmarkt nur um 3 Prozent im Jahr gestiegen und lag damit kaum höher als die Inflationsrate. Einen überdurchschnittlichen Zuwachs erzielte das Nettogeldvermögen der Deutschen mit einem Anstieg um 5,4 Prozent im Jahr. Hier hat sich die konservative Anlagestrategie mit einem relativ geringen Anteil an Aktien und anderen Wertpapieren bezahlt gemacht. Besonders starke Vermögensverluste gab es hingegen seit dem Jahr 2007 in Griechenland, Spanien, Irland und den Vereinigten Staaten, allesamt Länder, die zum einen von der Krise besonders stark betroffen waren und deren Bevölkerung zum anderen hohe Anteile ihres Vermögens in Wertpapieren angelegt hatte.

          Generell ist mittlerweile ein Trend zu einer weniger riskanten Geldanlage zu beobachten, und auch der Anstieg der Verschuldung der privaten Haushalte hat sich verlangsamt. In den Jahren 2009 und 2010 sind die Vermögen erstmals seit langem wieder nicht nur absolut, sondern auch relativ schneller gestiegen als die Schulden. Damit ist die Relation der Schulden der Privathaushalte zur Wirtschaftsleistung seit 2007 zurückgegangen, während gleichzeitig die Staatsschulden in Relation zur Wirtschaftsleistung deutlich zugenommen haben.

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