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Private Equity : Das deutsche Beteiligungsgeschäft liegt darnieder

  • -Aktualisiert am

Quelle: E&Y Bild: E&Y

Nur 54 Transaktionen im Geschäft mit Unternehmensbeteiligungen hat die Beratungsgesellschaft Ernst & Young im ersten Halbjahr in Deutschland gezählt. Die Beteiligungsfonds leiden unter der Knappheit von Bankkrediten.

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          Die Tristesse im Geschäft mit Unternehmensbeteiligungen (Private Equity) ist in den Halbjahreszahlen vom deutschen Markt deutlich ablesbar. Lediglich noch 54 Transaktionen hat die Beratungsgesellschaft Ernst & Young (E&Y) in den ersten sechs Monaten hierzulande gezählt, ein Drittel weniger als im ebenfalls schon von der Finanzkrise geprägten zweiten Halbjahr des Vorjahres. Auch die dabei investierten Beträge gingen um knapp ein Drittel auf 2,8 Milliarden Euro zurück, und dieser Wert wurde nur erreicht, weil die E&Y-Experten den Einstieg des Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi mit 9,1 Prozent beim Autokonzern Daimler als Private-Equity-Transaktion verbuchten.

          Vom Rekordwert der zweiten Jahreshälfte 2006, als Beteiligungsgesellschaften in Deutschland rund 30 Milliarden Euro in Übernahmen investierten, ist die Branche inzwischen wieder auf das Niveau von 2002 abgerutscht. Und eine Besserung ist so schnell nicht in Sicht, resümiert der zuständige E&Y-Bereichsleiter Joachim Spill. „Angesichts der immer noch knappen Bankkredite ist die Private-Equity-Branche gezwungen, ihre herkömmlichen Geschäftsmodelle auf den Prüfstand zu stellen“, erläutert er. Zum Zuge kämen jetzt noch Finanzinvestoren, die ihre Geschäfte auch mit einem hohen Eigenkapitalanteil durchführen können, „denn die Zeiten des Geschäfts mit starken Hebeleffekten über eine hohe Verschuldung sind auf absehbare Zeit vorbei“, sagt Spill.

          „Für gute Wachstumsfirmen muss man noch immer hohe Preise zahlen“

          Entscheidend für den Erfolg sei nun, dass die Private-Equity-Manager ihren Worten auch Taten folgen lassen und ihre Unternehmen im operativen Geschäft tatsächlich voranbringen. „Ebenso wichtig ist ein langer Atem, der es erlaubt, die Beteiligungen so lange zu halten, bis die betrieblichen Prozesse grundlegend geändert sind“, fügt Spill hinzu. Allerdings werden die Private-Equity-Häuser derzeit auch vom Marktumfeld dazu gezwungen, ihre Beteiligungen länger zu halten als geplant, da Börsengänge oder Weiterverkäufe an andere Investoren kaum noch stattfinden. Lediglich 31 solcher Transaktionen wurden auf dem deutschen Markt im ersten Halbjahr registriert, und ihr Volumen lag mit 0,3 Milliarden Euro um 94 Prozent unter dem Vergleichswert des Vorjahres.

          Florian Wendelstadt leitet die amerikanische Beteiliungsgesellschaft General Atlantic
          Florian Wendelstadt leitet die amerikanische Beteiliungsgesellschaft General Atlantic :

          Allerdings seien nicht alle Spielarten des Private-Equity-Geschäfts gleichermaßen von der Krise betroffen, sagt Florian Wendelstadt, Geschäftsführer der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft General Atlantic (GA). Seine Gesellschaft, die in Deutschland der einstige Mannesmann-Vorstandsvorsitzende Klaus Esser führt, zählt mit einem Investitionsvolumen von rund 13 Milliarden Dollar zu den weltweit führenden Wachstumsfinanzierern. Und auf diesem Feld seien die Veränderungen bei weitem nicht so dramatisch ausgefallen. „Für gute Wachstumsfirmen muss man noch immer hohe Preise zahlen, und dazu sind wir auch bereit“, sagt Wendelstadt.

          Strategien für die Erweiterung zu entwickeln

          Üblich seien weiterhin Preisvorstellungen in Höhe des zehnfachen Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda), „und gute Unternehmen finden auch Käufer“. Dafür erwiesen sich solche Übernahmen auch jetzt in der Krise als lohnende Investments. „Das gesamte Portfolio von General Atlantic wies 2008 ein Umsatzwachstum von knapp 30 Prozent auf“, sagt der GA-Manager. Und auch in diesem Jahr lägen die meisten Beteiligungen bislang über dem Plan eines organischen Wachstums von 15 Prozent.

          Daher schaue GA sich in Deutschland nach weiteren Übernahmemöglichkeiten um. „Ein Deal ist 2009 auf jeden Fall drin“, sagt Wendelstadt. Allerdings nennt der GA-Manager strenge Kriterien, welche Firmen für seine Gesellschaft in Frage kommen: Sie müssen profitabel und in einem schon großen Wachstumsmarkt - Volumen mindestens 1 Milliarde Euro - unterwegs sein, „und in guter Position, um Marktführer zu werden“, listet er auf. Der Wachstumsfinanzierer ist anschließend dazu da, solche Firmen mit Kapital für Zukäufe zu versorgen, Strategien für die Erweiterung zu entwickeln und am Ende den Weiterverkauf durchzuführen - bevorzugt an die Börse.

          Navigon wies 2007 rote Zahlen aus

          Zwischen 50 und 500 Millionen Euro stellt General Atlantic für eine einzelne Transaktion bereit, das Zwei- bis Dreifache dieses Betrags kann als Fremdkapital dazukommen. Auch Minderheitspositionen werden eingenommen, falls die Strategie stimmig ist. In Deutschland hält die Gesellschaft derzeit Anteile an den drei Firmen Compugroup (16,5 Prozent), Navigon und Wagnerstibbe (jeweils mehrheitlich). Vor allem die Laborgruppe Wagnerstibbe habe sich bislang als überaus erfolgreich erwiesen, sagt Wendelstadt. Während der medizinische Labormarkt mit 3 bis 5 Prozent wachse, habe das Göttinger Unternehmen organisch um mehr als 20 Prozent zugelegt.

          Vier Zukäufe in diesem Jahr trügen dazu bei, Wagnerstibbe in die Top 3 der Laborketten zu führen. Der deutsche Labormarkt ist schon seit geraumer Zeit im Visier von Finanzinvestoren: Auch die Private-Equity-Gesellschaft 3i kaufte sich zum Beispiel unlängst bei der rasch expandierenden Firma Labco ein. „Kleinere Labore kommen immer mehr unter Margendruck, durch eine Konsolidierung kann die Auslastung der Apparate deutlich erhöht werden“, erläutert der GA-Manager. Weniger Freude hatte der Finanzinvestor dagegen zunächst am Navigationsgerätehersteller Navigon, der 2007 rote Zahlen auswies und - für einen Wachstumsfinanzierer eher ungewohnt - von General Atlantic restrukturiert werden musste. „Wir haben nachfinanziert, um die Firma wieder in die Spur zu bringen. Jetzt ist sie profitabel“, sagt Wendelstadt.

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